Bauernpräsident Sonnleitner
Landwirten droht eine Explosion der Sozialkosten

Bauernpräsident Gerd Sonnleitner hat vor einer dramatischen Explosion bei den Kosten der Sozialversicherung für die Landwirte gewarnt. Die Schere zwischen Beitragszahlern und Leistungsempfängern gehe immer weiter auseinander.

HB BERLIN. „Wir haben immer weniger Beitragszahler, aber immer mehr Leistungsempfänger“, sagte Sonnleitner in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Bei der Unfallversicherung seien die Probleme besonders groß. Agrarminister Horst Seehofer (CSU) müsse mehr Geld bekommen oder umschichten. „Wenn man uns Bundeszuschüsse verweigert, explodieren die Sozialkosten auf den Höfen.“

Sonnleitner verwies auf den anhaltenden Strukturwandel. „Viele Kinder sind nicht mehr in der Landwirtschaft tätig und finanzieren andere Sozialversicherungssysteme.“ Dadurch stiegen die Beitragslasten für verbleibende aktive Landwirte umso mehr. Jährlich seien es bis zu fünf Prozent, die der Landwirtschaft verloren gingen. Der Knappschaft würden dagegen fiktive Mitglieder zugeteilt, damit die Kasse stimme. „Wir müssen immer mehr selbst finanzieren, aber das schaffen wir nicht“, sagte Sonnleitner, der selbst einen Hof in Bayern hat.

Der Präsident des Bauernverbands hofft auf eine Lösung im Kontakt mit der Bundesregierung. „Herr Seehofer und ich haben schon Gespräche geführt“, sagte Sonnleitner. „Wir bekommen zwar Bundeszuschüsse, aber Renate Künast hat sie massiv gekürzt.“ Seehofer hatte der früheren Grünen-Agrarministerin vorgeworfen, sie habe den Berufsgenossenschaften der Landwirte für die Sozialversicherung einen Zuschuss von 200 Millionen Euro zugesagt. Im Bundeshaushalt seien tatsächlich nur 105 Millionen Euro abgesichert gewesen, sagte Sonnleitner. Diese Lücke könne die Landwirtschaft nicht aus eigener Kraft schließen.

Der Deutsche Bauernverband sieht außerdem keinen Streit um die „Agrarwende“ der grünen Ex-Landwirtschaftsministerin Renate Künast. Wenn es zu Sparmaßnahmen komme, wolle er genauso für die Öko- Branche wie für konventionelle Bauern kämpfen, sagte Sonnleitner iweiter. „Für mich hat eine Agrarwende gar nicht stattgefunden“, betonte er.

Künast hatte das Ziel vorgegeben, bis zum Jahr 2011 ein Fünftel der landwirtschaftlichen Produktion auf Öko-Anbau umzustellen. Derzeit sind es weniger als fünf Prozent. Ihr Nachfolger, der CSU- Politiker Horst Seehofer, will eine Bevorzugung des Biolandbaus nun beenden. Für ihn sind nach eigenen Angaben wie für Sonnleitner konventionelle Bauern ebenso wichtig wie Öko-Bauern.

Der Bauernpräsident appellierte an alle Landwirte: „Wir dürfen uns gegenseitig nichts vorwerfen.“ Die Rahmenbedingungen hätten sich für alle Bauern verschlechtert. Sonnleitner ist Landwirt in Bayern. Er bewirtschaftet im Landkreis Passau einen Betrieb von rund 100 Hektar, der bereits seit dem 13. Jahrhundert im Familienbesitz ist.

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