Bankenproteste
Ein Tag mit Occupy Frankfurt

Seit einer Woche campen Protestler vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Sie haben sich in 73 Zelten eingerichtet und fordern eine stärkere Regulierung es Finanzsystems.
  • 1

FrankfurtIn der Euro-Skulptur vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank hängt ein Regenschirm. Ein Protestler von „Occupy Frankfurt“ hat ihn dort deponiert. Seitdem die Bürgerbewegung gegen Banken und den Euro-Schuldenkurs am 15. Oktober begann, ist vieles anders auf dem Willy-Brandt-Platz.

Das wäre vorher undenkbar gewesen: 73 Zelte auf dem selbst gewählten Campingplatz, bewohnt von 160 Personen. Viele junge Leute dabei, die sich die Anti-Banken-Bewegung „Occupy Wall Street“ zum Vorbild genommen haben - auch wenn sie bisher weit weniger Bürger mobil machen konnten. Am Samstag kommen immerhin geschätzte 4000 ähnlich Gesinnte zum Zug und marschieren bei kaltem, aber sonnigem Herbstwetter durch das Bankenviertel. „Die Gier ist das Problem“, „Wir retten keine Abzocker“, solche Plakate tragen die Demonstranten, natürlich auch vorbei an den symbolträchtigen Türmen der Deutschen Bank.

In der Zwischenzeit ist der Campingplatz nur dünn bevölkert. Am Info-Zelt hat Mitstreiter Benny Zeit, die Bürger zu loben, die mit Geld- und Sachspenden das Leben vor der Machtzentrale erträglich machen. Täglich kommen etwa 130 Euro herein. Drei Stromgeneratoren liefern Energie. Die nötigen Dixi-Klos bezahlt „Die Linke“.

Es ist fast wie zu Hause, oder besser: wie im Garten. Der Rasen natürlich schon niedergetreten. Im größten Zelt stapeln sich Kübel und Holzkisten mit Gemüse und anderen Nahrungsmitteln. Zwei Meter daneben ein von Propangas gespeister mobiler Herd. In der fassungsstarken Pfanne wird gerade eine Potpourri aus Brokkoli, Karotten und Kartoffeln verrührt. Davor waschen Nadia und Niko ab, fünf Plastik- und Metallschüsseln vor sich. Niko packt mit an, obwohl er seinen 24. Geburtstag auch anders feiern könnte. So weit kann Solidarität gehen.

Die Improvisation mit dem Allernötigsten ist gelungen. Aber hat die Bewegung eine Zukunft? Zu diesem frühen Zeitpunkt ist das unmöglich zu sagen. Die Occupisten wollen die Finanzmärkte stärker regulieren, das Finanzsystem nicht mit Steuergeld finanzieren, fordern die Finanztransaktionssteuer und mehr echte Demokratie.

Attac zumindest ist angetan. „Toll, was ihr hier auf die Beine gestellt habt“, ruft eine Mitkämpferin der Anti-Globalisierungsbewegung. Benny macht Mut: „Unser Zeltcamp ist bis zum 29. Oktober genehmigt. Ich hoffe, so lange halten wir durch, oder noch länger.“

Kommentare zu " Bankenproteste: Ein Tag mit Occupy Frankfurt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • eigentlich bin ich nicht gegen alles in BRUESSEL aber : was
    man uns hier als EUROPAPRAESIDENT und AUSSENBAUFTRAGTE vor
    die Nase gesetzt hat bringt mich (an Merkel und Sarkozy) doch
    ein wenig zum schmunzeln ! Keine Ausstrahlung bedeutet auch
    keine Konkurrenz , voila, c'est la vie !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%