BDI
Industrie fürchtet Rohstoff-Knappheit

Der Industrienation Deutschland könnte künftig ihre Grundlage entzogen werden – nämlich der Zugang zu wichtigen Metallen und anderen Rohstoffen. Die Wirtschaft fordert eine Antwort auf Chinas weltweite Einkaufstour, lehnt aber „strategische Vorräte“ wie bei Öl ab.

BERLIN. Vor der Rohstoffknappheit hat der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) gewarnt, der von der deutschen Regierung eine stärkere Unterstützung fordert. Denn wachsende Handels- und Wettbewerbsverzerrungen auf den Weltrohstoffmärkten machten den Bezug wichtiger Rohstoffe schwieriger und gefährdeten „Tausende Arbeitsplätze“ , warnte Ulrich Grillo, Vorsitzender des BDI-Ausschusses Rohstoffpolitik.

Bereits Ende vergangenen Jahres hatte auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gewarnt, dass die Versorgungslage bei Metallen wie Chrom, Platin, Niob, Molybdän, Zirkon und Tantal „besonders kritisch“ sei. Die in der Öffentlichkeit meist kaum bekannten Stoffe sind entscheidend für die Herstellung von Edelstahl und Produkte der Chemie- und Elektroindustrie. Längst hat deshalb weltweit ein Rennen nicht nur um Öl und Gas, sondern eben auch metallische Rohstoffe eingesetzt.

Schon 2007 hatten Regierung und Wirtschaft angesichts neuer Höchstpreise für Rohstoffe eine gemeinsame Strategie vereinbart – passiert ist seither aber nicht viel. Denn durch die Weltwirtschaftskrise hatte weltweit die Nachfrage nachgelassen – und damit auch der politische Druck. Doch nun ziehen die Preise wieder an, und mit Schrecken vermerken deutsche Firmen, dass andere Staaten wie etwa China in der Krise systematisch daran gearbeitet haben, die langfristige Rohstoffversorgung ihrer Industrien zu sichern, und zwar „mit allen Mitteln“, wie Grillo kritisierte, der auch Vorstandschef der Grillo-Werke AG ist.

So beschränke China den Handel mit Rohstoffen und Halberzeugnissen durch 373 Exportzölle. Weil China die Einfuhr von Metallschrott steuerlich begünstige, sei das Land zum „Staubsauger“ auf den weltweiten Schrottmärkten geworden. Das Metall fehlt nun für die Wiederaufbereitung in Deutschland. Dabei beziehen gerade deutsche Firmen einen erheblichen Teil ihres Metallbedarfs aus dem Recycling.

Mit Sorge wird auch die zunehmende Konzentration unter den weltweiten Rohstoffkonzernen genannt, bei denen deutsche Firmen so gut wie keine Rolle spielen. So teilen sich etwa bei Eisenerz nur noch drei Anbieter den Weltmarkt auf. Chinas Chinalco-Konzern würde gerne beim australischen Rohstoffgiganten Rio Tinto einsteigen. Auch chinesische Nickelunternehmen seien weltweit auf Einkaufstour, vermerkt die Industrie. Und in Bolivien biete China im Gegenzug für ein riesiges Lithiumvorkommen ein Paket aus Krediten, Rüstungsgütern und Schiffen an.

Das Thema einer sicheren Rohstoffversorgung besorgt mittlerweile nicht mehr nur deutsche Unternehmen. Im kommenden Frühjahr will auch die EU ihre Strategie festlegen und arbeitet bereits an einem Entwurf, der im Dezember vorgelegt werden soll. So hat eine Arbeitsgruppe der EU-Kommission vorgeschlagen, eine Liste mit „kritischen Metallen“ festzulegen, um deren Zugang sich die EU-Staaten besonders kümmern sollten.

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