0 Bewertungen
29.06.2007 
EU-Obergrenze

Bauern stimmen gegen Milchquote

Der Deutsche Bauerntag hat sich mit großer Mehrheit gegen die bestehenden EU-weiten Obergrenzen bei der Milcherzeugung ausgesprochen. Von der EU verlangten die Landwirte bis 2008 klare Entscheidungen in der Frage.

HB BAMBERG. Auf dem am Freitag zu Ende gegangenen Verbandstreffen stimmten 75 Prozent der knapp 500 Delegierten für eine Aufhebung der so genannten Milchquote vom Jahr 2015 an. Gegen den Fall nationaler Produktions-Obergrenzen für Milch sprachen sich die Landwirte aus Bayern und Hessen aus.

Seit 1984 weist die EU den einzelnen Mitgliedsländern bestimmte Produktionsmengen für Milch zu; diese werden Milchquoten genannt. Sie sollen einerseits die Überproduktion begrenzen, andererseits garantiert das System den Bauern stabile Preise. Wer zu viel produziert, muss sogar eine Abgabe zahlen. In Deutschland dürfen derzeit 28 Millionen Tonnen Milch pro Jahr produziert werden, in der gesamten EU 131 Millionen Tonnen.

Nach Ansicht von Bauernpräsident Gerd Sonnleitner erhöht der Wegfall der Beschränkungen die Exportchancen für die deutschen Landwirte. Damit die deutschen Bauern mit dem Weltmarkt konkurrieren könnten, seien aber weltweit einheitliche Standards bei der Milchproduktion notwendig, gab er zu bedenken. Diese Standards müssten noch mit der Welthandelsorganisation verhandelt werden. Sonnleitner forderte weitere „flankierende Maßnahmen“. Dazu zählten eine Investitionsförderung und steuerliche Hilfen für die Bauern.

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) rechnet ebenfalls mit einem Ende der Milchquote im Jahr 2015. Es sei nicht zu erwarten, dass die EU-Kommission von ihrer bisherigen Position abrücke. Wie schon kurz zuvor FDP-Chef Guido Westerwelle forderte Seehofer Unterstützung für die betroffenen Landwirte. Er werde den Vorschlägen der Kommission nur dann zustimmen, wenn bis zum nächsten Jahr ein Konzept vorgelegt werde, wie die Umstellung bewältigt werden soll.

Den Bauern versprach der Bundesagrarminister Planungssicherheit. Bis 2013 werde es keine Agrarreform geben. Ebenso seien die Direktzahlungen der EU für den Tier- und Umweltschutz gesichert. Im Unterschied zu FDP-Chef Westerwelle tritt Seehofer bei der Reform des Erbschafts-Steuerrechts für einen schrittweisen Erlass der Steuer ein. Wenn ein Unternehmen zehn Jahre lang weiter geführt werde, müsse die Zahlungspflicht entfallen. Westerwelle sprach sich dagegen für eine komplette Abschaffung der Erbschaftssteuer ein.

Seehofer kündigte an, die Bundesregierung werde in die Infrastruktur im ländlichen Raum investieren. Voraussichtlich in der nächsten Woche werde das Kabinett dafür Geld bereitstellen. Von besonderer Bedeutung sei es, die Breitband-Verkabelung und damit den schnellen Internet-Anschluss voranzutreiben. „Wir können mit abgestimmen Maßnahmen Wertschöpfung und Investitionen in den ländlichen Räumen deutlich erhöhen.“

EU-Kommissar Günter Verheugen sprach sich vor den Bauern- Vertretern klar gegen den Abbau aller Agrar-Subventionen aus. Landwirte leisteten mit der Bewirtschaftung von Flächen einen wichtigen Beitrag zum Landschaftsschutz. Wenn ihnen diese Leistung nicht mehr auf dem Wege von Subventionen vergütet werde, seien sie zu höheren Abgabepreisen gezwungen. Dies würde zwangsläufig zu höheren Lebensmittelpreisen im Einzelhandel führen, gab der Vizepräsident der EU-Kommission zu bedenken.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutschland, ein Bauernstaat  Artikel in Merkliste

20.11.2008 von Helmut Hauschild

Der Berg kreiste und gebahr eine Maus. Zwei Jahre lang hat die EU über eine Reform verhandelt, die ihre teure Agrarpolitik zukunftsfit machen sollte. Das Ergebnis enttäuscht. Kommentar