Bauindustrie bereit zu drastischer Subventionskürzung
Eigenheimzulage gegen Steuerentlastung

Die Bauindustrie will sich bei einer grundlegenden Reform der Einkommenbesteuerung einer drastischen Kürzung von Subventionen einschließlich der Eigenheimzulage nicht widersetzen. „Wir müssen feststellen, dass viele Unternehmen inzwischen die Grundsatzfrage stellen, ob sie überhaupt noch in Deutschland investieren sollen“, sagt Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) dem Handelsblatt.

agr BONN. Jedes vierte Unternehmen denke inzwischen über eine Standortverlegung nach. „Die Bauindustrie ist aber davon abhängig, dass hier zu Lande investiert wird“, sagt Knipper.

Ein einfaches und transparentes Steuersystem sei ein Kernbaustein für den dringend nötigen politischen Aufbruch. Im Gegenzug sei die Bauindustrie bereit, über alle Subventionen zu reden, insbesondere die Kürzung der Eigenheimförderung. Knipper macht sich vor allem für die Steuerreformvorschläge des CDU-Politikers Friedrich Merz stark, das eine radikale Senkung des Steuersatzes vorsieht. Das Merz- Konzept sorge dafür, dass vor allem mittelständische Unternehmen wieder Vertrauen in den Standort fassten. Dies sei mit den geplanten Steuerentlastungen der Bundesregierung nicht zu machen.

Vor allem der Wirtschaftsbau leide unter der Investitionszurückhaltung. Bis einschließlich August sei der Umsatz im Wirtschaftsbau um knapp 10 % eingebrochen, sagte Knipper. Der Auftragseingang gab sogar um über 15 % nach.

Für das Gesamtjahr erwartet der HDB ein Umsatzminus von 6 %. Mit einer Trendwende sei nicht vor 2005 zu rechnen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet dagegen bereits im zweiten Halbjahr 2004 mit einer Belebung des Wirtschaftsbaus.

„Vergessen Sie fast alles, was sie zur Zeit über die Baukonjunktur hören“, sagte dagegen Jens Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS). Wenn von Baukrise die Rede sei, stehe meist nur der Neubau im Blickpunkt. Der spiele aber für die Ausbauwirtschaft wie die Sanitärbranche nur noch eine untergeordnete Rolle. Der Grund: Unsanierte Wohnungen mit schlechtem Zuschnitt oder in einfachen Lagen sind immer schwerer zu vermieten. Die Branche erzielt inzwischen 70 bis 80 % ihres Umsatzes mit der Modernisierung.

Nach einem Umsatzminus von 6 % in 2003 erwartet die Sanitärwirtschaft bereits 2004 die Trendwende mit einem Umsatzplus von 1,5 % auf 14,3 Mrd. Euro. 2003 liegen die gesamten Investitionen in die Wohnungsmodernisierung laut DIW mit 90 Mrd. Euro fast doppelt so hoch wie in den Neubau mit 51 Mrd. Euro.

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