Banken-Hilfen im Zwielicht
S&P-Warnung für Griechenland entzweit Union und FDP

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat mit ihrer Einschätzung zur Banken-Hilfen für Griechenland neue Unsicherheit geschürt. Die Athener Regierung reagierte gelassen, in Berlin lösten die Aussagen einen Streit aus.
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DüsseldorfSo verteidigte der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, das Verhalten der Ratingagentur Standard and Poor's in der Griechenland-Krise, während die CSU harsche Kritik äußerte. „Man sollte die Bedenken und Kritik der Ratingagenturen nicht vorschnell verteufeln, sondern versuchen, diese konstruktiv aufzugreifen und bei der Ausgestaltung der Rettungsmechanismen zu berücksichtigen“, sagte Wissing Handelsblatt Online. „Man kann aber schlecht das Verhalten der Agenturen in der Subprime-Krise verteufeln und als Konsequenz daraus fordern, dass diese bei Griechenland fünf gerade sein lassen sollten.“ Der Markt brauche unabhängige Ratings. „Und unabhängig heißt eben manchmal auch unbequem.“

Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) hatte scharfe Kritik an S&P geäußert. Es sei unangemessen, das Modell zur Beteiligung privater Gläubiger am Griechenland-Hilfspaket als Zahlungsausfall des Landes zu werten, sagte Fahrenschon der „Passauer Neuen Presse“. Gerade die US-Ratingagenturen hätten vor der Finanzmarktkrise als Frühwarnsystem und bei der Einschätzung von Risiken versagt. Wenn diese nun notwendige Hilfsmaßnahmen für Griechenland zusätzlich erschwerten, zeuge das von mangelnder Verantwortung, meinte der CSU-Politiker.

Standard & Poor's hatte am Montag damit gedroht, die französischen Pläne zur Beteiligung der Banken an den Kosten der Krise als teilweisen Zahlungsausfall zu bewerten und damit neue Unsicherheit geschürt. Fitch Ratings hatte vor Bekanntwerden der Einzelheiten des französischen Plans signalisiert, nicht so weit gehen zu wollen

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos reagierte gelassen auf die Warnung und zeigte sich überzeugt, dass das nächste Hilfspaket von den Märkten akzeptiert und positiv von ihnen empfangen werden sollte.

Die Europäische Zentralbank (EZB) akzeptiert indes so lange griechische Staatsanleihen als Sicherheit für Geldgeschäfte, bis alle Ratingagenturen einen Zahlungsausfall feststellen. „Die EZB hält an ihrem Prinzip fest, auf das beste Rating aller Agenturen zu achten“, berichtete die „Financial Times“ am Dienstag unter Berufung auf Finanzkreise. Eine EZB-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab. Die EZB könnte damit die Tür für einen Kompromiss zur Lösung der griechischen Schuldenkrise offenlassen, der eine Beteiligung der privaten Gläubiger vorsieht, solange nicht alle Ratingagenturen dabei ihre Bewertung auf die schlechteste Note absenken.

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  • Von der Einstufung als "Kreditereignis" sind vor allem die Ausfallversicherungen (CDS) betroffen. Das die Politiker dieses Kreditereignis scheuen, zeigt ihre wahren Gründe auf: Sie wissen nicht, welche Banken u. Versicherungen CDS-Kontrakte auf Griechenland eingegangen sind und im Falle des "Kreditereignisses" in die Haftung treten müssen. Damit wird endgültig klar, dass es nicht um die Rettung des Landes oder gar des EURO geht, sondern davor eine mögliche zweite Finanzkriese zu verhindern und die Kreditinstitute der Euro-Zone zu schützen. Sicherlich haben auch hier die dt. Landesbanken bzw. die HRE ihre Finger ordentlich im Spiel... - von den französischen Banken mal ganz abgesehen, die wohl ein größeres Engagement in GR haben. Natürlich ist ein teilweiser Forderungsverzicht ein Kreditereignis! Man kommt einfach aus der Nummer nicht mehr raus... Entweder man "rettet Griechenland" (was auch immer das bedeuten soll, da der Staat sicherlich nicht wieder auf die Beine kommt mit diesen horrenden Schulden...) oder man "muss die Banken retten" (so wie es in der Zeitrechnung n. Lehman geschah...)

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