Bayerns Finanzminister
Söder fordert Ende der EZB-Niedrigzinspolitik

Bayerns Finanzminister Söder fordert stabile Preise von der Europäischen Zentralbank. Er warnt davor, dass die aktuelle Geldpolitik eine Blasenbildung an Aktien- und Rohstoffmärkten fördern könnte.
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BerlinBayerns Finanzminister Markus Söder fordert ein Ende der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese helfe zwar kurzfristig den Euro-Krisenstaaten, stellte der CSU-Politiker in einem am Samstag vorab veröffentlichten Gastbeitrag für das Nachrichtenmagazin „Focus“ fest. „Doch die langfristigen Folgen sind gravierend. Die Rechnung bezahlt der deutsche Sparer“, schlussfolgerte Söder und verlangte daher: „Die schleichende Enteignung der Sparer darf nicht länger hingenommen werden.“

Der Leitzins der EZB liegt mit 0,25 Prozent so tief wie nie. Die Zentralbank hat sogar darüber diskutiert, erstmals in ihrer Geschichte einen Negativzins einzuführen. Banken, die Geld bei ihr parken, würden dafür nicht den üblichen Zins bekommen, sondern gleichsam zu einer Strafzahlung verdonnert. Die Hoffnung dahinter ist, dass die Institute das Geld stattdessen an Unternehmen verleihen und so die Wirtschaft in den Krisenländern wieder in Schwung kommt.

Söder bezeichnete die Debatte dagegen als „Alarmzeichen“. „Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank kann zu einem der größten finanzpolitischen Probleme im Euro-Raum werden“, warnte er. Die aktuelle Geldpolitik führe dazu, dass Reformen in Europa verschleppt werden, und berge die Gefahr einer Blasenbildung an Aktien- und Rohstoffmärkten. „Als Folge droht eine neue Finanzkrise, wenn die Zinsen anziehen.“

Der Minister rief die EZB dazu auf, sich auf ihr eigentliches Ziel zu besinnen, nämlich für stabile Preise zu sorgen. „Die EZB sollte nach dem Vorbild der Bundesbank eine Art 'Euro-Bundesbank' sein. Aber sie entwickelt sich zunehmend zu einer Art Internationaler Währungsfonds (IWF) für Europa“, kritisierte der CSU-Politiker. Seinem Willen nach sollte die Bundesbank de facto eine Sperrminorität im EZB-Rat erhalten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bayerns Finanzminister: Söder fordert Ende der EZB-Niedrigzinspolitik"

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  • Tolle Idee der Redaktion!

    Diese Kritik bezieht sich nicht auf diesen Beitrag, sondern auf die Beiträge zuvor.

    Dieser Beitrag ist der erste Beitrag, bei dem wieder Kritik zugelassen wird. So kann man auch Zensur ausüber!

    Die Redaktion möge ihre strategie überdenken.

  • Draghi ist ein willkommener Sündenbock für die Fehler der Politik. Die Schuld an dem momentanen Desaster trägt nicht die EZB, sondern die Euro-Retter. Die EZB bemüht sich darum, das Euro-Kartenhaus vor dem Zusammensturz zu bewahren. Sie hat keine andere Wahl.

  • Niedrigzins nur für solvente Länder.Der italienische oder spanische Sparer,wird von der jetzigen Niedrigstzinsphase später wenig spüren,wenn er seine Kapitallebensversicherung oder Pensionskasse ausgezahlt bekommt.Das liegt am Spread,dem Aufschlag,den jedes Land entsprechend seiner Bonität am Kapitalmarkt zahlen muss.Da deren Insitute vor allem in heimische Anleihen investieren,bleibt diesen Anlegern diese Niedrigzinsphase auch in der Zukunft erspart.Das Medianvermögen südländischer Sparer wird deshalb weiter steigen,das ist simple Zinseszinsrechnung.

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