Baden-Württemberg
Überraschende Stimmen für den ersten grünen Ministerpräsidenten

Die Nervosität im Stuttgarter Landtag war groß: Würden die Stimmen reichen für die Wahl des ersten grünen Ministerpräsidenten? Nun zeigt sich, dass Winfried Kretschmann sogar Fans in der künftigen Opposition hat.
  • 3

StuttgartWinfried Kretschmann betritt um 10.51 Uhr den Plenarsaal des Stuttgarter Landtags. Jede seiner Bewegungen wird von Kameras verfolgt. Sofort bildet sich eine Traube von Medienvertretern und Abgeordneten um ihn. Der Grünen-Politiker winkt fünf Tage vor seinem 63. Geburtstag nach oben und kommt dann hoch auf die Zuschauertribüne, begrüßt dort Angehörige und Ehrengäste. Nach drei Minuten ist er wieder verschwunden.

Um 10.59 Uhr läutet der frisch gewählte Landtagspräsident Willi Stächele (CDU), bittet die Abgeordneten Platz zu nehmen und eröffnet die zweite Sitzung des neu gewählten Landtags. Rasch kommt er zum Tagesordnungspunkt 1: der Wahl des Ministerpräsidenten in geheimer Abstimmung. Die Fraktionschefin der Grünen, Edith Sitzmann, schlägt im Namen der Grünen- und der SPD-Abgeordneten Winfried Kretschmann als Ministerpräsidenten vor.

Die Spannung im Saal ist mit Händen zu greifen. Für seine Wahl benötigt der 62 Jahre alte Politiker eine Mehrheit von 70 Abgeordneten. Zusammen mit der SPD verfügen die Grünen im Landtag über eine Mehrheit von 71 Abgeordneten. Die Wahl ist geheim. Sollten zwei Abgeordnete Kretschmann allerdings die Stimme verweigern oder nicht erscheinen, wäre er durchgefallen.

Kretschmanns designierter Stellvertreter Nils Schmid (SPD) sitzt in der ersten Reihe, schaut lächelnd nach oben zu seiner Frau, die die gemeinsame Tochter auf dem Schoß hat. Dann werden die Parlamentarier namentlich zur Wahl aufgerufen. Um 11.14 Uhr ist Kretschmann an der Reihe, schüttelt im Vorbeigehen CDU-Fraktionschef Peter Hauk die Hand. Als eine Viertelstunde später die Stimmzählung beginnt, wird es für einen Moment ganz leise im Saal.

Um 11.38 Uhr verkündet Stächele das überraschende Ergebnis: Auf Kretschmann entfallen 73 von 138 Stimmen. Zwei Abgeordnete der künftigen Opposition müssen für ihn gestimmt haben.

Seite 1:

Überraschende Stimmen für den ersten grünen Ministerpräsidenten

Seite 2:

Kommentare zu " Baden-Württemberg: Überraschende Stimmen für den ersten grünen Ministerpräsidenten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ich sehe das eher als ein Kalkül der Opposition

  • Herzlichen Glückwunsch Herr Ministerpräsident Kretschmann !
    Ich freue mich mit Ihnen und wünsche Ihnen Gesundheit, Glück, Erfolg und die notwendige Beharrlichkeit, um nachhaltig positiv wirken zu können. Lassen Sie sich bitte nicht von den Roten zermürben und bleiben den Realogrünen treu.
    Ich glaube es ist ein guter Tag der grünen Partei heute beizutreten. Jetzt wissen die bayrischen CSU-ler wie Brandstifter, Randalemacher und Steinewerfer aussehen.
    Sehr sympathisch, wie ich meine :-)

  • Herzlichen Glückwunsch Herr Kretschmann!
    Die Wähler wissen, dass sie der richtige Mann zur richtigen Zeit sind. Die Opposition (CDU/FDP) hat es später auch eingesehen.

    Jetzt müssen aber den vielen wohltuenden Worten auch entsprechende Taten folgen!

    Baden-Württemberg braucht ein Konzept für einen konkurrenzfähige Versorgung durch erneubare Energie, die Autobauer müssen ein Konzept für zuküftige Mobilität entwickeln und Baden-Württemberg braucht eine Industrie, die im Bereich der Erneuerbaren spitze ist.


    Sollte es hier spürbare Fortschritte geben, sind sie der unangefochtene neue Landesvater und die zukünftigen Stimmen sind Ihnen sicher!


    Sehen Sie Herr Kretschmann, selbst die Menschen in Gernsbach und Baden-Baden - beides sind Kurorte - akzeptieren die Windkrafträder in ihrer Nähe. In Baden-Württemberg ist sowohl eine zentrale als auch dezentrale (Windkrafträder/Photovoltaikanlagen vor Ort) Energieversorgung möglich.

    In Baden-Württemberg gibt es aber keinen einzigen konkurrenzfähigen Photovoltaikhersteller (Sunways AG zählt nicht, weil die in Bayern produzieren!).
    Ich denke aber, dass die Maschinenbauer aus Baden-Württemberg den Chinesen und Amerikanern in diesem Bereich den Schneid abkaufen würden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%