Bayerisches Schreckgespenst
Messlatte für die CSU hängt sehr hoch

Drei Wochen vor der Landtagswahl am 21. September wird plötzlich über eine Zwei-Drittel-Mehrheit für die CSU im Münchner Maximilianeum spekuliert. Die düstere Vision einer unkontrollierten CSU-Regentschaft würde CSU-Chef Edmund Stoiber aber eher schaden als nutzen.

HB/dpa MÜNCHEN. Ein Schreckgespenst geht um in Bayern: Drei Wochen vor der Landtagswahl am 21. September wird plötzlich landauf, landab über eine Zwei-Drittel-Mehrheit für die CSU im Münchner Maximilianeum spekuliert. Die Opposition im Freistaat malt die düstere Vision einer praktisch unkontrollierten CSU-Regentschaft an die Wand. Doch für CSU-Chef Edmund Stoiber ist übergroße Siegeszuversicht Gift, da die Wahlkämpfer an der Basis ohnehin Erschlaffungstendenzen zeigen. Die Christsozialen vermuten eine böse Kampagne und versuchen, die Debatte mit verbalen Frontalangriffen zu stoppen.

Eine Zwei-Drittel-Mehrheit in einem Parlament ist in der Geschichte der Bundesrepublik noch keiner Partei gelungen. Offiziell hat sich Stoiber ein für bayerische Verhältnisse eher bescheidenes Ziel gesetzt: Mehr als die 52,9 Prozent der Landtagswahl 1998, sagte der Ministerpräsident der „Passauer Neuen Presse“.

Wie in München verlautete, ist die heimliche Zielmarke höher: Stoiber würde gern sein Bundestagswahlergebnis in Bayern von 58,6 Prozent übertreffen. Mancher sagt dem Bayern-Regenten sogar nach, dass er mit 60 Prozent tatsächlich liebäugelt. Die jüngste veröffentlichte Meinungsumfrage sah die CSU vor zwei Wochen bei 61 Prozent, die SPD bei 21 Prozent.

Bliebe Stoiber allzu weit unter seinem Bundestagswahlergebnis, würde ihm das als Niederlage angekreidet. Den bundespolitischen Ansprüchen Stoibers würden vergleichsweise magere 52, 53 oder 54 Prozent einen Dämpfer versetzen - auch wenn ein solches Ergebnis für den Ministerpräsidenten jedes anderen Bundeslandes ein Triumph sondergleichen wäre. Die Last von 40 Jahren CSU-Alleinherrschaft: Die Messlatte hängt viel höher als anderswo.

Angesichts des praktisch garantierten Wahlsiegs am 21. September lässt die CSU die Mobilisierung der Basis eher gemütlich angehen. Das hat auch die Opposition gemerkt: „Ich sehe nur ganz selten CSU- Infostände“, sagt Sepp Dürr, Grünen-Fraktionschef im Bayerischen Landtag. CSU-Generalsekretär Thomas Goppel, dessen derzeitige Hauptaufgabe die Motivierung der müden Wahlkampf-Truppen ist, wiegelt kräftig ab: Eine Zwei-Drittel-Mehrheit sei „völlig absurd“. „SPD und Grüne sollten sich schämen“, zürnte der CSU-General. Stoiber selbst zeigte sich in der „Passauer Neuen Presse“ ebenfalls ungnädig: „Man versucht, hier billig Stimmung gegen die CSU zu machen.“

CSU-Landtagsfraktionschef Alois Glück fragte nach dem „wahren Auftraggeber“ der Umfrage, die eine große Mehrheit der Bayern als Gegner einer Zwei-Drittel-Mehrheit identifizierte. Sogar 56 Prozent der CSU-Wähler seien gegen eine solche Übermacht der Christsozialen, fanden die Institute Forsa sowie Freising & Partner heraus. Suggestivfragen deuteten auf eine „verdeckte Kampagne“, klagte Glück. „Es entsteht der Eindruck gewollter Manipulation.“

Die bayerische Opposition hingegen sieht das naturgemäß anders. „Es passt sehr gut ins Bild, dass die CSU diese Zahlen nicht gerne hört“, sagte Dürr.

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