Baugewerbe ist empört
IG-Bau-Chef startet Verbal-Attacke

Gewerkschaftsfeindlichen Arbeitgebern hat der wiedergewählte IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel harte Kampfmaßnahmen angedroht. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe ist empört.

HB BERLIN. „Unternehmer, die Gewerkschaften aus ihrem Betrieb heraushalten wollen und keine Betriebsratswahl zulassen, sind unsere Feinde“, sagte Wiesehügel nach Angaben der IG Bau am Mittwoch bei deren Gewerkschaftstag in Bonn. „Und Feinde muss man bekämpfen bis hin zur Vernichtung“, fügte Wiesehügel hinzu. Noch in diesem Jahr werde eine zentral geführte „schnelle Eingreiftruppe“ aufgebaut, die auch gegen Betriebe eingesetzt werden solle, die sich nicht an die Spielregeln eines fairen Wettbewerbs hielten und ihre Arbeitnehmer unmenschlich behandelten. Seine Gewerkschaft werde jedenfalls entschlossen gegen arbeitnehmerfeindliche Firmen und „Krisenschmarotzer“ kämpfen, kündigte Wiesehügel an. Er wolle den Respekt zurückzuholen, den seine Kollegen verdienen würden.

Die arbeitskampfähnlichen Aktionen sollten Unternehmen treffen, die Beschäftigten beim Eintritt in eine Gewerkschaft mit Kündigung drohen oder die Wahl eines Betriebsrates verhindern. „Wir werden den Betrieb bekämpfen bis wir drin sind oder er vom Markt ist“, sagte der IG-Bau-Vorsitzende. Die etwa zehnköpfige Eingreiftruppe solle nicht nur auf Baustellen, sondern in allen Branchen eingesetzt werden, wo dies nötig sei. „Wem die Fantasie nicht ausreicht, der soll sich das Wirken mancher amerikanischen Gewerkschaft anschauen.“ Weitere Details nannte er unter Hinweis auf mögliche Strafprozesse nicht.

Mit der Formel „Sozial ist, was Arbeit schafft“ glaubten immer mehr Arbeitgeber, sich alles erlauben zu können. Schindluder mit der Angst der Menschen sei momentan die einzige Wachstumsbranche, erklärte der Gewerkschfter. Von einer neuen Bundesregierung erwarte die IG Bau vor allem die Schaffung von angemessen bezahlten und sozialversicherten Arbeitsplätzen sowie die Sicherung des Sozialstaates.

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) reagierte empört auf Wiesehügels Äußerungen. „Wir fordern den IG-Bau-Vorsitzenden auf, endlich seine undifferenzierte Unternehmerbeschimpfung einzustellen, die Spreu vom Weizen zu trennen und nicht alle Unternehmer in einen Sack zu stecken und drauf zu hauen“, sagte ZDB-Vizepräsident Frank Dupré am Mittwoch in Berlin. Die Gewerkschaft solle ihre Kritik auf die schwarzen Schafe beschränken, die Gesetze und allgemein verbindliche Tarifverträge nicht einhielten. „Wir sind insbesondere über die Ankündigung von neuen Wild-West-Methoden auf den deutschen Baustellen empört. Illegalität kann und darf nicht mit Illegalität bekämpft werden“, so Dupré weiter. Wenn die IG Bau wirklich mit Eingreiftruppen den Baumarkt bereinigen wolle, beschwöre sie das Ende der Sozialpartnerschaft herauf.

Wiesehügel war auf dem Gewerkschaftstag am Dienstag mit überwältigender Mehrheit in seinem Amt bestätigt worden. Er strebt nach eigenen Worten an, die IG Bau von einer „Dienstleistungsgewerkschaft zur Mitmachgewerkschaft“ umzugestalten.

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