Baden-Württemberg und Bayern liegen vorn
Ein Drittel der Viertklässler kann nicht lesen

Im internationalen Vergleich schneidet die Mathematikkompetenz deutscher Grundschüler gar nicht schlecht ab. Deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern werden auch bei der Lese- und Schreibfähigkeit festgestellt.

HB BERLIN. „Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den Grundschulen im oberen Leistungsdrittel“, sagte Wilfried Bos, Mitherausgeber der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) bei der Präsentation am Mittwoch in Berlin. „Die Reformen in der Grundschule in den letzten zehn Jahren haben deutliche Ergebnisse gezeigt.“ Bei den sieben untersuchten Bundesländern gab es aber deutliche Unterschiede: Während Baden-Württemberg gefolgt von Bayern mit einer überdurchschnittlichen guten Lesekompetenz am Besten abschnitt, wurden in Brandenburg und Bremen zum Teil klar schwächere Leistungen ermittelt.

Die IGLU-Studie untersucht die Lesekompetenz und mathematisch-naturwissenschaftlichen Fähigkeiten von Kindern der vierten Grundschulklasse im nationalen und internationalen Vergleich. An der Studie beteiligten sich Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen.

Elternhaus spielt große Rolle

Bos betonte, trotz der vergleichsweise guten Ergebnisse seien erhebliche Verbesserungen notwendig. Die Zahl der „Risikokinder“, die am Ende der vierten Klasse nur mangelhaft lesen könnten, sei mit durchschnittlich 10,3 Prozent zu hoch. Insbesondere Kinder ausländischer Eltern müssten stärker gefördert werden. Zudem sei die Lesekompetenz von Kindern mit Eltern höher qualifizierter Berufe deutlich größer als von Kindern mit Eltern aus niedriger qualifizierten Berufen. „Das ist ein Riesenproblem. Schule ist genau dafür da, diese Defizite auszugleichen“, sagte Bos. Migrationshintergrund und soziokökonomische Status des Elternhauses spielen der Studie zufolge oft eine entscheidende Rolle dabei, ob ein Kind die Empfehlung zum Besuch des Gymnasiums erhält. Die Tochter der türkischen Putzfrau habe es trotz guter Leistungen deutlich schwerer, eine Gymnasialempfehlung zu erhalten als der Sohn des Chefarztes, der nur mittlere Schulleistungen bringe, hob Bos hervor. „Die Länder müssen hier für mehr Durchlässigkeit sorgen.“

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