Bauern bangen um ihre Existenz
Tabaksubventionen sollen gekürzt werden

Nach dem Votum von landwirtschaftsministerin Renate Künast für eine drastische Kürzung von EU-Subventionen bangen Deutschlands Tabakbauern um ihre existenz.

HB BERLIN/SPEYER. „Von Künast wurde ein Todesurteil gesprochen, ohne uns vorher anzuhören“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Tabakpflanzer, Hermann Pfanger, am Freitag in Speyer. Auch der Deutsche Bauernverband kritisierte die Pläne. Künast hatte der „Financial Times Deutschland“ gesagt: „Tabakanbau soll sich ganz klar nicht mehr lohnen. Das wollen wir erreichen.“ Eine Sprecherin der Ministerin sagte der dpa, damit unterstütze Künast Pläne der EU-Kommission.

Etwa 5000 Tabakpflanzer aus ganz Europa wollen am kommenden Montag in Brüssel für den Tabakanbau demonstrieren. Am Montag berät dort der EU-Agrarministerrat über die Subventionen für Tabak, Zucker, Baumwolle und Olivenöl. „Es ist widersinnig, mit viel europäischem Geld den Tabakanbau zu fördern, während wir gleichzeitig durch das Rauchen ein massives Gesundheitsproblem haben“, sagte Künast der Zeitung.

Brüssel fördert den Tabakanbau derzeit mit rund einer Milliarde Euro pro Jahr. Nach Angaben des Tabakpflanzer-Verbandes fließen rund 30 Millionen Euro nach Deutschland. Nach den Plänen der Europäischen Union seien es 2007 noch 10 Millionen Euro. „Wir hoffen, dass die großen Tabak produzierenden Länder wie Griechenland und Italien sich gegen die Pläne wehren“, betonte Verbandschef Pfanger.

Keine lohnenden Alternativen

„Wenn der Zuschuss auf ein Drittel sinkt, werden die Bauern sich umschauen und sehen, dass sich andere Produkte besser rechnen“, sagte Künast der Zeitung. „Weil Tabak sehr hohe Arbeitskosten verursacht, ist fast alles andere interessanter.“ Nach Ansicht Pfangers gibt es jedoch keine lohnenden Alternativen. „Unsere Betriebe können etwa vom Hartweizen-Anbau nicht leben.“ Mit der geforderten Senkung der Subventionen werde das Ende des deutschen Tabakanbaus erreicht.

„Die deutschen und europäischen Tabakpflanzer fürchten um ihre Existenz“, bekräftigte der Sprecher des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Michael Lohse, in Berlin. Würden die Kürzungspläne Realität, käme nach Einschätzung des Verbandes die Tabakproduktion in Deutschland und in weiten Teilen Europas zum Erliegen. Nach Angaben des DBV bauen in Deutschland 1025 Betriebe auf 4800 Hektar Tabak an.

Nach Angaben des Agrarministeriums betrifft die geplante Kürzung der Subventionen auf ein Drittel nur Bauern, die mehr als 10 Tonnen Tabak pro Jahr produzieren. Das seien 380 Betriebe. Für Bauern, die zwischen 3,5 und 10 Tonnen produzieren, würden 20 Prozent gestrichen. Für Betriebe mit einer Produktion unter 3,5 Tonnen bleibe die Förderung gleich. Über die Kürzungen soll im Frühjahr 2004 entschieden werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%