Bankenretter gefunden
Wie Merkel den neuen Soffin-Chef köderte

Hartnäckig hat der ehemalige NordLB-Chef Hannes Rehm vielen Versuchen widerstanden, ihn bei der Arbeit des staatlichen Rettungsfonds Soffin einzubinden. Erst als Kanzlerin Angela Merkel vor wenigen Tagen höchstpersönlich zum Hörer griff, ließ Rehm sich in die Pflicht nehmen - und sagte zu.

BERLIN. Als Ende 2008 Karlheinz Bentele den Leitungsausschuss verließ, war Rehm der Favorit für die Nachfolge. Der gerade 66 Jahre alt gewordene Manager bat sich Bedenkzeit aus - und sagte ab. Als Günther Merl wenige Wochen später seinen Rücktritt von der Spitze des Gremiums bekanntgab, war Rehm wiederum erste Wahl - und sagte erneut ab.

Erst als Kanzlerin Angela Merkel vor wenigen Tagen höchstpersönlich zum Hörer griff, ließ Rehm sich in die Pflicht nehmen - und sagte zu.

Niemals würde der bescheidene, hochgewachsene Manager selbst zugeben, dass ihn die Kanzlerin gelegentlich um Rat in Finanzmarktfragen bittet. Doch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) erzählt gerne, wie sehr die Kanzlerin den Banker schätzt. Der erste Kontakt mit Angela Merkel entstand Anfang der 90er-Jahre, als sich Rehm in Schwerin um die Geschäfte der NordLB in Mecklenburg-Vorpommern kümmerte. Merkel hat in Vorpommern ihren Wahlkreis.

Mit Rehm kommt wie Merl ein ehemaliger Landesbanker an die Spitze der Soffin. Rehm hat die NordLB souverän durch die Finanzkrise gesteuert. Wohl als einzige Landesbank wird sie das vergangene Jahr mit einem Plus abschneiden. Rehm wird in seinem neuen Job zugute kommen, dass er als Landesbanker bestens mit der Politik vertraut ist. Er gilt als sehr diplomatisch, bodenständig und gleichzeitig selbstbewusst. Seinen Führungsstil bezeichnete er selbst mal als "aufgeklärten Absolutismus".

Wenn Vorstandschefs von Banken in diesen bewegten Zeiten verabschiedet werden, dann meistens nicht freiwillig. Doch wer am 20. Januar bei der Verabschiedung von Rehm in der NordLB war, traute seinen Ohren kaum. Niedersachsens Regierungschef Wulff und Finanzminister Jürgen Möllering (CDU), in Personalunion auch Aufsichtsratschef der Landesbank, lobten Rehm überschwänglich. Rehm gehörte dem Vorstand der Landesbank seit 1993 an; 2004 übernahm er den Vorsitz.

"Wir waren bescheidener, zurückhaltender und haben uns nicht vom Rausch der Rendite blenden lassen", sagte Regierungschef Wulff mit Blick auf die 25-prozentige Rendite, die noch vor zwei Jahren als Benchmark in der Branche schlechthin galt. Die NordLB mied das sogenannte Kreditersatzgeschäft, das einst eine Garantie für hohe Gewinne, aber letztlich nur ein schlechtes Alibi für ein fehlendes Geschäftsmodell war. "Manches, was das Gesetz nicht verbietet, verbietet der Anstand", zitiert Rehm den Philosophen Seneca. Das Bankgeschäft habe eine dienende Funktion.

Doch nicht nur die Philosophie hat es dem promovierten Volkswirt angetan. Wer mit Hannes Rehm längere Zeit spricht, kann auch erfahren, warum der russische Marschall Georgij Schukow im Frühjahr 1945 bei seinem Vormarsch auf Berlin bei den Seelower Höhen nicht so schnell wie erhofft vorwärtskam - (grob gesagt, weil die eigenen Geschütze so rauchten, dass die Russen ein wenig die Orientierung verloren).

Bleibt die Frage, ob Rehm neben seinem (anstrengenden) Job als Soffin-Chef auch künftig Präsident der Industrie- und Handelskammer Hannover bleiben und seine Honorarprofessur in Münster ausüben kann.

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