BDI-Chef Kerber Industrie beklagt „Kakophonie" der Euro-Retter

Der BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber hält in Sachen Euro-Rettung zur Bundesregierung und plädiert für Geschlossenheit und Härte. Im Interview sagt er zudem, warum Ulrich Grillo ein guter BDI-Präsident wäre.
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BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber kämpft für die Euro-Rettung. Quelle: dpa

BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber kämpft für die Euro-Rettung.

(Foto: dpa)

Herr Kerber, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie Hans-Peter Keitel und die Vizepräsidenten haben Ulrich Grillo für das Amt des BDI-Präsidenten vorgeschlagen. Ein Familienunternehmer an der Spitze des Verbands der Großindustrie - passt das?
Kerber: Sehr gut sogar. Erstens repräsentiert der BDI große und mittlere und insbesondere Familienunternehmen gleichermaßen. Und außerdem hat der Familienunternehmer Grillo gesagt, seine Gene hätten industrielle Prägung, denn er führt die Grillo-Werke in fünfter Generation. Das ist wunderbar nicht nur für den BDI, sondern für das Industrieland Deutschland. Hier hängen mehr als 20 Millionen Menschen davon ab, dass es der Industrie gutgeht.

Aber die Ansage kam doch überraschend. Wäre Herr Keitel nicht gerne Präsident geblieben?
Es ist kein Geheimnis, dass es die einstimmige Bitte gab, Herr Keitel möge verlängern. Er aber hat dargelegt, dass er nach vier Jahren an der Spitze, wie es unsere Satzung vorsieht, nicht erneut für das Amt kandidieren wollte. Er hält den Zeitpunkt für gekommen, die Verantwortung für den BDI in neue Hände zu geben. Alles andere, was dazu geschrieben wurde, ist falsch. Zugleich will er sich mit großer Leidenschaft bis Ende Dezember als Präsident engagieren - insbesondere bei Themen wie Energiewende oder Euro.

Fangen wir mit dem Euro an. Da scheint es unterschiedliche Interpretationen auch in der Wirtschaft zu geben. Nach dem EU-Gipfel sprechen einige Kritiker vom Umfallen der Kanzlerin...
Das ist Unfug. Es gehört nun einmal zu Verhandlungen, sich zu bewegen. Natürlich dürfte kaum jemandem das grundsätzlich gefallen, was wir in Europa derzeit tun müssen. Wichtig ist: Die Bundesregierung muss ihrer Philosophie treu bleiben - keine Leistung ohne Gegenleistung. Die Geber müssen Hilfszusagen abhängig machen von einer spürbaren und sichtbaren Änderung der Politik in den Empfängerländern. Dazu darf es keine Alternative geben. Finanzzusagen ohne Gegenleistungen in Form von Strukturveränderungen sind ausgeschlossen, Blankoschecks darf es unter keinen Umständen geben. Deshalb dürfen Rekapitalisierungen bei Banken nicht ohne Eigentümerwechsel gestattet sein, sonst funktioniert die Einheit von Haftung und Kontrolle niemals. Was beim Soffin richtig ist, kann doch nicht europäisch falsch sein!

„Das Reformtempo lässt nach“
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8 Kommentare zu "BDI-Chef Kerber: Industrie beklagt „Kakophonie" der Euro-Retter"

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  • Gebe Ihnen vollkommen Recht, Dax ist gestiegen und nichts anderes zählt in der BRD ( Welt). Dann wundern die sich das die Leute keine Kinder mehr wollen.

  • Die dt. Wirtschaft hätte mit sofortigen Investitionszusagen ihre Interessen am wirksamsten geschützt. Zwar wären solche Investitionen von Einzelunternehmen kaum mehr gewesen als der Tropfen auf den heißen Stein, aber die Stimmungslage wäre nicht entglitten. Ein solches unternehmerisches Engagement hätte mit nahezu absoluter Sicherheit zur Überwindung des Produktivitäts- und Wettbewerbsrückstands beigetragen und die hemmende Missstimmung beseitigt. Öffentliche Beihilfen vermögen das nicht zu leisten. Sie versanden wirkungslos. So sehen wir derzeit, wie in Wertpapiere, statt in die Realwirtschaft investiert wird. Wie trotzdem Arbeitsplätze durch diese Fehlallokation generiert werden, wissen nur Bundesregierung und Bundestag.

  • Der BDI hat mit der deutschen Bevölkerung nichts am Hut.

    Denn - die Regierungen und auch die Wirtschaft (DAX und so weiter) HABEN DIE DEUTSCHEN FALLEN GELASSEN !!

    Wir sind für BDI und Regierung so unwichtig wie Unkraut am Strassenrand.

    Man muss sich das mal klar machen: Wer in Deutschland lebt und wohnt interessiert die Regierung und die Wirtschaft überhaupt nicht. Zum Arbeiten braucht man anspuchslose Billig-Lohn-Leute und die DAX-Untenehmen verdienen vor allem im Ausland Geld.

    Die Regierung braucht die Deutschen auch nicht, Hauptsache sie sind still und passen sich an und lassen sich stillschweigend manipulieren. Die Waren für die Deutschen in Supermarkt und Baumärkten werden immer primitiver und billiger. Keine Qualität mehr - nur Massenabfertigung. Das ist der Weg, billige Abfertigung auch mit HARTZ4, egal. Interessiert niemanden mehr da oben.

  • @ agenda2020

    Am Besten ließen sich Geschlossenheit und Härte in einer totalen (EU-) Diktatur verwirklichen. Und so weit weg sind wir davon nicht mehr.

  • Der NAchfolger ... ist der besser ?? !!
    Lobbyisten sprecehn nur eine Sprache

  • Gut daß der Eurofanatiker und Verschleuderer von Geldwertstabilität und Sparguthaben Keitel in der Versenkung verschwindet.

    Hoffentlich auf Nimmerwiedersehen.

    Ich gehe davon aus, daß er sich - trotz der warmen Abschiedsworte - mit seinen Äußerungen zur Eurokrise für den BDI untragbar gemacht hat.

  • Er plädiert für Geschlossenheit und Härte!

  • Die Überschrift zum Artikel scheint mit frei erfunden, der Texter hat den Artikel gar nicht gelesen oder nicht verstanden. Die entsprechende Passage im Interview bezieht sich ganz offensichtlich nicht auf die "Euro-Retter", sondern im Sinne von Selbstkritik auf die Kommunikation zwischen Industrie und Politik, wo Kerber die "Vielstimmigkeit" der Industrie gegenüber der Wirtschaft kritisiert. Keine redaktionelle Glanzleistung...

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