Bad Bank
Schäuble: Nicht Schuld an Rechenfehler

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will nicht die Verantwortung für den Rechenfehler in der Bilanz der Bad Bank FMS Wertmanagement übernehmen. Zuständig sei der Wirtschaftsprüfer, hieß es aus dem Ministerium.
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Frankfurt/Düsseldorf Das Bundesfinanzministerium hat jede Verantwortung für den milliardenschweren Rechenfehler bei der Bad Bank der verstaatlichten Hypo Real Estate zurückgewiesen und den Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC) kritisiert. „Wir hatten einen testierten Jahresabschluss 2010, der gesagt hat, es ist alles gut“, sagte Ministeriumssprecher Martin Kotthaus am Montag in Berlin. Das Ministerium übe nicht die Fachaufsicht über die Bad Bank mit dem Namen FMS Wertmanagement aus. Für die Aufstellung der Bilanz seien die Gesellschaft selbst und der Wirtschaftsprüfer verantwortlich, sagte er.

Das Ministerium sei erstmals am 4. Oktober über einen eventuellen Korrekturbedarf in Milliardenhöhe unterrichtet worden, sagte Kotthaus. Endgültig bestätigte Zahlen hätten am 11. Oktober vorgelegen, zwei Tage später sei die europäische Statistikbehörde Eurostat unterrichtet worden. Am 21. Oktober hätte das Finanzmarktgremium des Bundestages informiert werden sollen. Da die Sitzung ausgefallen sei, seien die Abgeordneten dann am 28. Oktober umfassend informiert worden.

Zuvor hatte auch Unionsfraktionsvize Michael Meister PwC scharf kritisiert. „Auf diese Bilanz hat ja nicht nur einer geschaut. Auch die Rolle der Wirtschaftsprüfer muss aufgeklärt werden“, sagte der CDU-Politiker der „Rheinischen Post“.

Ein Fehler in dieser Größenordnung hätte auffallen müssen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) treffe jedoch kein Vorwurf. „Er muss nun aber rückhaltlos aufklären, wie und warum das passieren konnte.“

Das Bundesfinanzministerium hatte am Freitag bestätigt, dass die „Bad Bank“ der Hypo Real Estate (HRE), die FMS Wertmanagement, 55,5 Milliarden Euro in ihrer Bilanz falsch verbucht hatte. Durch die Korrektur des Rechenfehlers sinkt die deutsche Schuldenstandsquote im laufenden Jahr um 2,6 Prozentpunkte.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC teilte am Sonntagabend mit, dass sich im Rahmen der Prüfung keine Anhaltspunkte für Fehler im Jahresabschluss zum 31. Dezember 2010 ergeben hätten. Im Zusammenhang mit dem verkürzten Halbjahresabschluss zum 30. Juni 2011 seien jedoch Geschäftsvorfälle identifiziert worden, bei denen die Verrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten aus Derivategeschäften gegenüber demselben Vertragspartner unterblieben sei.

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  • Die Buchhalter und die Prüfer haben Mist gebaut. Ob das nun wirklich versehentlich geschah oder mit Absicht bleibt unklar.

    Allerdings liegt der Verdacht nahe, daß hier in voller Kenntnis falsch gebucht wurde; es ist unwahrscheinlich, daß gleich mehrere gelernte Leute bloß irrtümlich gleiche Fehler machten.

  • Aus dem Bericht der FSM vom 18.10.2011 zur Lage als Halbjahresbericht, der sich mit der Stellungnahme der Wirtschafsprüfungsgesellschaft deckt, heißt es auszugsweise wie folgt:
    http://www.fms-wm.de/
    Im Halbjahresabschluss zum 30. Juni 2011 werden hierbei insbesondere im Zusammenhang mit Finanzderivaten gestellte oder erhaltene Barsicherheiten, sofern vertraglich möglich, je Kontrahent saldiert in den entsprechenden Bilanzposten ausgewiesen. Die zugehörigen VERGLEICHSZAHLEN zum 31. Dezember 2011 wurden angepasst und führen zu einer reduzierten Bilanzsumme von 333,3 Milliarden Euro.
    Jeder der etwas von der Materie Buchhaltung versteht erkennt klar, dass lediglich für einen VERGLEICH DER ZAHLEN die Summe der Bilanz VOM 31.12.2010 geändert wurde. Darstellungsstatistik damit nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. Selbst bei einer TATSÄCHLICHEN Korrektur wäre dies nur ein Aktiv/Passiv Tausch zwischen Forderungen und Verbindlichkeiten gewesen, ohne Einfluss auf das Ergebnis. Wie diese Zahlen sich dann im Schattenhaushalt (einspaltig) darstellen, dass ist das große Fragezeichen und wird bei Überprüfung wahrscheinlich den Fehler klären. Es wurde m.E. nur die Passivseite übernommen und die Aktivseite (Forderungen) vergessen. Im Finanzministerium kennt man bei der Haushaltslage nur Passiv(Schulden)!
    War 10 Jahre für das Rechnungswesen einer Firma zuständig, davon ein Gesellschafter mit öffentlichem Haushaltsrecht. Nach dieser Erfahrung kann ich sagen, alles was diese Beamten mit ihrem kameralistischen Blick nicht verstehen ist falsch.
    Kein Verständnis für Soll/Haben oder Aktiv/Passiv - GOB was ist das Großer Ober Beamter?
    Die Unterstellungen und Beschuldigungen vom Oberfinanzspezie finde ich schon eine Frechheit. Es reicht nicht das die Banker für unsolide Haushaltspraktiken herhalten müssen, nein jetzt kommt der andere Berufsstand dran.

  • wer glaubt, dass dies ein zufällig passierter Rechenfehler über 55 Milliarden war, sollte sich auf seinen Geisteszustand hin untersuchen lassen

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