Bankenverband
„Die Politik darf uns keinen Krieg erklären“

Der Präsident des Bankenverbandes warnt vor einem "Krieg" mit der Politik. Er fordert eine gemeinsame Lösung der Krise - schiebt die Schuld daran aber auf die Politik.
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Berlin„Die Politik darf uns jetzt nicht den Krieg erklären - sondern lieber mit uns bei Wasser und Brot ins Kloster gehen und arbeiten, bis weißer Rauch aufsteigt und es eine gemeinsame Lösung gibt“, sagte der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Andreas Schmitz „Bild.de“.

Die Banken hatten massiv Front gegen die EU-Rettungspläne gemacht.

Sie lehnen eine Rekapitalisierung von Banken mit Hilfe des Staates ab. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte gefordert, die „Schutzwälle“ der Banken zu verstärken. Die Institute sollten sich am Markt frisches Kapital besorgen, um riskante Geschäfte besser abzusichern. Gelingt dies nicht, sollen den Banken Kapitalspritzen aufgezwungen werden.

Schmitz bekräftigte die Position der Banken: „Wir haben keine Bankenkrise, sondern eine politische Vertrauenskrise.“ In der Finanzkrise 2008 hätten manche Banken die Staaten in Schwierigkeiten gebracht. „Heute ist es umgekehrt. Manche Staaten bringen einige Banken in Schwierigkeiten.“ Die Staaten hätten zu lange auf Pump gelebt und hohe Schuldenberge angehäuft. „Jetzt glauben die Investoren in Asien, in Nordamerika den europäischen Regierungen nicht mehr, dass sie ihre Schuldenprobleme in den Griff kriegen. Warum sollten Sie dann deren Staatsanleihen kaufen?“

Schmitz erneuerte die ablehnende Haltung der privaten Banken gegenüber vorbeugenden Finanzspritzen durch den Staat. „Nicht die Kapitalausstattung der Banken ist das Problem, sondern die Tatsache, dass Staatsanleihen ihren Status als risikofreie Anlagen verloren haben. Der Schlüssel zur Lösung des Problems liegt darin, dass Regierungen das Vertrauen in die Solidität der Staatsfinanzen wiederherstellen.“ Banken hätten ihr Eigenkapital längst erhöht. „Das war eine Lehre aus der Krise. Ihnen jetzt gegen ihren Willen Eigenkapital aufzuzwängen, verschlimmert die Krise nur, denn die Staaten müssten sich dafür weiter verschulden.“

Der Bankenverbands-Präsident schloss aber nicht aus, dass bestimmte Finanzinstitute Hilfen bräuchten. „Es mag einzelne Banken in Europa geben. Das knappe Geld sollte nicht wie mit der Gießkanne allen Banken aufgezwungen werden, sondern zielgerichtet nur denen gegeben werden, die in Not sind.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bankenverband: „Die Politik darf uns keinen Krieg erklären“"

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  • Unklar ist, warum im Finanzsektor nicht Marktwirtschaft gelten sollte: Erstens gibt es keine risikofreie Investition, auch nicht bei Staatsanleihen, und deshalb müssen zweitens unternehmerische Fehlentscheidungen auch Folgen haben. Nicht Zwangskapitalisierung, sondern Marktbereinigung bitte.

  • hallo ernst,die ezb kann den einzelnen ländern direkt mittel zur verfügung stellen,dies bedarf nur eines federstrichs.

    die politiker wollen die banken und ihre beschäftigten schonen,denn mit der pleite von banken und der arbeitslosigkeiten ihrer mitarbeiter,kann einer volkswirtschaft nicht gedient sein.

    politisch handelnde sind auch nicht verkommener als die vielkritisierten nichtskönner und abzocker in den oberen etagen der banken.ich empfehle als kurztest den direkten gehaltsvergleich.

    im übrigen frage ich mich,mit was sich die excellenten stabsabteilungen und chefvolkswirte der großbanken ihre zeit vertreiben,wenn schmitz nur attacke und keine analyse liefern kann,weil ihn die nun vorgeschlagenen politischen handlungsoptionen überraschen und überfordern.

    er müßte doch zusätzliche argumente außer dem ,daß es nicht nötig sei,haben:z.b.ertragsstärke,stille reserven,kurzfristige kapitalerhöhungen,sonstige eigenkapitalstärkungen.

    sein elitärer anspruch einem konzil anzugehören,wie sich aus seiner rauch metapher heraus lesen läßt,wird durch die realität nicht gedeckt,er ist und bleibt proband.
    lediglich das wasser und brot als metapher für gefängnis nehm ich ihm ab,denn dies hat er zu fürchten

    ber präsident des bundesverbands deutscher banken herr schmitz sollte sich übrigens zum verdacht der beihilfe zur steuerhinterziehung für sich und sein von ihm vertretenes unternehmen HSBCTrinkhaus erklären,oder is er dazu zu feige und will das problem ebenso aussitzen wie die unter-
    kapitalisierung und liquiditätsklemme vieler banken...

  • An der Finanzkatastrophe von 2007/2008 waren Banken und andere Finanzinstitute zu einem erheblichen Teil verantwortlich beteiligt. Daran gibt es sicher keinen Zweifel.

    Dann allerdings haben Steinbrück und Merkel und auch Asmussen eine geradezu blödsinnig konzipierte Bankenrettung durchgeführt. Statt die Verantwortlichen daür in die Haftung zu nehmen, hat man sich von den Bankenvertretern über den Tisch ziehen lassen und bürdete den Bürgern die Risiken und Schulden auf.

    So verfuhr man nicht nur in der BRD, sondern auch in anderen Staaten. Das Ergebnis ist bekannt; es taten sich neue Finanzlöcher in den Staatshaushalten auf, bereits schon hoch verschuldete Länder gerieten nun erst richtig in Liquiditätsprobleme.

    Um einen Ausweg aus dem staatlichen Finanzdesaster zu finden, werden die Banken von der Politik zum Buhmann erklärt, damit die Regierungen sich direkten Einfluß auf die Kreditgeber verschaffen und sich darüber einfach neue Staatskredite besorgen. Das ist der eigentliche Zweck der Zwangskapitalisierung.

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