Bayern
Zwei Dorfrocker und ein sterbender Mythos

50 minus X: Bei der Landtagswahl am Sonntag droht dem CSU-Duo Günther Beckstein und Erwin Huber ein Desaster. Immer mehr Parteifreunde würde das sogar freuen.
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MÜNCHEN. Zwei Stunden haben die CSU-Fans im Regen auf dem Augsburger Rathausplatz ausgeharrt. Endlich spielen die "Dorfrocker" zum großen Finale auf. Es erklingt die Partei-Hymne "Stolz auf Bayern". Ministerpräsident Günther Beckstein und CSU-Chef Erwin Huber lassen weißblaue Luftballons steigen. Sie haben sich untergehakt und lächeln tapfer in die Kameras.

Kaum 100 Zuschauer sind es, die diese Szene im Wahlkampfendspurt erleben. Edmund Stoiber hätte um Mitternacht mehr Leute ins Nebenzimmer eines Landgasthofes gelockt. 4000 Zuhörer pilgerten kürzlich nach Freising, um ihn zu sehen. Sie wollen noch einmal die alte, die mächtige und kraftvolle CSU erleben. Und der Ex-Ministerpräsident ließ sich nicht lumpen: Als "Ehrenspielführer" werde er sich zurückmelden und noch so manchen "Einwurf" machen. Stoiber drohte seinen Erben, und die Massen jubelten ihm zu.

Bei der Landtagswahl am Sonntag geht es für die CSU um ihren Mythos - und damit um alles oder nichts. Den Stolz der Bayern müsse die neue CSU-Führung verkörpern, hatte Stoiber gemahnt. Doch die verbalen Dorfrocker Beckstein und Huber verkörpern nicht einmal mehr den Stolz der Franken und Niederbayern. Die Putschisten von Kreuth, wo sie Anfang 2007 Stoiber kippten, sollten die CSU wieder bodenständig und menschlich machen. Doch stattdessen machten sie die CSU nur provinziell. Schon allein optisch: Im Wahlkampf ließ sich Huber beim großen ZDF-Interview auf einem Strohballen befragen.

Provinziell sind zwar auch viele CSU-Wähler. Gerade deshalb wünschen sie sich aber eine weltläufige Führung. Franz Josef Strauß traf Mao und Gorbatschow. Stoiber zählt Putin und Sarkozy zu seinen Freunden. Die "beiden Kurzen", wie Beckstein und Huber intern gern genannt werden, kennten nicht einmal deren Telefonnummern, spotten sie in der CSU.

Schon beim CSU-Parteitag im Juli war der Respektverlust zu besichtigen. Huber hatte gerade Becksteins Frau Marga begrüßt, als dieser ihm das Mikrofon entwand und ebenso euphorisch Hubers Frau Helma willkommen hieß. Das sei ausnahmsweise nicht abgesprochen gewesen, tönte Huber: "Aber Sie sehen, wir verstehen uns blind." Da entfuhr es einem CSU-Landesminister: "Oh je, zwei Blinde auf dem Tandem".

Inzwischen wirbt gar die Opposition mit Beckstein und Huber für die eigene Sache. Auf einem Wahlplakat der Grünen sind ihre CSU-Konterfeis abgebildet. Slogan: "Geht mit Gott, aber geht."

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