BA rechnet mit 70 000 fehlenden Ausbildungsplätzen im Herbst
Keine Entwarnung am Lehrstellenmarkt

Auch im Juni hat sich die Lage am Lehrstellenmarkt nicht entspannt. Nach den jüngsten Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg ist die Lücke zwischen den noch offenen Ausbildungsplätzen und den unversorgten Bewerbern nur leicht auf 163 000 gefallen. Ende September werden deshalb voraussichtlich 70 000 Jugendliche ohne Lehrstelle dastehen – lautet die unveränderte Prognose der Nürnberger. Im Juni 2002 betrug die Ausbildungsplatz-Lücke rund 131 000. Ende September 2002 fehlten dann noch 20 000 Plätze.

bag BERLIN. Damit bleibt weiter die Drohung der Bundesregierung virulent, eine Ausbildungsplatzabgabe einzuführen, wenn die Wirtschaft nicht genügend Ausbildungsstellen anbietet. Sowohl der Kanzler als auch die Minister für Wirtschaft und Bildung, Wolfgang Clement und Edelgard Bulmahn (alle SPD), hatten das jedoch mehrfach als schlechteste Lösung bezeichnet. Als Vorstufe wollen sie eine eigene Umlagefinanzierung der Wirtschaft akzeptieren.

Der Deutsche Industrie- und Handelstag sieht jedoch überhaupt keinen Anlass, sich auf diese Frage einzulassen. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben glaubt nicht, dass es so kommt, wie die BA prognostiziert. Der DIHK bleibt auch nach den jüngsten Zahlen bei seiner Gegenprognose von allenfalls 30 000 fehlenden Lehrstellen Ende September.

Bulmahn hat die Wirtschaft erneut zu mehr Einsatz bei der Ausbildung aufgefordert. Die Unternehmen sollten selbst für einen Kostenausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben sorgen. Die Ministerin forderte verbindliche Absprachen in Tarifverträgen über die Zahl von Lehrstellen. Hintergrund ist die Tatsache, dass in Deutschland nur noch 30 Prozent aller Betriebe ausbilden. Zugleich klagen die Unternehmen über zu hohe Ausbildungskosten.

Die von der Bundesregierung angedrohte Abgabe für Betriebe ohne Lehrlinge sei „wahrlich nicht der Idealzustand“, so Bulmahn. „Aber eines geht ganz klar nicht: dass zigtausende Jugendliche ohne Ausbildung bleiben.“ Der Bundeskanzler habe „klipp und klar“ gesagt, dass es eine gesetzliche Regelung geben werde, wenn die Wirtschaft nicht genügend Ausbildungsplätze anbiete.

Trotz der insgesamt schlechten Lage gibt es in einigen Regionen und bestimmten Berufen durchaus noch freie Lehrstellen – und nicht nur in den traditionell im Westen nur mäßig nachgefragten Berufen in der Landwirtschaft und am Bau, sagte BA-Vorstand Alt.

In einigen Berufen gebe es sogar ein „globales Überangebot“ an Lehrstellen: Bei Lehrstellen für Fachleuten für die Systemgastronomie etwa sei das Angebot sechs mal so groß wie die Nachfrage. Bei Fleischern und Fachverkäufern im Lebensmittelhandel sei das Verhältnis immerhin noch zwei zu eins. Weitere Berufe, die nicht genügend Nachwuchs finden, sind Bäcker und Gebäudereiniger, aber auch Versicherungskaufleute. Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg sei das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bei den Lehrstellen zumindest rechnerisch sogar ausgeglichen. Und in Nordrhein- Westfalen würden überraschenderweise sogar Bankkaufleute gesucht.

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