Bau eines Prestigeprojektes
Diplomatie ohne Rückstände

In Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, soll ein deutscher Leuchtturm entstehen: Hier plant das Auswärtige Amt die erste emissionsfreie Botschaft der Welt. Warum das Außenministerium für die ökologisch-diplomatische Weltpremiere energisch auf den Standort Abu Dhabi setzt.

ABU DHABI. Selten hat eine schnöde Baulücke einen solchen Reiz ausgeübt. Als Frank-Walter Steinmeier kurz nach dem Start des Hubschraubers in Abu Dhabi aus dem Fenster sieht, wirkt er jedenfalls sehr zufrieden. Denn direkt unter ihm, an der prestigeträchtigen Corniche, der Prunkpromenade der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), sieht er den gelben Bauzaun. Und dahinter liegt jenes Brachgelände, auf dem bald ein deutscher Leuchtturm entstehen soll – freilich keiner, der Schiffe in das boomende Emirat lenken soll. Aber ein „Leuchtturm-Projekt“, das zum Symbol deutscher Umwelttechnologie werden und der deutschen Industrie viele Projekte in die Auftragsbücher spülen soll.

Denn das Auswärtige Amt will hinter diesem gelben Bauzaun die erste emissionsfreie Botschaft der Welt errichten lassen – für eine Diplomatie ohne Rückstände, sozusagen. Die Chancen stehen gut: Zwei deutsche Botschaften müssen in nächster Zeit ohnehin gebaut werden, eine im australischen Canberra und eine eben in Abu Dhabi. Dort versteckt sich die deutsche Vertretung bisher zur Miete im 14. Stock eines Hochhauses.

Abu Dhabi hat schon deshalb große Chancen, die ökologisch-diplomatische Weltpremiere zu erhalten, weil die Herrscherfamilie Deutschland jetzt das Grundstück in Bestlage zur Verfügung gestellt hat, in direkter Nähe der Herrscherpaläste. Die weltweit erste emissionsfreie Botschaft schmückte schließlich auch die ehrgeizigen Scheichs, die mit ihren Ölmilliarden ohnehin einen Superlativ nach dem anderen anhäufen. Und Steinmeier macht wenig Hehl daraus, dass die Bundesregierung sich bestens mit der pragmatischen Regierung der VAE versteht.

Zwar muss noch ein Investor gefunden werden, weil das Projekt für die üblicherweise für Botschaften zuständige Bundesbaudirektion wohl etwas zu ambitioniert sein dürfte. Das Außenministerium verweist zudem darauf, dass natürlich der Haushaltsausschuss des Bundestages noch seine Zustimmung geben muss. Aber das Fraunhofer-Institut für Bauphysik hat bereits ein Gutachten erstellt, dass eine „Null-Emissions-Botschaft“ tatsächlich möglich, wenn auch sehr ehrgeizig ist. Der übliche Energiebedarf für das mehrstöckige Haus soll dabei mit dem Einsatz modernster Technologien und innovativer Gebäudeplanung zu 90 Prozent eingespart und der Restbedarf durch Sonnenenergie erzeugt werden. Die angedachte Botschaft soll deshalb zum Symbol für die Klimaschutz-Anstrengungen der Bundesregierung werden.

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