BA-Fachkräftestudie: Strategiepapier irritiert Firmen

BA-Fachkräftestudie
Strategiepapier irritiert Firmen

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat mit einem Strategiepapier zum Fachkräftemangel für Irritationen gesorgt. Auslöser ist eine Darstellung, die die Weiterbildungsaktivität deutscher Unternehmen in fahlem Licht erscheinen lässt.

BerlinDie BA habe dazu "leider nur Teile der Realität" abgebildet, klagte Knut Diekmann vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Es wäre ärgerlich und unzutreffend, wenn daraus der Eindruck entstünde, dass die deutschen Unternehmen kein besonderes Interesse an der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zeigen."

In der 56-seitigen Schrift mit dem Titel "Perspektive 2025" hat der BA- Vorstand statistische Daten und politische Handlungsoptionen aufgelistet - was schon deshalb markant ist, weil die BA politisch heikle Themen sonst strikt meidet. In dem Papier bemängelt sie, dass deutsche Firmen in Europa "zu jenen mit den wenigsten Fortbildungsangeboten zählen". Die auch mit Grafiken unterlegte Kritik stützt sich auf den jüngsten Bildungsbericht von Bund und Ländern. Allerdings sind die Daten von 2005.

Ärgerlich sei dieser Vergleich bereits insofern, als er die speziellen Leistungen des deutschen Berufsbildungssystems ausblende, moniert der DIHK. Was anderswo als Weiterbildung zähle, werde hier oft schon bei der Erstausbildung erbracht. Zudem haben deutsche Firmen seit 2005 bei der Weiterbildung klar zugelegt, wie Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen. Danach war der Anteil der Firmen, die ihren Mitarbeitern Kurse bieten, 2008 so hoch wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.

Schlechte Noten für die Weiterbildung wären für die Wirtschaft politisch heikel, weil damit ihr Ruf nach mehr Zuwanderung an Glaubwürdigkeit verlöre. Davon abgesehen sehe die BA Weiterbildung völlig zu Recht als "eines der wichtigsten Instrumente zur Behebung strukturellen Fachkräftemangels", sagte Diekmann. Mit Wohlwollen registriert die Wirtschaft indes, dass die BA auch Zuwanderung als eine mögliche Option gegen Fachkräftemangel aufführt.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%