BDI-Klimastudie Das Billionen-Projekt

Fast ein Jahr lang wurde an der Studie gearbeitet, jetzt präsentiert der BDI das Ergebnis: Die Reduktion der Treibhausgase um 80 Prozent bis 2050 erfordert Mehrinvestitionen von 1,5 Billionen Euro. Das Echo ist geteilt.
Update: 18.01.2018 - 11:29 Uhr 6 Kommentare
Soll der Ausstoß von Treibhausgasen, wie geplant, im Verhältnis zu 1990 um 95 Prozent verringert werden, muss tief in die Tasche gegriffen werden. Quelle: dpa
Treibhausgase

Soll der Ausstoß von Treibhausgasen, wie geplant, im Verhältnis zu 1990 um 95 Prozent verringert werden, muss tief in die Tasche gegriffen werden.

(Foto: dpa)

BerlinDas Ergebnis der Bemühungen umfasst 286 Seiten, es soll Richtschnur für die Wirtschaft und Handlungsempfehlung für die Politik sein: Mit der Studie „Klimapfade für Deutschland“, gemeinsam erarbeitet mit Prognos und der Boston Consulting Group (BCG), will der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) für Orientierung in einer zentralen Frage sorgen: Was kostet der Klimaschutz und wie bringt man ihn am effizientesten voran?

Den Berechnungen zufolge erfordert es Mehrinvestitionen von etwa 1,5 Billionen Euro, wenn Deutschland die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80 Prozent reduzieren will. Eine Reduktion um 95 Prozent würde gar mit Mehrinvestitionen von 2,3 Billionen Euro zu Buche schlagen. Während der BDI das 80-Prozent-Ziel als „investiven Kraftakt“ charakterisiert, der aber „gesamtwirtschaftlich darstellbar“ sei, hat der Verband beim 95-Prozent-Ziel erhebliche Vorbehalte. Das 95-Prozent-Ziel sei, so sagte es BDI-Präsident Dieter Kempf bei der Präsentation der Studie, „diplomatisch formuliert überambitioniert“.

Der Spitzenverband bewertet die zentralen Aussagen der Studie positiv: „Die gute Nachricht lautet: Klimaschutz kann volkswirtschaftlich verkraftbar gemacht werden“, sagte Kempf. Viele Industrieunternehmen könnten von ehrgeizigem Klimaschutz sogar profitieren. „Für andere müssen entstehende Risiken tragbar gemacht werden“, sagte Kempf. Das Echo auf die Ergebnisse der Studie ist geteilt. „Wenn sogar der BDI unterstreicht, dass Ökonomie und Ökologie Hand in Hand gehen, verlieren die reaktionären Kräfte bei Union und SPD auch das letzte Argument gegen ehrgeizigen Klimaschutz“, sagte ein Greenpeace-Sprecher.

Vorbehalte sind bei den energieintensiven Industrien herauszuhören. „Die Minderung von Treibhausgasen in Deutschland um 80 Prozent bis 2050 kann nur mit einer kosteneffizienten, innovationsfördernden und technologieoffenen Klimapolitik gelingen. Andernfalls gefährdet der Umbauprozess Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze“, warnte der Verband der Energieintensiven Industrien in Deutschland (EID). Die langfristigen Klimaziele stellten die EID-Branchen Baustoffe, Chemie, Glas, Nichteisenmetalle, Papier und Stahl vor besondere Herausforderungen, da sie durch ihre Vorleistungen für die gesamte industrielle Wertschöpfungskette einen Großteil des nötigen Energieeinsatzes und der Treibhausgasemissionen schulterten. Sie seien bereits heute durch den Emissionshandel und zusätzliche Kosten für die nationale Energiewende stark belastet.

Adrian Willig, Geschäftsführer des Instituts für Wärme und Öltechnik (IWO), kritisierte die von Millionen Eigenheimbesitzern oder auch Pendlern zu tragenden Kosten würden nur unzureichend berücksichtigt. Zudem müssten auch Akzeptanz und Praktikabilität stärker beachtet werden, wie zum Beispiel die Akzeptanz des Windenergie-Ausbaus oder die technische Eignung von Strom-Wärmepumpen in Bestandsbauten. „Realistischer wäre es, im Hinblick auf ein klimaneutrales Deutschland 2050 alternative flüssige Energieträger in den Zukunftsszenarien, gerade auch im Gebäudebereich, noch stärker zu berücksichtigen“, sagte Willig.

Aber es gibt auch vorbehaltlose Zustimmung. „Energiewende und Klimaschutz stellen eine große Chance für unsere Volkswirtschaft dar. Wir brauchen ohnehin massive Investitionen in unsere Infrastruktur. Da kommen also zwei Dinge zusammen, die sich perfekt ergänzen. Gleichzeitig machen wir uns damit weniger abhängig vom Import fossiler Energieträger“, sagte Jürgen Geißinger, Chef des Windkraftanlagenherstellers Senvion, dem Handelsblatt. „Das Beharrungsvermögen mancher Branchen verwundet mich“, sagte Geißinger. Stillstand dürfe nicht belohnt werden. „Jeder muss die neuen Realitäten erkennen und sich verändern. Wir als Windindustrie haben in unserer Branche die Herstellungskosten für Strom halbiert“, sagte er.

Die Bandbreite der Reaktion spiegelt die Betroffenheit einzelne Branchen wider. Es sei „völlig klar“ gewesen, dass man mit der Studie einen breiten Diskurs auslöse, sagte Kempf. Es gebe in der Debatte um den Klimaschutz „stärkere Gewinner, weniger starke Gewinner und vielleicht sogar Verlierer“, sagte Kempf.

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6 Kommentare zu "BDI-Klimastudie: Das Billionen-Projekt"

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  • Hallo Herr Henseler, darf ich fragen...

    Warum möchten Sie den Verbrauch fossiler Brennstoffe abseits religiöser Motive drosseln?


  • Herr Henseler, ...."ich bin für eine starke Erhöhung der Mineralölsteuer.."
    Da bin ich ganz bei Ihnen. Dann werden die Straßen in Deutschland wieder für uns , denen der Mineralölpreis völlig wurscht ist, zum reinen Fahrvergnügen, -genauso wie vor 50 Jahren. Ich bin für einen Benzinpreis von 5 €, nicht 5 DM!

  • Eine Reduktion der Treibhausgase waere durch Wiedereinfuehrung bzw Verzicht auf Abbau
    der Kernenergie sicher zu erreichen. Dabei wuerden Kostensparungen erzielt, die in erneuer-bare Energien investiert werden koennten. Ausserdem ist es moeglich die Effizienz (Wirkungsgrad) bei vielen energie-intensiven Anwendungen wesentlich zu erhoehen. Heizpro-
    bleme koennen durch bessere Isolierung wesentlich reduziert werden. Und ich bin fuer eine
    starke Erhoehung der Mineraloelsteuer, da viele Autofahrer sinnlos Treibstoff verschwenden.
    Diese Mehreinnahmen machen eine Reduzierung der Einkommen- und Unternehmens-
    steuern moeglich. Ich stimme allen Massnahmen zur Reduzierung des Verbrauchs fossiler Treibstoffe zu. Ich bezweifle allerdings das damit der Erderwaermungszyklus
    wesentlich beeinflussbar ist. Im uebrigen ist eine moegliche Erderwaermung weniger
    schaedlich als ein neuer Kaeltezyklus.

  • Das ist eine Wohlfühlstudie im Sinne des Politiksystems. Mit Subventionen von 1.5 Bio. € kann noch mehr wertloser Zufallsstrom produziert werden und einige BDI Mitgliedsunternehmen können davon profitieren.

    Sachlich gesehen stehen Energieverbrauch und Wohlstand in einem linearen Zusammenhang. Energie wird in erster Linie in Form fossiler Brennstoffe, ÖL, Kohle, Gas (ökoreligiös kritisiertes CO2) bereitgestellt. Daneben wird noch ein wenig Kernenergie genutzt und sehr viel wertloser Zufallsstrom mit Wind und Sonne erzeugt.

    Die CO2 Emissionen lassen sich durch ein Verlagern von Industrieanlagen in Länder mit preiswerter Energie in denen die Ökoreligion weniger populär ist, oder durch ein Absenken des Wohlstands, Verzicht auf Individualverkehr, Beheizung, etc. erreichen, wobei eine Verlagerung der Industrie eine Reduktion des Wohlstands bedingt.

    Eine 80% Reduktion der CO2 Emissionen hiesse einen weitestgehenden Verzicht auf motorisierten Individualverkehr, Raumbeheizung, etc...

    Was spräche dagegen der fiktiven ökoreligiösen Weltuntergangskatastrophe "Klimawandel" mit fiktiven Massnahmen zu begegnen??

  • Mein Gott,...

    nach den ganzen politisierten Instituten kommt dann auch noch Prognos an! Weg mit den ganzen I...

    Wenn man so eine Frage klären wollte, sollte man die namhaften technischen Unis unseren Landes damit beauftragen. Aber wahrscheinlich müssen da erst noch ein paar "genehme" Berufungen erfolgen bevor man so einen Schritt geht.

    Inzwischen gibt es nur noch zwielichtige Institutionen, die angeblich immer im Namen der Aufklärung sprechen... traurig!

  • Ein noch größerer Schaden wäre mit 3 Billionen zu erreichen.

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