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03.07.2008  | Aktualisiert 03.07.2008, 09:01 Uhr 
Simbabwe

Banknote oder Blutgeld?

von Andreas Rinke

Eine Firma liefert Sicherheitspapier für Banknoten nach Simbabwe - und sieht sich plötzlich scharfer Kritik von Politikern gegenübern. Giesecke & Devrient gab dem politischen Druck nach, als sogar Außenminister Steinmeier in der Sache interveniert hatte.

In der Kritik: Banknotenspezialist Giesecke & Devrient. Foto: ArchivLupe

In der Kritik: Banknotenspezialist Giesecke & Devrient. Foto: Archiv

BERLIN. Die Welt der Banknoten ist eigentlich eine sehr vertrauliche. Es geht, naturgemäß, um sehr viel Geld, die Grundlage von Volkswirtschaften und den Kern staatlicher Souveränität. Also zählen in der Branche Verschwiegenheit und Sicherheit - auch für einen der großen Spieler weltweit, die Münchener Firma Giesecke & Devrient. Sie beliefert Dutzende von Ländern mit Sicherheitspapier für Banknoten. Doch Robert Mugabe hat nun alles geändert.

Denn weil Giesecke & Devrient seit Jahren auch die Zentralbank Simbabwes mit dem unbedruckten Papier beliefert, brach nach der Wahlfarce des simbabwischen Diktators plötzlich ein Proteststurm los. Der CDU-Politiker Hartwig Fischer kritisierte, einige Firmen nähmen fürs Geschäft anscheinend "auch Tote" in Kauf. Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul forderte die Firma vergangenen Freitag öffentlich auf, das Geschäft zu stoppen. "Das kam für uns völlig überraschend", sagt eine Unternehmenssprecherin.

Aus Papier war plötzlich eine politische Waffe, aus Banknoten Blutgeld geworden - weil Mugabe mit den Scheinen schließlich auch seine Schergen bezahle, so Wieczorek-Zeuls Argument. Dahinter steckt die Hoffnung, das Regime in Harare zu Fall bringen zu können, wenn angesichts der grassierenden Inflation der Nachschub neuer, nötiger Banknoten mit immer mehr Nullen abreißt.

Wirklich zum Präzedenzfall aber geriet die Angelegenheit, als Bundesaußenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier am Dienstag persönlich zum Telefonhörer griff, um Giesecke-Chef Karsten Ottenberg die desaströse politische Entwicklung in Simbabwe zu schildern und ihn um einen Lieferstopp zu bitten. Kurz danach gab das Unternehmen dem politischen Druck nach. Ganz verkneifen wollten sich die Münchener aber den Hinweis nicht, dass nun eine Firma ausbaden soll, was die Politik bisher nicht vermochte: Sanktionen gegen Simbabwe. EU und Uno-Sicherheitsrat bereiten sie zwar vor - beschlossen wurden aber bisher keine. Daher konnte und wollte gestern auch niemand sagen, wer eigentlich mögliche Kosten für die einseitige Kündigung laufender Verträge tragen soll, Unternehmen oder Regierung.

Immerhin hält man sich im Auswärtigen Amt zugute, dass ein "hochrangiger Beamter" Giesecke & Devrient schon im Mai auf die "Problematik des Engagements" hingewiesen habe. Als Aufforderung, die Lieferung einzustellen, sei dies aber nicht verstanden worden, sagte eine Unternehmenssprecherin. In München wiederum beobachtet man genau, ob denn nun ein internationaler Konkurrent in dem sensiblen Banknotengeschäft als Ersatzlieferant für Simbabwe einspringt.

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