Balkan
Wirtschaft fordert mehr Visa-Freiheit

Ab Samstag gilt die Abschaffung der Visumspflicht für die Staatsbürger Serbiens, Montenegros und Mazedoniens. Die deutsche Wirtschaft geht noch einen Schritt weiter: Sie fordert jetzt auch die Reisefreiheit für alle Balkan-Bewohner. Vor allem Bosnien ist frustriert darüber, dass das Land nicht von der Visa-Abschaffung profitiert.
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DÜSSELDORF. Die deutsche Wirtschaft fordert über die am Samstag in Kraft tretende Abschaffung der Visumspflicht für die Staatsbürger Serbiens, Montenegros und Mazedoniens hinaus nun die Reisefreiheit für alle Balkan-Bewohner. Der Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold, verlangte in Berlin „visafreies Reisen auch für die Bürger der übrigen Balkanstaaten“. Bisher sind von der Visa-Abschaffung Albanien, Bosnien-Herzegowina und das Kosovo ausgenommen worden.

Nach Ansicht der deutschen Wirtschaft sind die jetzt erfolgenden Reiseerleichterungen „ein wichtiger Schritt hin zu einer umfassenden Integration der Staaten des Westbalkans in den europäischen Raum“. Die Europäische Union hatte den Ländern des früheren Jugoslawiens 2003 auf ihrem Gipfel in Thessaloniki ihre Aufnahme in die EU versprochen. Bisher wird aber nur mit Kroatien konkret über den Beitritt verhandelt.

Vor allem in Bosnien herrsche tiefe Frustration, dass das Land nicht von der Visa-Abschaffung profitiere, sagte der bosnische Außenminister Sven Alkalaj auf einer Veranstaltung des Aspen-Instituts in Berlin: „Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt.“ Denn dadurch werde das ohnehin ethnisch gespaltene Land weiter zerrissen, weil sich bosnische Serben und bosnische Kroaten nun um Pässe Serbiens und Kroatiens bemühten. Nur die Bosniaken würden so ausgesperrt. Er hoffe, dass die EU nun im Frühjahr die Visumspflicht für Bosnier abschafft. Die Voraussetzungen „sind erfüllt“.

Der Status des Kosovo ist weiterhin ungeklärt: Zwar erklärte sich die früher zu Serbien gehörende Republik im Februar 2008 einseitig für unabhängig. Doch Serbien klagt dagegen vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag, dessen Urteil indes nicht rechtsverbindlich ist. Auch mehrere EU-Staaten haben das Kosovo bislang nicht anerkannt.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Balkan: Wirtschaft fordert mehr Visa-Freiheit"

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  • Die EU treibt eine rassistische Politik gegenüber ihren muslimischen Nachbarn Albanien, Kosova und bosnien. Wer zum Teufel glaubt die begründung, dass Serbien, Montenegro oder Mazedonien hätten die Voraussetzungen für ein Visafreies Reisen erfüllt?!? 3 Länder mit Staatsdefiniziten, extrem hoher Arbeitslosenquote, Korruption und Kriminalität!!! Hier steckt mehr dahintert. Die EU versucht den islam einzudämmen und zu blockieren. Wir waren Europäer bevor ihr Europa mit euren Füßen habt betreten dürfen. Dieser sch.. Kapitalismus, Rassismus, etc.

  • Es geht hier nicht um Arbeit, sondern darum, dass man in die EU einreisen kann ohne vorher ein Visum beantragen zu müssen (welches man in 99% der Fälle gegen eine bescheidene Gebühr von 20EUR eh erhalten hat). Eine Arbeitserlaubnis hat man deshalb noch lange nicht! Diese haben nicht einmal viele EU-bürger.

  • ich frage mich warum fordert die Wirtschaft die Aufhebung der Visa Pflicht? Um weitere Hungerlöhne nur zu bezahlen? Unsere Gesellschaft völlig in den Ruin treiben? Wer von der Wirtschaft schultert diese Kosten? Wohin mit den Arbeitslosen ab 2010? Von der Politik keine Antworten. in der bundesrepublik Deutschland kommt man sich vor, als wäre man nur noch Sklave der Wirtschaft, Sklave für die Politiker, Sklave unserer sogenannten Freunde. Wir stehen am Ende mit leeren Händen da. Unsere herrschende Klasse, würde man in anderen Ländern in die Wüste schicken.

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