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Bankenaufsicht: Weniger Macht den Ratingagenturen

Deutschland will den Einfluss der Ratingagenturen begrenzen und plant einen plant Vorstoß auf dem anstehenden G20-Treffen. Das Regelwerk der Ratings in der Bankenaufsicht soll neu überarbeitet werden. Ökonomen fordern schon länger Alternativen zu Ratings.

Staatssekretär Jörg Asmussen möchte neue Regeln für Ratingagenturen durchsetzen. Quelle: dpa
Staatssekretär Jörg Asmussen möchte neue Regeln für Ratingagenturen durchsetzen. Quelle: dpa

FRANKFURT. Die deutsche Regierung will nach eigenen Angaben die Rolle der Ratingagenturen in der Bankenaufsicht schmälern. Das würde deren Einfluss an den Kapitalmärkten deutlich schmälern. Dies wird Thema beim Treffen der großen Wirtschaftsnationen (G20) am Wochenende sein, hieß es in Regierungskreisen. Vom Handelsblatt befragte Ökonomen begrüßen das und fordern mehr Verantwortung seitens der Aufsichtsbehörden.

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Angestoßen hat die Debatte der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Asmussen. "Über die Ratingagenturen wird man noch einmal neu nachdenken müssen. Deren Gewicht ist ja nicht vom Himmel gefallen, sondern ist Menschen gemacht", sagte er jüngst auf einer Tagung. Asmussen bezog sich dabei auf die Rolle von Ratings in Basel II. In diesem Regelwerk für die Banken bestimmen Ratings mit darüber, wie viel Eigenkapital Banken für Kredite und Wertpapiere reservieren müssen. "Das kann man ändern. Allerdings muss man dann aber auch eine Alternative bieten", sagte Asmussen. Das Problem würde vor allem kleinere Banken betreffen, denn große Institute nutzen oft eigene Ratingmodelle.

Renommierte Wissenschaftler fordern Änderungen. "Es wäre sehr sinnvoll, die Bedeutung von Ratings in Basel II zumindest deutlich zu reduzieren", sagt der Belgier Paul de Grauwe von der Katholischen Universität Löwen. "Es war ein sehr großer Fehler, Ratings in Basel II überhaupt zu integrieren", sagt der Ökonom Charles Wyplosz von der Universität Genf. Ratingagenturen würden meist spät reagieren und Signale aussenden, die vorhandene Bewegungen noch verstärkten. "Das mag vielleicht für Investoren nützlich sein, ist aber nicht für Regulierungszwecke angemessen", sagt er.

Die Wissenschaftler sehen vor allem die Aufsichtsbehörden stärker in der Pflicht. "Wozu haben wir Aufseher? Es ist deren originäre Aufgabe zu wissen, wie es um eine Bank bestellt ist", sagt Wyplosz. Mark Wahrenburg von der Goethe-Universität Frankfurt. Er plädiert für die stärkere Berücksichtigung von Notenbank-Ratings. "Die französische Notenbank geht sogar so weit, Ausfallwahrscheinlichkeiten für Unternehmenskredite zu analysieren und diese den Banken zur Verfügung zu stellen", sagte er.

Das gilt selbst für das besonders problematische Feld der Verbriefungen, also für Wertpapiere, die aus vielen Einzelkrediten bestehen. Meist leisten sich nur größere Banken dazu eigene Analyseabteilungen. Aber auch in Notenbanken gibt es laut Wahrenburg Forscher, die sich auf höchstem akademischem Niveau damit auseinandersetzen. Diese könnten zumindest kontrollieren, ob sie die Ratings der Ratingagenturen für plausibel halten. "Bei der Beurteilung interner Ratingmodelle für Kredite tun sie das auch", sagt er. "Hätten sich Notenbank-Experten mit dem gleichen Ansatz, mit dem sie interne Ratingsysteme von Banken kontrollieren, die Modelle der Ratingagenturen überprüft, dann hätte es vermutlich kein solches Desaster gegeben."

Die USA betonen dagegen die Verantwortung der Banken. Die US-Aufseher wollen künftig von Banken verlangen, Verbriefungen selbst zu beurteilen, wenn sie sie kaufen. Das berichtet die Fachpublikation "American Banker". Nur dann sollen sie dafür noch Vergünstigungen bei der Kapitalunterlegung bekommen. Ähnlich sieht das de Grauwe: "Banken haben ihre ureigenste Aufgabe, die Bemessung von Risiken, vernachlässigt. Man sollte sie wieder dazu erziehen, das zu tun."

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