Bankenkrise
Der Soffin ist tot, es lebe der Soffin

Eigentlich, so argumentiert die Bundesregierung, seien die deutschen Banken Inseln der Stabilität inmitten des Sturms. Gleichzeitig bringt sie selbst aber eine Neubelebung des nationalen Bankenrettungsfonds ins Spiel.
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BerlinTrotz der neuen Unsicherheiten in der europäischen Bankenlandschaft sieht die Bundesregierung die deutschen Banken gut gerüstet. Die deutschen Geldinstitute seien relativ gut aufgestellt, sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Martin Kotthaus, am Mittwoch in Berlin.

Und im Extremfall stünde mit dem Bankenrettungsfonds Soffin ein Istrumente zur Bankenstützung zur Verfügung. Der Fonds war 2010 ausgelaufen und kümmert sich nur noch um Altfälle. Damit verfüge man über ein rasch aktivierbares Instrument, mit dem die Regierung zudem bereits umgehen könne, sagte der Regierungssprecher.

Seitdem die belgisch-französische Bank Dexia zu Beginn der Woche in ernste Probleme schlitterte ist das Thema Bankenrettung auf der Prioritätenliste der EU wieder ganz nach oben gerutscht.

Der Europa-Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Antonio Borges, wiederholte die Warnung, dass Europas Banken um bis zu 200 Milliarden Dollar unterkapitalisiert seien. Für eine Zwangskapitalisierung müssten im Notfall auch staatliche Gelder eingesetzt werden.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt im Vorfeld eines Besuchs in Brüssel, es sei wichtig, dass den Banken in Europa genügend Kapital zur Verfügung stehe. Wegen der Staatsschuldenkrise waren in den vergangenen Tagen neue Befürchtungen aufgekommen, die Banken im Währungsgebiet seien nicht ausreichend kapitalisiert, um eine Pleite Griechenlands absorbieren zu können.

Die EU-Finanzminister haben angesichts der sich verschärfenden Schuldenkrise wieder koordinierte Hilfsaktionen für angeschlagene Banken ins Auge gefasst. „Die Überzeugung nimmt zu, dass wir in Europa einen konzertierten, koordinierten Ansatz brauchen“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn der britischen Zeitung „Financial Times“. Die Minister sähen die Dringlichkeit zur Stärkung der Finanzinstitute angesichts der Schuldenkrise.

„Die Kapitalausstattung der europäischen Banken muss verbessert werden“, sagte Rehn. Damit könne die anhaltende Unsicherheit reduziert werden. „Das sollte ein wesentlicher Teil der umfassenden EU-Strategie sein, um Vertrauen wieder herzustellen und die Krise zu überwinden.“

Nach Auffassung der EU-Kommission hat sich die Lage der europäischen Banken seit den Banken-Stresstests im Frühjahr erneut verschlechtert. „Wir sind uns bewusst, was an den Märkten passiert und wie sich das auf die Banken auswirkt“, sagte sie. „Aber die unmittelbaren Probleme drehen sich eher um Liquidität als um Zahlungsfähigkeit“, sagte eine Sprecherin. Die EU-Kommission wolle sich aber noch nicht zum möglichen Umfang einer Banken-Rekapitalisierung äußern. Es gebe noch keine konkreten Pläne auf EU-Ebene, sagten EU-Beamte.

Kommentare zu " Bankenkrise: Der Soffin ist tot, es lebe der Soffin"

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  • Was hat eigentlich der Soffin gekostet unterm Strich? Die Commerzbank z.B. hat sich mit simplen Bilanzierungstricks um ca. 4 Milliarden oder 80% der an sich fälligen Zinsen gedrückt. Die Steuerzahler dagegen musten und müssen diese Schulden zu ca. 3% abtragen, zahlen über die Laufzeiten der Bonds wohl ca. 2 Milliarden drauf. Ein sehr guter Vertrag, den die Herren Weidmann und Asmussen damals ausgehandelt haben. Sehr gut für die Commerzbank.

  • "Eigentlich, so argumentiert die Bundesregierung, seien die deutschen Banken Inseln der Stabilität inmitten des Sturms"

    Man kann sich auch in die eigene Tasche lügen, wie dies Monsieur Noyer noch vor wenigen Tagen gemacht hat: "pas de problèmes" für die französischen Banken. Wie diese aussagekräftige Graphik zur TCE Ratio bei Zero-Hedge zeigt, treiben die Inseln der Stabilität ohne Bodenhaftung auf dem Finanzozean:

    http://www.zerohedge.com/news/next-domino-fall-canada

    Da wird es höchste Zeit, von dem seit 2010 verfügbaren Instrument Gebrauch zu machen

    http://npl.ly.gov.tw/pdf/7388.pdf



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