Basis fühlt sich in großer Koalition verraten
SPD-Mitglieder sehen Beck nicht als Kanzlerkandidat

Die große Mehrheit der SPD-Mitglieder traut laut einer Umfrage dem Parteivorsitzenden Kurt Beck die Kanzlerkandidatur nicht zu. In einer Forsa-Erhebung für den „Stern“ unter 1.003 Sozialdemokraten sagten nur 23 Prozent der Befragten, die Partei hätte mit Beck an der Spitze die besten Chancen bei der Bundestagswahl 2009.

HB HAMBURG. Er lag damit nur knapp vor anderen genannten Kandidaten, etwa Außenminister Frank-Walter Steinmeier. In einer weiteren Frage sagten 56 Prozent, Beck könne die SPD nicht aus dem aktuellen Stimmungstief führen. Becks Arbeit als Parteichef bewertet nicht einmal die Hälfte der Basis als gut (43 Prozent) oder sehr gut (fünf Prozent). In der Berliner SPD-Parteizentrale lehnte ein Pressesprecher jeden Kommentar zu der Umfrage ab.

Aber nicht nur Beck, sondern die ganze politische Ausrichtung der Bundes-SPD ist laut Umfrage bei der Parteibasis umstritten: So urteilten 58 Prozent der befragten Genossen, dass die SPD in der Zusammenarbeit mit der Union sozialdemokratische Prinzipien verraten habe. Damit ist die Stimmung noch schlechter als im Jahr 2003, als der damalige Kanzler Gerhard Schröder seine Agenda 2010 durchsetzte. Jetzt sagen 52 Prozent, die Arbeit in der großen Koalition schade der Partei.

Vor allem die Rente mit 67 und die geplante Unternehmensteuerreform werden von einer deutlichen Mehrheit der SPD-Mitglieder - jeweils 62 Prozent - kategorisch abgelehnt. Für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan sprachen sich 51 Prozent aus. Fast zwei Drittel (63 Prozent) der befragten SPD-Mitglieder meinen, dass der Partei eine Zeit in der Opposition gut tun würde, um wieder zu sich selbst zu finden. Die Bundestagswahl 2009 hat das sozialdemokratische Parteivolk laut Umfrage bereits aufgegeben: Nur 22 Prozent glauben, dass die SPD gewinnen kann.

Das größte Ansehen unter den SPD-Ministern genießt bei den Parteifreunden zur Zeit Steinmeier. 77 Prozent sagten, dass die Arbeit des Außenministers der SPD nutze. Trotz der Kurnaz-Affäre glauben nur zehn Prozent, dass Steinmeier der Partei schade. An zweiter Stelle folgt Finanzminister Peer Steinbrück (72 Prozent).

Dagegen findet die Hälfte, dass Gesundheitsministerin Ulla Schmidt der SPD schade. Auch Vizekanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering schneidet eher bescheiden ab (53 Prozent).

Fast ein Drittel der SPD-Mitglieder (29 Prozent) haben laut „Stern“-Umfrage in jüngster Zeit darüber nachgedacht, ihr Parteibuch zurückzugeben. Vier Prozent stehen demnach sogar kurz vor ihrem Austritt aus der SPD. Und fast jeder zehnte Sozialdemokrat (neun Prozent) kann sich vorstellen, zur Linkspartei zu wechseln. Seit 2000 gaben 170.000 Sozialdemokraten ihr Parteibuch zurück, so dass 2006 noch gut 560.000 Mitglieder übrig blieben.

Allerdings gaben auch 58 Prozent der Parteimitglieder an, dass sie sich aktiv für die SPD im Wahlkampf engagieren würden. Und 62 Prozent glauben, dass die SPD die Bürgerschaftswahl in Hamburg Anfang nächsten Jahres gewinnen kann - anders als die Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen. Dort rechnet eine Mehrheit mit einer Niederlage.

Beck auch insgesamt unbeliebt

Eine Umfrage für die „Leipziger Volkszeitung“ ergab unterdessen, dass sich die Zustimmung für Beck auch bei den Bundesbürgern insgesamt mit 30 Prozent in Grenzen hält. Mit jeweils elf Prozent seien Steinmeier und Steinbrück derzeit aber keine Alternativen, schreibt das Blatt. Auch Umweltminister Sigmar Gabriel hat bei der Bevölkerung schlechte Karten. Nur sechs Prozent finden, er sei der beste SPD-Kanzlerkandidat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%