Bayern-Präsident unter Druck: „Eine Freiheitsstrafe für Hoeneß ist zwingend“

Bayern-Präsident unter Druck
„Eine Freiheitsstrafe für Hoeneß ist zwingend“

SPD, Linke und Kirchenvertreter fordern Konsequenzen für Uli Hoeneß. Er soll seine Bayern-Ämter abgeben. Die Steuergewerkschaft geht noch weiter - und hält eine Freiheitsstrafe für Hoeneß für zwingend.

BerlinNach dem Eingeständnis des Präsidenten des FC Bayern, Uli Hoeneß, weitaus mehr Steuern hinterzogen zu haben als bisher bekannt, fordern Politiker von SPD, Linken und die Deutsche Steuergewerkschaft Konsequenzen. Nach Einschätzung des Gewerkschaftschefs Thomas Eigenthaler führt in dem Fall kein Weg an einer Haftstrafe vorbei. Das Thema „Selbstanzeige“ spiele bei Hoeneß keine Rolle mehr, da die Anfang 2013 beim Finanzamt vorgelegte Nacherklärung offensichtlich von Anfang an völlig unbrauchbar gewesen sei.

„Wer ein Jahr später über fünfmal sowohl so viel nachmeldet wie jetzt in der Anklageschrift enthalten sei, stellt damit unter Beweis, dass die Selbstanzeige von Anfang absolut unvollständig und damit unwirksam war“, sagte Eigenthaler Handelsblatt Online. Eine Freiheitsstrafe sei nun zwingend.

Er habe wegen des „gigantischen Betrages“ inzwischen höchste Zweifel, ob eine Gefängnisstrafe noch zur Bewährung ausgesetzt werden könne, sagte Eigenthaler weiter. Eine umfangreiche Spendentätigkeit, wie von Hoeneß vorgetragen, könne sein Unrecht nicht aufwiegen, zumal persönliche Spenden ja auch steuerlich abzugsfähig seien und damit von der Allgemeinheit mitfinanziert würden.

Ob sich der FC Bayern München einen solchen Menschen als Präsident leisten wolle, müssten die Führungsgremien des Vereins wissen, sagte die Vize-Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sahra Wagenknecht, Handelsblatt Online. „Ich persönlich finde nicht, dass Menschen für Führungspositionen geeignet sind, die versucht haben, der Allgemeinheit riesige Geldbeträge zu rauben“,

Deutlicher äußerte sich die Bundesvorsitzende der Jusos in der SPD, Johanna Uekermann. „Hoeneß muss vom Amt des FCB-Präsidenten zurücktreten“, sagte Uekermann Handelsblatt Online. Zudem müsse jetzt mit der „Verharmlosung und dem Gerede von Fehlverhalten“ endlich Schluss sein. Plötzlich sei die Rede von 18,5 statt 3,5 Millionen Euro Steuerschuld. „Steuerhinterziehung ist kriminell und muss bestraft werden“, unterstrich die SPD-Politikerin und fügte hinzu: „Bei dieser Summe dürfen keine strafmildernden Umstände zugelassen werden.”

Wagenknecht sagte, ob Hoeneß ohne Gefängnisstrafe davonkomme, werde das Gericht entscheiden. „Unbestritten ist aber, dass die aktuelle Gesetzeslage mit Anspruch auf faktische Straffreiheit bei Steuerhinterziehung durch Selbstanzeige ein Skandal ist“, sagte die Linke-Politikerin.

„Während keine Schwarzfahrerin von einem solchen Sonderrecht Gebrauch machen kann, profitiert davon eine kleine Schicht wohlhabender und bereits privilegierter Personen, selbst wenn sie durch ihre schwere Straftat der Allgemeinheit Millionen geraubt haben.“

Zum Auftakt des Steuerbetrugsprozesses vor dem Landgericht München nannte einer der Hoeneß-Anwälte die Summe von insgesamt 18,5 Millionen Euro, die Anklage war von 3,5 Millionen Steuerschuld ausgegangen. Die Staatsanwaltschaft wirft Hoeneß auch vor, zu Unrecht Verluste aus Geldgeschäften geltend gemacht zu haben, um seine Steuerschuld zu reduzieren.

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„Schwerkriminalität zu Lasten des Gemeinwesens“

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