Bahn-Chef Hartmut Mehdorn
Allein auf weiter Flur

Hartmut Mehdorn hat es derzeit nicht leicht: Nicht nur, dass die Lokführer den Chef der Deutschen Bahn in einen hart umkämpften Tarifstreit verwickelt haben, auch die Pläne zur Bahnprivatisierung wurden von Politik und Gewerkschaften vorerst torpediert. Mehdorn steht allein – eine neue Situation für den einst einflussreichen Mann.

Ob er damit recht behalten wird? Heute zumindest wird der Bahn-Chef nicht viel zu jubeln haben. Am Mittag will die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) bekanntgeben, wie sie ihren Streik ausdehnt. Aber schon zuvor war ziemlich klar, was geschehen wird: Die GDL will voraussichtlich ab morgen den Zugverkehr flächendeckend lahmlegen – im Nahverkehr, im Fernverkehr und im Güterverkehr. Der seit Monaten andauernde Tarifkonflikt eskaliert weiter. Getrieben wird er vor allem von der Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag für Lokführer. Die Bahn lehnt das ab, weil sie ihre Tarifeinheit für alle Eisenbahner wahren will.

Frohe Botschaften kann Mehdorn auch nicht von den Gewerkschaften Transnet und GDBA erwarten. Die sind zwar im Tarifkonflikt seine Verbündeten, aber sie stehen nicht auf seiner Seite, wenn die auf der Kippe stehende Teilprivatisierung der Deutschen Bahn zu einer Zerschlagung des Konzerns führen könnte. So wird wohl auch morgen früh im Saal 16 des Berliner Hotels "Maritim“ bei einer Pressekonferenz der Gewerkschaften zum Thema Teilprivatisierung das Wort „Streik“ zumindest als Drohung fallen.




Denn nach den politischen Versuchen, bei der Bahn-Reform noch zu retten, was zu retten ist, hat die Tarifgemeinschaft der beiden Gewerkschaften eine große Sorge: Das vom Finanzministerium hervorgezauberte neue Privatisierungsmodell mit einem stärkeren Auseinanderdividieren von Infrastruktur und operativen Geschäftsbereichen könnte das Ende des integrierten Konzerns bedeuten. Und das setzen der Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen und GDBA-Chef Klaus Hommel gleich mit Ende des Beschäftigungsbündnisses für alle Bahn-Arbeitnehmer, das diese seit 14 Jahren vor betriebsbedingten Kündigungen schützt. Sollte auch Bahn-Chef Mehdorn dieses Modell akzeptieren, käme das einer Rolle rückwärts gleich. Denn Mehdorn ist trotz des vielfachen Widerspruchs aus Wirtschaft und Wissenschaft seit Jahren ein kompromissloser Verfechter des integrierten Konzerns, in dem Netz und Betrieb unter einem gemeinsamen Dach gemanagt werden. In besseren Tagen seiner Amtszeit, als der Bundeskanzler noch Gerhard Schröder hieß, reichte Mehdorns Einsatz für das Modell der Bahn unter einem Dach so weit, dass selbst ein andersdenkender Bundesverkehrsminister – es war Kurt Bodewig – den Hut nehmen musste.

Seite 1:

Allein auf weiter Flur

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%