Bankenkrise
Wissenschaft plädiert für Bad Bank

Für die Wissenschaft ist eine "Bad Bank" ein taugliches Mittel, um ein Grundübel der gegenwärtigen Finanzkrise an der Wurzel zu packen. Eine solche Bank solle keine Bundesbehörde sein, sondern eine marktwirtschaftlich arbeitende Bank.

MÜNCHEN/FRANKFURT. Für die Wissenschaft ist eine "Bad Bank" ein taugliches Mittel, um ein Grundübel der gegenwärtigen Finanzkrise an der Wurzel zu packen. Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte in München, hält die Gründung eines solchen Spezialinstituts für unvermeidlich. "Sieht man sich die Erfahrungen an, die andere Länder wie Schweden oder Japan mit großen Bankenkrisen gemacht haben, so war das Herauslösen von faulen Forderungen oder Wertpapieren ein probates Mittel", sagte er gestern auf Anfrage. Dies gelte für die momentane Krise in besonderem Maße, weil der Markt äußerst verunsichert sei über die tatsächlich bei den Kreditinstituten vorhandenen Belastungen.

Auch unter ordnungspolitischen Gesichtspunkten sei eine solche Risikoübernahme dem derzeit gewählten Weg von Kapitalbeteiligungen und Garantieerklärungen vorzuziehen. Klaus Fleischer, Bank-Professor an der Hochschule München, hält es für wünschenswert, dass man über eine Eigeninitiative der Banken zu einer institutsübergreifenden, privaten Bad Bank kommt. Diese könne zum Beispiel unter der Obhut des privaten Bankenverbands in Kooperation mit der Finanzaufsicht BaFin und dem Rettungsfonds Soffin aus der Taufe gehoben werden.

Zentrales Problem einer Bad Bank ist laut Kaserer, dass völlig unklar sei, zu welchen Konditionen die infrage stehenden Forderungen den Banken abgenommen werden sollen. Vermutlich müssten die Banken an den künftigen Mehr- oder Mindererlösen zumindest partiell beteiligt werden.

Christoph Schalast, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management, schlägt vor, eine zeitliche Befristung für eine neue Spezialbank zu setzen und sich auf Papiere zu beschränken, die vor dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers begeben worden sind. "Ich bin absolut der Meinung, dass das Neugeschäft mit Risikopapieren nach Lehman da nicht reingehört. Gleiches gilt für normale Unternehmenskredite, die gehören auch nicht in eine Bad Bank", so Schalast, der in Frankfurt verantwortlich ist für den Forschungsbereich "Non Performing Loans". Als grobe Einteilung schlägt Schalast vor, dass alles, was verbrieft ist, für eine Bad Bank in Frage kommt.

Beim Rettungsfonds Soffin bestehe das Probleme, dass man hier nur einen zeitlichen Rahmen von drei Jahren zum Halten von toxischen Papieren der Banken vorgesehen habe. Das sei zu kurz, meint Schalast. Außerdem sollte eine Bad Bank keine Bundesbehörde sein, besser wäre ein Bank, die marktwirtschaftlich mit Gewinnerzielungsabsicht arbeitet. Der Bund und die Banken - etwa über die Verbände - könnten sich an der Bad Bank aber mit Kapital beteiligen.

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