Bahn-Privatisierung
Finanzwelt begrüßt die Zwischenholding

Bahn-Chef Hartmut Mehdron wird sich wohl von den Vorstellungen eines Privatunternehmens mit allen Teilbereichen unter einem Dach verabschieden müssen. Quasi als letzten Strohhalm, um das Projekt überhaupt noch zu retten, empfehlen Experten nun das Gegenteil – die Aufsplitterung der Bahn.

ek/str BERLIN/DÜSSELDORF. Bahnchef Hartmut Mehdorn hat stets genau das bekämpft, was ihm jetzt als letzte Chance offeriert wird: eine Privatisierung seines Unternehmens ohne das Netz und den Rest der Infrastruktur. In der Finanzwelt hingegen wird die Wende um die Teilprivatisierung des bundeseigenen Unternehmens überwiegend wohlwollend betrachtet. Banker halten das sogenannte Steinbrück-Modell zur Bahnprivatisierung für praktikabel und erfolgversprechend.

"Wenn sich Bahn-Management und Transnet mit dem Modell anfreunden, besteht die realistische Chance, eine Teilprivatisierung noch in dieser Legislaturperiode über die Bühne zu bringen“, sagte Hans Martin Bury, Managing Director bei der Investmentbank Brothers, dem Handelsblatt.

Seit der vergangenen Woche wird im Streit über die Privatisierung der Deutschen Bahn eine Lösungsvariante diskutiert, die aus dem Ressort von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) stammt. Sie sieht vor, unter dem Dach der Konzernholding eine Zwischenholding zu gründen, in der die Bereiche Personenverkehr sowie Transport und Logistik zusammengefasst werden. An dieser neuen Holding sollen sich private Investoren beteiligen können. Die Sparte Infrastruktur und Dienstleistungen bliebe dagegen direkt an die Konzernholding angebunden – und zu 100 Prozent im Eigentum des Bundes. Das Schienennetz wäre damit dem direkten Einfluss privater Investoren entzogen.

"Eine Gesellschaft, die die Bereiche Personen- und Güterverkehr sowie Logistik unter einem Dach vereint, würde private Investoren durchaus reizen. Dieses Unternehmen hätte große Chancen, seine starke Position auf dem europäischen Markt auszubauen“, sagte Bury, der früher Staatsminister im Bundeskanzleramt war.

Das Bahn-Management und auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatten dies bislang vehement bestritten. Immer wieder betonten sie, nur mit Netz sei das Unternehmen für private Investoren interessant. Tiefensee hatte zuletzt ein kompliziertes Modell ersonnen, das das juristische Eigentum am Netz zwar dem Bund zuschreibt; wirtschaftlicher Eigentümer sollte aber die Bahn sein, damit sie die Infrastruktur bilanzieren kann.

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