Banker sind empört
SPD-Blatt attackiert Ackermann

In den Doppeltürmen der Deutschen Bank in Frankfurt herrscht Aufregung: Das Herrhausen-Trauma ist zurückgekehrt.

HB FRANKFURT. Am 30. November 1989 war der damalige Vorstandschef von der Terrorgruppe RAF als Symbolfigur einer übermächtigen Finanzindustrie ermordet worden. Knapp 16 Jahre später sieht sich nun sein Nachfolger, der Schweizer Josef Ackermann, in der seit Wochen anhaltenden Kapitalismus-Debatte ebenfalls unfreiwillig als Symbolfigur exponiert: Die SPD-Zeitschrift „Vorwärts“ schmückte das Titelbild ihrer jüngsten Ausgabe mit dem berühmten Victory-Foto von Ackermann und der Zeile: „Nackte Profit-Maximierung gefährdet die Demokratie“. Darunter steht das Grundgesetz-Zitat „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Die gezielte Personalisierung beunruhigt die Banker. Ackermann, der in den vergangenen Jahren immer wieder als Feindbild linker Systemkritiker herhalten musste, werde damit in die Ecke von Verfassungsfeinden gestellt. Offiziell verkneift sich die Bank zwar jeden Kommentar dazu. Das führende Finanzhaus Deutschlands hofft aber jetzt auf Unterstützung von Freunden in Politik und Wirtschaft.

Die kommt – und zwar von den Liberalen. „Der Vorwärts-Titel erinnert an Kopfgeldjägermethoden“, schimpft FDP-Vize Rainer Brüderle und fordert SPD-Chef Franz Müntefering auf, er solle „als guter Demokrat das Blatt sofort zurückziehen“. Schließlich habe es schon einmal einen „Vorstandssprecher der Deutschen Bank gegeben, der zur Hassfigur der Linken wurde – mit schrecklichen Folgen“. Dies, so Brüderle, „sollte allen, die jetzt Öl ins Feuer gießen, eine Warnung sein“.

Das sehen Frankfurter Finanzleute genauso. Hinter vorgehaltener Hand heißt es im Umfeld der Deutschen Bank besorgt: „Das Sicherheitsrisiko für Ackermann steigt.“ Es sei zwar kaum mit organisiertem Terror wie bei Herrhausen zu rechnen, „aber Verrückte gibt es ja leider genug“. Dieser Gefahr müsse sich die SPD mit ihrer „gefährlichen“ Kampagne bewusst sein.

Die Warnung richtet sich auch an Müntefering selbst, der Ackermann in seinen Reden immer wieder persönlich attackiert. Das Vorgehen des SPD-Chefs wird sogar von Vorwärts-Lesern mit gemischten Gefühlen betrachtet, wie auf der Website des Parteiblattes zu sehen ist. Dort heißt es zwar einerseits: „Schach matt dem Ackermann“. Doch andererseits wirft ein Sozialdemokrat Müntefering „althergebrachte“ Thesen vor und moniert: „Zum Teil hat sich unser Parteichef mit seiner Argumentation sogar selbst angreifbar gemacht.“ Der Bundesverband deutscher Banken ermahnt die SPD, endlich wieder sachlich zu werden. Verbandsgeschäftsführer Manfred Weber: „Statt vermeintliche Sündenböcke an den Pranger zu stellen, sollte die Politik ihre Hausaufgaben erledigen: nämlich durch entschlossene Reformen für mehr Wachstum und Beschäftigung sorgen.“

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