Baden-Württemberg
Der Messeklau von Sinsheim

Das nordbadische Städtchen Sinsheim sorgt gemeinhin höchstens dann für Aufsehen, wenn ein ausrangiertes Flugzeug wie die Concorde ins örtliche Verkehrsmuseum transportiert wird. Im Stuttgarter Landtagswahlkampf aber tobt ein bizarrer Streit um zehn Messen und 1 600 Jobs.

HB STUTTGART. Sürde die A 6 nicht direkt an Sinsheim und seinem Museum vorbeiführen, wäre der Ort mit seinen 34 000 Einwohnern wohl ein völlig unbekanntes Provinznest. Doch die Staumeldungen aus dem Radio tragen den Namen Sinsheim fast jeden Tag in den gesamten Süden der Republik hinaus. Derzeit wird eine dritte Autobahnabfahrt gebaut. Eine Abfahrt, die eigentlich direkt zur Messe Sinsheim mit ihren sechs Hallen führen sollte.

Dort, vor einer leeren Messehalle, spritzt ein Angestellter den Boden mit Wasser ab. Auf die Frage, wie es geht, antwortet er nur: "Man muss ja was tun, das lenkt wenigstens ab." Ablenken von dem, was unausweichlich scheint: Sinsheim wird seine zehn Messeveranstaltungen verlieren, weil der private Veranstalter Paul Schall, der die Provinzmesse aufbaute, nun in die Landeshauptstadt siedelt.

Das klingt nicht besonders spektakulär, doch hinter dem Umzug verbirgt sich ein veritabler Politskandal. Von "Messeklau" ist in Sinsheim die Rede, und "Wildwestmanieren". Immerhin hängen an den zehn Messen 200 000 Besucher und 1 600 Jobs in der Region.

Der Aufschrei entzündet sich an der Tatsache, dass eine private und noch dazu profitable Messegesellschaft mit Geldern einer öffentlich geförderten Konkurrenzveranstaltung abgeworben wird. Inzwischen hat sich mit dem Vorgang sogar ein Untersuchungsausschuss im Landtag beschäftigt, in der die zwielichtige Rolle der Landesregierung unter Ministerpräsident Günther Oettinger beleuchtet wird.

Im Werben um Stimmen vor der Landtagswahl am Sonntag hat man Oettinger in Sinsheim nicht gesehen. Jener Kleinstadt, in der Oettinger noch im Mai 2005 höchstselbst ein neues Hotel nahe der Messe einweihte und die Wirtschaftskraft der Region lobte.

Seit der Arbeit des Untersuchungsausschusses ist klar, das Oettinger an jenem Tag schon wusste, dass es den Messeunternehmer Paul Schall mit seinen Veranstaltungen in die Landeshauptstadt ziehen würde - aus freien Stücke, wie Oettingers Partei, die CDU, betont.

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