Bauernproteste
Sauer wegen der Milch

Die deutschen Landwirte sorgen sich wegen zu niedriger Milchpreise um ihre Existenz. Der Handel solle endlich faire Preise zahlen, fordert der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner. Schützenhilfe bekommen die Landwirte jetzt vom Münchner Ifo-Institut und auch von Bundesagrarminister Horst Seehofer.

HB BERLIN. „Es wird höchste Zeit, dass der Handel endlich umdenkt und den Bauern faire Preise zahlt“, verlangte Sonnleitner in einem Gastbeitrag für „Bild am Sonntag“. Sonnleitner forderte zugleich die Molkereien auf, „sofort aufs Neue harte Preisverhandlungen mit dem Handel zu führen“. Der Bauernpräsident unterstützte die Forderung der Milchbauern nach einem Preis von mehr als 40 Cent pro Liter. Der Handel habe jüngst den Preis um 20 Prozent gesenkt und damit seine Marktmacht gegenüber den Milchbauern missbraucht. „Sie bekommen für den Liter Milch nur noch 33 Cent. Diese Werte- und Existenzvernichtung lassen wir uns nicht länger gefallen“, schrieb der Bauernpräsident. Melken sei harte Arbeit, die in den vergangenen Jahren nicht mehr Kosten deckend bezahlt worden sei.

In dem Konflikt setzt Sonnleitner auf die Unterstützung durch die Verbraucher: Ein fairer Milchpreis koste eine vierköpfige Familie im Schnitt 3,20 Euro mehr pro Monat; dafür seien eine sichere Milchversorgung und stabilere Preise gewährleistet. Sonnleitner zeigte Verständnis für die Protestaktionen. „Ich verstehe die vielen Milchbauern, die in diesem Kampf als Unternehmer zum äußersten Mittel greifen – dem Lieferstopp.“ Allerdings gelte für ihn auch: Respekt müsse auch den Milchbauern gelten, die solidarisch und trotzdem liefertreu seien. Ein Ende des Boykotts ist unterdessen nicht in Sicht, am Freitag weiteten die Milchbauern ihre Proteste erneut aus. Der Einzelhandel meldete aber weiterhin volle Lager.

Angesichts des Milch-Lieferboykotts hat das Münchner ifo-Institut bessere Absicherungen der deutschen Milchbauern gegen extreme Preisschwankungen vorgeschlagen. „Man muss hier neue Instrumente entwickeln, sei es von berufsständischer Seite, sei es mit Unterstützung der Agrarpolitik“, sagte Ifo-Agrarexperte Manfred Schöpe der „Passauer Neuen Presse“ zufolge. Er sprach sich dafür aus, Versicherungs- und Fondslösungen zu prüfen: „International gesehen gibt es dafür genug Vorbilder im landwirtschaftlichen Sektor.“

Mehr und mehr gebe es im Milchbereich Phasen mit Verlusten für die Erzeuger und Phasen mit Gewinnen: „Das ist für uns ein Novum“, wurde er zitiert. Schöpe äußerte Verständnis für die Aktionen der Landwirte. „Die Milchbauern sind in einer schwierigen Situation. Ihre Produktionskosten sind um rund sechs Cent pro Liter gegenüber dem Vorjahr gestiegen“, sagte er.

Die Entwicklungen auf den Weltmärkten würden sich nun stärker auf die Märkte in der EU auswirken. Schon kurzfristige Nachfrageveränderungen könnten die Preise nach oben treiben. Zudem seien Molkereien gegenüber Discountern zu schwach aufgestellt.

Im Streit über die Milchpreise forderte Bundesagrarminister Horst Seehofer die Wirtschaft unterdessen auf, Verhandlungen mit den Bauern aufzunehmen. „Ich appelliere an die Milchwirtschaft, jetzt in ein Gespräch über die Milchpreise mit den Landwirten einzutreten, damit der Streik nicht eskaliert und schnell beendet wird“, teilte er am Freitag mit. Es seit nicht einzusehen, „dass die Milchwirtschaft für Ersatzlieferungen während des Streiks offenbar hohe Preise zahlt (sogar über 40 Cent), diese aber den Milchbauern bisher verweigert hat“, betonte der CSU-Politiker.

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