Bankenrettung: Schäuble sieht in Zypern doch eine Blaupause

Bankenrettung
Schäuble sieht in Zypern doch eine Blaupause

Wolfgang Schäuble will entgegen vorheriger Aussagen sehr wohl Vermögende an Bankenrettungen beteiligen – damit nimmt er Eurogruppen-Chef Dijsselbloem in Schutz. Die Allgemeinheit könne nicht alle Verluste tragen.
  • 74

BerlinEurogruppen-Chef Jeroeme Dijsselbloem musste am Ende zurückrudern. Ein dummer Fehler war ihm im Interview unterlaufen. Die Rettung in Zypern hatte er als „Blaupause“ für weitere Krisen bezeichnet – und heftige Kritik einstecken müssen. Sollen Vermögende an der Rettung von Banken beteiligt werden? Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nimmt Dijsselbloem nun, wenige Wochen nach der Zypern-Rettung, in Schutz: „Herr Dijsselbloem ist in der Substanz zu Unrecht gescholten worden. Und auch nicht von mir“, unterstrich Schäuble.

Während der Finanzminister bis zuletzt in Interviews die Rettung des Mittelmeerstaats als „speziellen Einzelfall“ bezeichnet hatte, erklärt er nun: „Die Beteiligung von Eigentümern, nachrangigen Anleihegläubigern und dann ungesicherten Anlegern muss der Normalfall sein, wenn ein Finanzinstitut in eine Schieflage gerät.“ In einem Gespräch mit der „WirtschaftsWoche“ bekräftigte er, dass auch in Zukunft vermögende Kunden ihren Beitrag leisten müssen.

„Ansonsten bekommen wir das Moral-Hazard-Problem nicht in den Griff, dass Banken mit riskanten Geschäften fette Gewinne machen, aber im Fall eines Scheiterns dann die Verluste der Allgemeinheit aufbürden“, ergänzte Schäuble. „Das darf nicht sein.“

Einen Nachschlag der Eurozone für die Rettung Zyperns vor einer Pleite wird es nach Schäubles Worten nicht geben: „Mehr als (die beschlossenen) zehn Milliarden Euro Darlehen sind nicht drin.“ Sonst sei die „Schuldentragfähigkeit Zyperns nicht gewährleistet“. Die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) gehen von einem kurzfristigen Finanzbedarf von 23 Milliarden Euro brutto aus - bis zum ersten Quartal 2016. Bisher war von gut 17 Milliarden die Rede.


dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bankenrettung: Schäuble sieht in Zypern doch eine Blaupause"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das ist aber harmlos formuliert.

    Wenn hier Zahlen bekannt sind, dann müssen sie wahr auf den Tisch.

    Wenn sie nicht bekannt sind, sie die Verantwortlichen zu wegen Unfähigkeit zu feuern!

    Möglicherweise wurde Herr Schäuble vollkommen falsch verstanden. Weshalb sollte Zypern keine "Blaupause"sein? Dort hat man den Finanzminister in die Wüste geschickt. Weshalb sollte das hier nicht auch gehen? Wenn das Volk mitbekommt, was wirklich läuft, dann möchte ich nicht in der Haut von Schäuble und Merkel stecken.

    Das kann ernst werden, sehr ernst werden!

  • Hier der offizielle Belastungsvergleich, damit man sieht, wie der Deutsche Michl im Vergleich zahlt. Der Durchschnittsbürger in Deutschland und auch die "Reichen" zahlen extreme Abgaben (nahe 50%, ohne MWSt), viele (nicht alle) anderen Länder, auch Zypern, sind dageben "preiswert".

    http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/Broschueren_Bestellservice/2013-04-15-wichtigste-steuern-vergleich-2012.pdf?__blob=publicationFile&v=5

  • Darauf sollte man reagieren

    http://www.youtube.com/watch?v=0iLj7yWFN2k

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%