Bayern
CSU-Parteitag: Pfiffe für Stoiber

Der CSU-Parteitag am Samstag soll ein Signal der Einigkeit geben. Doch die Gräben nach der herben Wahlniederlage sind immer noch tief. Gleich zur Eröffnung nutzen die Delegierten die Gelegenheit, ihren Unmut über die Parteiführung auszudrücken. Der Höhepunkt sind Pfiffe für den ehemaligen Parteivorsitzenden.

MÜNCHEN. Da steht er, am Samstagmorgen, eine dreiviertel Stunde vor dem Beginn des Parteitags und plaudert, als ob er sich nichts Schöneres vorstellen könnte. Kameras und Mikrofone überall. Seehofer spricht über seine Gefühlslage, über Bayern, über die CSU. Es sind freundliche Fragen für einen freundlich lächelnden Politiker. Und dann die Frage: Ist es ihre erste Niederlage, dass BayernLB-Vorstand Michael Kemmer im Amt bleiben darf?

Seehofer zögert keine Minute. Genauso ruhig wie der die Frage nach seiner Gemütslage beantwortet, sagt er jetzt: "Die schönsten Strategien sind die, deren Sinn man erst in ein paar Monaten erkennt. Ich akzeptiere, wie es jetzt gelaufen ist. Aber ich werde auf das Thema zurückkommen." Dann macht er eine kurze Pause und fügt hinzu: "Beim Schachspiel ist es am Schönste, wenn der Gegner erst nach dem fünften, sechsten Zug bemerkt, was der erste Zug sollte." Er habe früher gern Schach gespielt, sagt Seehofer noch und wandert zum nächsten Interview.

Bayern-LB-Chef Michael Kemmer, anders kann man das kaum interpretieren, muss weiter um seinen Job bangen. Am Freitagabend hatte sich die CSU-Spitze mit ihrer Forderung, Kemmer müsse gehen, nicht durchsetzen können. Die Sparkassen, denen die Bank zur Hälfte gehört, hatten erbitterten Widerstand gegen die Ablösung geleistet. Seehofer hatte die amtierende Staatsregierung, allen voran Finanzminister Erwin Huber, indirekt aufgefordert für die Ablösung Kemmers zu sorgen. Nachdem das 6,4 Milliarden Loch bei der Bayern-LB bekannt geworden war, hatte Seehofer der amtierenden Regierung nahe gelegt, "mit den Verantwortlichen der Landesbank über ihre persönliche Verantwortung zu reden". Das war Dienstag. Am Freitag hieß es: der Vorstand bleibt im Amt. Die erste Niederlage für Seehofer, titeln die Münchner Zeitungen. Jedenfalls ein 1:0 für den Bankvorstand. Doch das Spiel ist nicht zuende, sagt Seehofer jetzt.

Stattdessen gab es ein Entschuldigungsschreiben. In der Vorstandssitzung der CSU am Freitagabend liest Seehofer aus daraus vor. In einer "gemeinsamen Erklärung der Anteilseigner, des Verwaltungsrates und des Vorstandes der BayernLB" bekennt sich der Verwaltungsrat-Vize der BayernLB Siegfried Naser zu seiner "Mitverantwortung" für die bei der Bank "entstandenen Fehlentwicklungen und Probleme in den acht Jahren" an der Spitze des Verwaltungsrats. Auch für die mangelhaften Informationen der vergangenen Woche entschuldigen sie sich.

Das Thema schwingt mit, beim Parteitag der CSU, der Seehofer heute zum Vorsitzenden wählen soll. Selbst der Pfarrer kommt auf das Thema zu sprechen. "Da sind immer gleich die Banker schuld. Die Frage der eigenen Verantwortlichkeit bleibt auf der Strecke", sagt der Geistliche und prangert eine Gesellschaft an, die auf Pump lebt.

Der Parteitag soll ein Signal der Einigkeit geben. Doch wie tief die Gräben nach der herben Wahlniederlage noch sind, zeigt schon die Reaktion der Delegierten auf die Grußworte der noch amtierenden Generalsekretärin Christine Haderthauer. Sie grüßt Noch-Parteichef Erwin Huber. Das CSU-Volk klatscht lahm. Sie grüsst Günther Beckstein, den Ministerpräsidenten, der jetzt für Seehofer weichen muss. Applaus brandet auf, er dauert an, vor allem Becksteins Landsleute, die Franken klatschen. Seehofer, danach begrüßt, bekommt dann pflichtgemäß noch ein bisschen mehr ab.

Dann grüsst Haderthauer den Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber. Der bekommt Pfiffe.

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