BDA-Experte nennt Vorschlag in Leitantrag „nicht nachvollziehbar“
Kombi-Rente der CDU verstört Arbeitgeber und Alterskassen

Noch tobt der unionsinterne Streit über die Gesundheitspolitik mit voller Härte, da gerät die CDU-Spitze auch in der Rentenpolitik unter Druck. Arbeitgeber und Alterskassen üben massive Kritik an der vom Bundesvorstand geplanten „Kombi-Rente“, die Arbeitnehmern den vorzeitigen Rentenbezug mit 60 bei gleichzeitiger Teil- oder Vollzeitbeschäftigung ermöglichen soll.

BERLIN. „Das wäre ein falsches Signal“, sagte Volker Hansen, der Rentenexperte der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), dem Handelsblatt. Nach Einschätzung von Franz Ruland, dem Direktor des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR), könnte die Regelung „unmittelbar weitere Beitragssatzsteigerungen auslösen“.

Offenbar ohne vorherige Konsultation mit den Fachleuten in der Bundestagsfraktion hat der CDU-Vorstand in den Leitantrag für den Parteitag im Dezember unter der Überschrift „Erwerbstätigkeit älterer Arbeitnehmer für Unternehmen attraktiv machen“ einen weitreichenden Passus aufgenommen. Zwar wird dort die Frühverrentungspraxis der Vergangenheit als „völlig falscher Weg“ bezeichnet. Zugleich wird aber vorgeschlagen, dass die Beschäftigung von über 60-Jährigen befördert werden soll, indem die Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen für diesen Personenkreis von den Beiträgen zur Rentenversicherung befreit werden. Dies würde die Betriebe 9,75 Prozent Sozialabgaben sparen. Bedingung dafür wäre, dass die Arbeitnehmer schon mit Vollendung des 60. Lebensjahres ihre Rente beziehen und trotzdem weiter arbeiten.

Der Vorstoß stehe „in offenem Widerspruch“ zu dem dringend erforderlichen Stopp der Frühverrentung, monierte VDR-Chef Ruland. Die Einnahmebasis der gesetzlichen Alterskassen werde so „zumindest kurz- und mittelfristig“ deutlich geschwächt: Zwar müssten die Frührentner in dem CDU-Modell nämlich einen „versicherungsmathematisch korrekten“ Abschlag in Kauf nehmen. Derzeit vermindern sich die gesetzlichen Altersbezüge für jedes Jahr vor dem 65. Geburtstag um 3,6 Prozent. Doch entstünden den Alterskassen bei einer Frühverrentungswelle nach Einschätzung des BDA-Experten Hansen „hohe Vorfinanzierungskosten“. Während die Beiträge nämlich sofort versiegen und die Leistungen unmittelbar fällig werden, dämpft der Abschlag erst langfristig die Belastung des Systems. Der VDR warnt daher vor drohenden Beitragssteigerungen.

Seite 1:

Kombi-Rente der CDU verstört Arbeitgeber und Alterskassen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%