BAP-Sänger

Niedecken hält nichts von Piraten-„Nerds“

Wolfgang Niedecken, Sänger der Popgruppe BAP, findet die Piratenpartei „ganz furchtbar“. Die Piraten seien „Nerds, die einen anonym im Internet bedrohen, wenn man anderer Meinung ist“, sagt der 61-Jährige.
10 Kommentare
Wolfgang Niedecken von der Kölner Rockgruppe BAP auf einem Archivfoto von 2004. Quelle: dpa

Wolfgang Niedecken von der Kölner Rockgruppe BAP auf einem Archivfoto von 2004.

(Foto: dpa)

KölnWolfgang Niedecken, der Chef der erfolgreichen Kölsch-Rockgruppe BAP, findet die Piratenpartei „ganz furchtbar“. Im Interview mit dem Handelsblatt bezeichnete er sie als „Nerds, die einen anonym im Internet bedrohen, wenn man anderer Meinung ist.“ Mit der Protestbewegung vor 30 Jahren haben die Piraten seiner Meinung nach nichts gemeinsam: „Damals ging es um Ökologie und Abrüstung, heute darum, wie man unentgeltlich an das geistige Eigentum anderer kommt.“ Man könne keiner Partei einen Blankoscheck ausstellen, die sage „Wir wissen zwar noch nicht, was wir mit deiner Stimme machen, aber Du musst uns jetzt einfach mal vertrauen. Wir sehen ja abenteuerlich genug aus, dass Du uns auch als Künstler wählen kannst.“

Der heute 61-jährige Niedecken gründete BAP im Jahr 1976. Die Band hat seither 19 CDs herausgebracht und geht weiter auf Tournee. Man müsse mehr auf Tour gehen, um die sinkenden Verkäufe zu kompensieren, sagte Niedecken. „Wenn wir früher ein  Album veröffentlicht haben, und es ging von null auf eins, dann wussten wir, es wird sich irgendwo zwischen 500 000 und einer Million Mal verkaufen“, sagte  Niedecken. „ Wenn wir heute von null auf eins gehen, können wir froh sein, wenn wir die 100 000er Grenze überschreiten.“ Alles andere sei illegaler Download. Zudem drängten allwöchentlich unzählige Neuproduktionen auf den Markt.

Zu seinem persönlichen Umgang mit Geld sagte der  Musiker: „Geld beruhigt, aber ich verprasse es nie“. Anfang der Achtziger Jahre habe er plötzlich über Summen verfügen können, an die er  früher nie im Traum gedacht habe. „Irgendwann hatten wir mit ‚Für usszeschniggge‘ und ‚Vun drinne noh drusse‘ zwei Doppel-Platin-Alben, die haben sich über eine Millionen Mal verkauft.“  Aber: „Da  man nicht ausgesorgt, mit vier Kindern und zwei dämlichen Doppel-Platin-Alben.“ Das meiste Geld gibt Niedecken nach eigenen Angaben „ wahrscheinlich für Reisen“ aus.  Zudem  sammelt er alte Gitarren.

  • scc
Startseite

Mehr zu: BAP-Sänger - Niedecken hält nichts von Piraten-„Nerds“

10 Kommentare zu "BAP-Sänger: Niedecken hält nichts von Piraten-„Nerds“"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Nidecken,auch ich muss fragen,wer ist das,der das Progamm der Piraten und die Piraten nicht kennt.Dieser mmmh Herr sollte erstmal Denken und Lesen ,Informieren lernen,bevor ER sein Schandmaul öffnet.Solche Leute sind für mich wie Nokia und Benque.Für mich nicht Tragbar.Seit Deren Verfehlungen könnten die mir Ihre Geräte oder der Barde Ihre Produkte schenken.Annehmen JA,aber sofort in den Schredder.

  • Wer ist Niedecken??

  • Ich mag BAP und Niedecken und ja, ich hab mir Musik von ihnen gekauft als CD. Ich finde es schade dass Wolfgang Niedecken sich nicht einmal 5 Minuten Zeit zu nehmen scheint um das Programm der Piraten und deren Äußerungen genau zu untersuchen.

    Es ist einfach zu behaupten dass die Piraten für die Freigabe des Rechtes auf Kopieren sind - was sie nicht sind. Worum geht es? Darum Stimmung zu machen. Erst hat man sie belächelt, jetzt sind sie aber bereits in drei Landesparlamenten und in zahllosen Stadtparlamenten und die Gegner befürchten dass dieser "Dammbruch" nicht mehr aufzuhalten sein wird. Und da - aber auch nur da - liegen sie richtig. Was sie nicht machen ist sich die Frage zu stellen WARUM es Leute gibt die meinen ihre Interessen nicht mehr vom CDUCSUSPDFDPGRÜNE-Einheitsbrei vertreten lassen zu müssen.

    Antworten gibt es da genug, man sage nur ACTA!, jetzt ganz frisch das Melderecht das in einer Schnelligkeit und mit einem Resultat abgenickt wurde dass der Volkskongress in Pjöng-Jang neidisch werden würde (wenn es ihm jemand sagen würde). Mir würde noch dazu ESM und EFSF einfallen, die unter dem Signum der "europäischen Solidarität" oder der Androhung "Stirbt der Euro so stirbt Europa" in die Hirne der Bevölkerung gepeitscht werden sollen. Aus den Rot-Grünen unseligen Zeiten würde mir noch "Arbeitsmarktflexibilisierung" (Gemeint ist der Versuch den 'chinesischen Wanderarbeiter' in Deutschland hoffähig zu machen), der "Aufbau des Finanzplatzes Deutschland" und die "notwendigen Verbriefungen" (Verpacken von Schrottpapieren"), das "Fördern und Fordern" das zu 1-Eurojobs und prekären Beschäftigungsverhältnissen geführt hat und last but not least "Die Verteidigung der deutschen Freiheit am Hindukusch".

    Jedes Argument wäre schon für sich geeignet die Blockparteien des Bundestages abzulehnen.

    Ja, es stimmt, die Piraten machen viele Fehler, sie sind eben weder PR Profis mit "Politikberatern" die ihnen auch gleich noch die Gesetze schreiben. Aber sie lernen.

  • Schon wieder ein alter Superstar, der sagt, "Früher waren wir alle besser".

    Glücklicherweise habe ich nie eine BAP-Platte gekauft, noch nichtmals auf Kassette überspielt.

    Der Möchtegern-Dylan und Springsteen in einer Person wird heute nur noch von irgendwelchen alten Deutschrock-Nerds gehört, die aber noch so zahlreich sind und seine Platten kaufen, dass Niedecken sich von seinen GEMA-Tantiemen einiges leisten kann.

  • Ich glaube nicht das für Niedecken das Internet ein generalisierter rechtsfreier Raum ist. Dieses würde er wohl auch nie so behaupten wollen. Seine Kritik an die Partei der Piraten teile ich ebenso wie auch die Äußerung von Campino (Tote Hosen). Wenngleich die Kritik von Campino um ein vielfaches politischer ("Chaotisierte Form der FDP") und damit prägnanter war, glaube ich das Niedeckens Kritik nicht nur auf die Frage des "geistigen Eigentums" reduziert. Niedecken und BAP haben mich persönlich intensiv in 80er Jahren musikalisch "begleitet". Texte wie "Widderlich" oder "Kristallnaach" waren (sind ?) Widerspruch zum damaligen politischen Zeitgeist gewesen

  • Ich hätte nie gedacht, dass ich mit meinen 47 Jahren mal so traurig über die neue, junge Generation denken würde!!!
    Es ist schon traurig, wie hier über einen unserer größten und beliebtesten Künstler(mit Vorbildfunktion) geschrieben wird...
    Manchmal habe ich das Gefühl,diese jungen Menschen vergessen, wer ihr Internet erfunden und dann auch auf den Weg gebracht hat! Es gab auch ein Leben vor dem www, dass gar nicht mal so schlecht war...
    Bevor man einen Wolfgang Niedecken kritisiert, sollte man sich vielleicht mal etwas genauer mit seiner Kunst und seinen Texten befassen.

  • Das Problem von Wolfgang Niedecken ist in diesem Fall wohl eher generationsbedingt. Das bemerkt man auch an dem Satz: "Nerds, die einen anonym im Internet bedrohen, wenn man anderer Meinung ist"
    Die sogenannten "Nerds" haben die "New Economy" aufgebaut, eine ganze Indsutrie, wenn man so will. Es ist eine seltsame Vorstellung, dass dies Menschen sind, die den ganzen Tag im Internet herumpöbeln, nichts sinnvolles tun und alles umsonst haben wollen. Hier zeigt sich ein ganz normales Phänomen: Missverständnis zwischen den Generationen. Das gab es interessanterweise schon im antiken Griechenland. Die "Jugend von heute" schien immer nur noch zu verkommen, keine Werte mehr zu haben und alles, was einem lieb war mit Füßen zu treten.

    Der Niedergang einiger Musiker bzw. der CD-Vertriebsbranche wird wohl kaum damit zusammenhängen, dass Musik nun auch im Internet zugänglich ist. Niemand betrachtet Radio-Hörer zum Beispiel als Raubhörer. Man könnte leicht auf große Verlustsummen kommen, wenn man annähme jeder, der ein Lied im Radio oder TV höre, würde sich stattdessen die Single oder gleich das Album kaufen. Selbst wenn man die Gebühr damit verrechnet, die Radios und TV-Sender dafür entrichten, würde man wohl auf eine satte Verlustsumme kommen. Warum höre ich also nicht: <<Radio und TV verursachen täglich Millionen € Verluste für die Musikbranche>>? Richtig, weil es Radio und Musik-TV schon lange gibt, man sich diesen Kanal als zusätzliche Finanzquelle erschlossen hat und sich auch der Werbewirkung bewusst ist. Ohne Auftritt in Radio + TV wohl kein Nr.1 Hit.

    Nun ist in den letzen 20 Jahren ein neuer Verbreitungskanal hinzugekommen. Ein sicherlich komplizierter, da schwer zu regelnder Kanal. Aber auch sehr potent: mittlerweile erreicht man wohl mehr junge Leute in kürzerer Zeit mit dem Internet, als mit Radio oder TV. Ein neuer Kanal erfordert natürlich eine Eingewöhnungsphase, bis die Möglichkeiten diesen Kanal zu nutzen erkundet sind und sinnvoll ausgenutzt werden.

  • „ Wenn wir heute von null auf eins gehen, können wir froh sein, wenn wir die 100 000er Grenze überschreiten.“ Alles andere sei illegaler Download. Zudem drängten allwöchentlich unzählige Neuproduktionen auf den Markt.

    und der letzte satz ist doch schon die ursache...ein unglaublich breites angebot...damals waren es nur ~100 musiker...jetzt sinds >100000 in .de und der verschärfte globale wettbewerb..jeden tag tauchen neue 1-tages-fliegen künstler dsds,popstars,...allein dieses jahr gabs unzählige shows, newcomer etc. 1-hit-wonder ...und heute erreicht man auch viel schneller den platinum/gold status eines albums/single...

    "erfolgreichen Kölsch-Rockgruppe BAP" - ich hatte vorher nie etwas von denen gehört....und laut wiki single chart platzierungen von denen waren die auch nichtmal so toll...und als anmerkungen stehen auch ungefähre verkäufe...1982 >1mio verkäufe....1984 ~250,000verkäufe....da gabs nichtmal das internet so wie wir es heute kennen mit tauschbörsen etc. was ist also sein argument dafür?

    Nicht jeder Download ist illegal...aber das versteht er wohl nicht. Für ihn scheint das Internet ein rechtsfreier Raum zu sein..oder wie der als ehemals und wieder Prince bezeichnete Musiker als Modeerscheinung bezeichnete, dass out ist und keine zukunft hat und auch nix von itunes hält ^^..

    also ich kann gut auf musik von bap sänger niedecken verzichten, denn ich halte nix von verbitterten ausgedienten pseudo-musikern ;-)

  • Als Software noch völlig überteuert war, wurde raubkopiert auf Teufel komm raus. Bei preiswerterer Software, beispielsweise die ganzen Apps für Smartfones oder preiswerter Shareware, kommen deutlich weniger Leute auf solch eine Idee. Es lohnt sich einfach nicht. Da wird der Preis im Bereich von wenigen Euro oder auch nur Cent bezahlt und gut ist´s.

    Vielleicht sollte man die ganzen unersättlichen Parasiten, welche sich im weiten Feld zwischen Musikern und Konsumenten tummeln, deutlich kürzer halten. Diese sind es, welche das Produkt Musik unnötig verteuern.

  • „Damals ging es um Ökologie und Abrüstung, heute darum, wie man unentgeltlich an das geistige Eigentum anderer kommt.“

    Nö.

    Heute geht es um Basisdemokratie.

    Des weiteren: ändern sich die Zeiten, und ab und zu geschehen technologische Revolutionen.

    ... und das "Kommerz-Kunst" in manchen Bereichen nicht mehr so wie früher, in der "guten alten Zeit" realisierbar ist, ist nur für manche ein Verlust.

    Die Piraten fordern auch ein Grundeinkommen - das ist eine sehr viel bessere Basis für gute, für echte Kunst als das bisherige geldgeile, marketing-strategisch durchdachtes "Superstar-System".
    Diese Unterhaltungsindustrie färbt auch ganz übel auf die Gesellschaft ab; leistungsscheue, opportunistische Wendehals- "möchtegern-will-I-Kids" sind die Folge.

    Auf der Basis eines bedingungslosen Grundeinkommens können tatsächliche Künstler wesentlich besser gedeihen als auf Basis nicht mehr zeitgemäßer Schutzrechte.

    Es wird Zeit, die Kunst aus den Fesseln des Kapitals zu befreien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%