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Baubeginn: Tausende demonstrieren gegen Stuttgart 21

Stuttgart 21 ist gestartet - und das trotz massiver Proteste. Rund 18 000 Demonstranten hatten vergeblich versucht, die Bagger am Stuttgarter Hauptbahnhof zu stoppen. Das wohl umstrittenste Infrastrukturprojekt Deutschlands soll nun in die Realität umgesetzt werden. Dabei gibt eine neue Studie den Kritikern Rückenwind.

Mit einer Lichterkette protestierten tausende Bürger gegen das Infrastrukturprojekt Stuttgart 21. Quelle: dpa
Mit einer Lichterkette protestierten tausende Bürger gegen das Infrastrukturprojekt Stuttgart 21. Quelle: dpa

HB STUTTGART. Der Baubeginn des umstrittenen Bahnprojekts Stuttgart 21 ist nun auch an der Außenfassade des Hauptbahnhofs sichtbar geworden. Bagger begannen am Freitag mit dem Abriss. Rund 18 000 Menschen protestierten am Abend mit einer Menschenkette gegen das Milliarden-Vorhaben, das gegenwärtig eines der größten deutschen Bauprojekte ist.

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Mit Lichtern, Transparenten und dem Slogan „Oben bleiben“ machten sie ihrem Unmut gegen die Umwandlung des denkmalgeschützten Kopfbahnhofs in eine unterirdische Durchgangsstation Luft. Die Kritik richtet sich unter anderem gegen die steigenden Kosten - mittlerweile 4,1 Mrd. Euro - sowie negative Effekte für die Umwelt und den Nahverkehr. Die Gegner befürworten eine Modernisierung des Kopfbahnhofes und wollen einen Baustopp und eine Bürgerbefragung erreichen.

Die Polizei hatte den Beginn der Arbeiten am Morgen mit rund 30 Beamten gegen einige wenige Protestierer gesichert. Drei Frauen und ein Mann wurden weggetragen, weil sie die Einfahrt für die Baufahrzeuge blockierten. Im Inneren des Bahnhofsgebäudes war schon im Juli mit dem Abbruch begonnen worden.

Nach einer neuen Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes könnten die Gesamtkosten des Projektes, zudem auch die Anbindung an die Schnellbahntrasse nach Ulm gehört, von sieben auf bis zu elf Mrd. Euro steigen. Bundesbehörden wollte dazu aber am Freitag nicht Stellung beziehen. Der Autor der Studie, Michael Holzhey, kommt auch zu dem Schluss, dass beide Projekte verkehrstechnisch keinen Sinn haben und anderen wichtigeren Vorhaben Mittel entziehen. Das Umweltbundesamt hatte sich das Ergebnis der Studie nicht zu eigen gemacht.

Weder das Bundesverkehrs- noch das Bundesumweltministerium äußerten sich zu der Kritik. Bei der Bahn hieß es lediglich: „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen über Kostenexplosionen.“ Die SPD warf dem Autor der Studie vor, ein bekannter Gegner des Projektes zu sein und die Auftragsstudie für politische Zwecke zu missbrauchen. Allerdings bröckelt in der SPD die vorbehaltlose Unterstützung für das Milliarden-Vorhaben weiter.

Landesverkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) warnte erneut vor einem Stopp von Stuttgart 21. „Wir glauben, dass es ein für die Zukunft des Landes ganz entscheidendes Infrastrukturprojekt ist - und deswegen fallen wir jetzt nicht um“, sagte Gönner der Nachrichtenagentur dpa.

  • 14.08.2010, 15:29 UhrRalph Fischer

    ich warte immernoch auf den Politiker der unterschreibt: iCH ganz persönlich werde für jedwede Kosten aufkommen, um die das Projekt die veranschlagten Mittel übersteigt.

    Das gehört auf die Genehmigung des Antrags und solange lehne ich das Projekt ab.

  • 14.08.2010, 15:49 UhrW. Fischer

    ich denke Herr Ministerpräsident Mappus, hat in seinen Überlegungen etwas Wichtiges für die CDU vergessen, nämlich die Landtagswahl 2011. Alle Parteien die an Stuttgart 21 beteiligt sind, werden die Quittung am Wahlabend erhalten. Darüber sollte Herr Ministerpräsident Mappus, der noch keine Legitimation vom baden-Württembergischen Wahlvolk hat ernsthaft nachdenken.
    Danke

  • 14.08.2010, 16:08 UhrWeltenbummlerin

    Ein beweis, dass die Politik nicht das Volk, sondern ihre eigenen und die interessen der Finanzhasardeure vertritt. Schnell sollen Tatsachen geschaffen werden, um die Projektausführung unumkehrbar zu machen und um die Taschen der Hasardeure und Politiker zu füllen. Der Volkswille wird mit Füßen getreten. Vor der Wahl wird dann versucht mit Lügen und leeren Versprechungen die Wähler zurückzugewinnen, um kurz nach der Wahl nach dem Wahlspruch "was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" zu verfahren. Ein schmutziges und schmieriges Geschäft, bei dem man auch einen entsprechenden Charakter besitzen muß.

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