Barbecue zum Ende des Bush-Besuchs
Im diplomatischen Fokus: Der Wildschweinbraten

Ein deftiger Wildschweinbraten war für US-Präsident George W. Bush unter Umständen die größte Attraktion seines Deutschlandbesuchs. Schon bei der Pressekonferenz am Mittag sorgte die Vorfreude auf den Schwarzkittel am Spieß immer wieder für Heiterkeit unter den Regierungschefs.

HB STRALSUND. Am frühen Abend schließlich durften Bush und Bundeskanzlerin Angela Merkel das Objekt der Begierde endlich gemeinsam anschneiden. Im ehemaligen DDR-Vorzeigedorf Trinwillershagen gab die Gastgeberin ein Grillfest mit 100 geladenen Gästen.

Bush war betont locker gekleidet, ohne Jackett mit offenem hellblauen Hemd. Merkel trug eine helle Jeans und dazu einen dunkelblauen Leinenblazer. So machten sie sich unmittelbar vor einer Blaskapelle im bayerischen Trachtendress mit Messer und Grillgabel an die Arbeit.

Nach den politischen Gesprächen am Vormittag in Stralsund über wichtige Weltprobleme hatte sich das 30 Kilogramm schwere Wildschwein schon immer in den Vordergrund gedrängt. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz lobte Bush die „guten Gespräche“ mit Merkel und nach einem kurzen Abriss der behandelten Themen sagte der US-Präsident: „Ich freue mich auf das Wildschwein heute Abend.“ Das Tier tauchte auch bei der Frage einer deutschen Journalistin wieder auf, die wissen wollte, welchen Eindruck Bush denn von Ostdeutschland habe - abgesehen von dem Wildschein.

Merkel betonte daraufhin zunächst, dass es vor laufenden Kameras erlegt worden sei und inzwischen schon auf dem Spieß liege, „damit es heute Abend etwas wird“. Bush sagte, nachdem er in seinen Ausführungen zum Nahen Osten, wonach die Journalistin ebenfalls gefragt hatte, das Wildschwein ganz vergessen hatte: „Zu dem Schwein sage ich Ihnen morgen etwas, wenn ich es gegessen habe.“ Das Wildschwein war vom Wirt der Gaststätte selbst geschossen worden. Es war anderthalb Jahre alt.

Trinwillershagen ist ein kleiner Ort, 20 Kilometer von der Ostseeküste entfernt. Er war schon zu DDR-Zeiten ein Vorzeigeobjekt. Im ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat kämpfte dort die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) „Rotes Banner“ um Planerfüllung, und es gaben sich Parteigrößen und Agrarexperten aus den sozialistischen Bruderländern die Klinke in die Hand.

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