BDI-Chef
Grillo warnt vor Abwanderung von Industriebetrieben

Immer mehr Unternehmen beantragen Rabatte bei der Ökostrom-Umlage. Das muss sein, argumentiert die deutsche Industrie. Sonst gebe es im internationalen Wettbewerb schwere Nachteile.
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DüsseldorfBDI-Präsident Ulrich Grillo hat vor der Abwanderung von Industriebetrieben aus Deutschland wegen zu hoher Strompreise gewarnt. „Wenn unsere Energiepreise dauerhaft viel höher liegen als bei unseren Wettbewerbern, kriegt Deutschland ein Riesenproblem“, sagte Grillo der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Es gehe um hundertausende Jobs.

„Allein die energieintensive Industrie beschäftigt über 900.000 Menschen. Diese Industrie wird mittelfristig abwandern müssen, wenn sie hier dauerhaft keine wettbewerbsfähigen Energiepreise vorfindet“, warnte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Das passiere schleichend, still und leise.

Der BDI-Chef verteidigte die Ausnahmen bei der Ökostrom-Umlage für energieintensive Betriebe, die im internationalen Wettbewerb stehen. „Wenn man der energieintensiven Industrie die Rabatte wegnimmt, zieht man ihr den Stecker“, sagte Grillo. Er betonte, über 99 Prozent der Industrieunternehmen zahlten die EEG-Umlage in voller Höhe.

Bis 1. Juli haben 2367 Unternehmen einen Nachlass bei den Förderkosten für den Ausbau erneuerbarer Energien beantragt, geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor. Dazu gehören unter anderem Zement- und Papierfabriken, Straßenbahnen und Futterhersteller. 2012 waren es 2055 Unternehmen, 2011 erst 813.

Die Grünen sehen eine kritische Grenze erreicht. „Die Firmenentlastungen beim Ausbau der Erneuerbaren summieren sich in diesem Jahr auf rund sieben Milliarden Euro“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, den „Ruhr Nachrichten“. Zahlen müssten das insbesondere die privaten Haushalte, weil sich die Gesamtkosten auf weniger Schultern verteilten. Die Energiewende müsse gerechter finanziert werden. „Dazu gehört auch, dass nur Firmen, die wirklich im internationalen Wettbewerb stehen, entlastet werden. Schlachthöfe, Raffinerien und Zementfabriken gehören nicht dazu“, sagte Höhn.


Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " BDI-Chef: Grillo warnt vor Abwanderung von Industriebetrieben"

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  • @Huss Es wäre alles nicht so gravierend wenn die EEG-Kosten die einzigen Abgaben wären. Man hat aber ja schon zuvor den Berufstätigen immer mehr Steuern und Abgaben zugemutet. Jedes Jahr wurde es mehr und mehr, immer mit einer neuen Ausrede, gesenkt wurde eigentlich nie etwas. Mineralölsteuer begann bei 4,5 Pfennig, heute über 90 Cent (180 Pfennig). Arbeitgeberanteile und Lohnsteuern summieren sich schon oft zu über 60%, d.h. vom Arbeitgeber erhält man überhaupt erst 40% des erarbeiteten Geldes, und davon gehen dann noch unzählige weitere Steuern ab. Jetzt kommt noch das EEG obendrauf, und das ist einfach der Tropfen der das Faß zum überlaufen bringt.

  • @ wrobel,
    ihr Beispiel Zementindustrie:
    Welche Konzerne sind denn noch "rein Deutsch"?
    Damit müssen hier die Bürger belastet werden, damit letztlich ausländische Geldgeber/Teilhaber entlastet werden können?!
    Läuft da nicht ganz gewaltig etwas schief???

  • Diesen dämlichen Spruch kennen wir doch bereits aus dem Mund von Hundt. Wuerde gerne mal
    eine Umfrage kennen aus der tatsaechliche Planung für Abwanderung vorgesehen wird und neuen Standort. Hans Olaf Henkel wrd Recht haben wenn er sagt, dieser Mann ist nicht der Richtige für diesen Psten.

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