BDI
Stoibers verbrauchtester Minister

Der zuletzt stark in die Kritik geratene bayerische Umwelt-, Verbraucherschutz- und Gesundheitsminister Werner Schnappauf wechselt zum BDI: Damit zog Schnappauf, der in seiner Amtszeit eng mit der Wirtschaft zusammengerbeitet hat, die Konsequenzen aus einem erneuten schwäbischen Ekelfleischskandal.

MÜNCHEN. Vielleicht hat es sich Werner Schnappauf ja im Krankenhaus überlegt, die Chance zum Wechsel an die BDI-Spitze zu ergreifen. Im Juli hatte eine schwere Lungenentzündung den bayerischen Umwelt-, Verbraucherschutz- und Gesundheitsminister ans Bett gefesselt. Schnappauf hätte dies am liebsten geheim gehalten: aus Sorge um sein Image als durch nichts und niemanden zu stoppendes Arbeitstier.

Dieses Bild vor Augen, hatte CSU-Ministerpräsident Edmund Stoiber den damals 45 Jahre alten Landrat aus dem oberfränkischen Kronach 1998 als Umweltminister in sein Kabinett geholt. Stoiber erkannte in Schnappauf einen arbeitswütigen Seelenverwandten, in dessen Büro – wie bei ihm selbst – bis spät in die Nacht das Licht brannte. Auf Schnappauf ruhten „große Hoffnungen“, sagte Stoiber bald über seinen Musterschüler.

Der Umweltminister eignete sich schnell die Kunst an, mit höchster Eloquenz nichtssagende TV-Statements abzugeben. Doch in München blieb der Vater von drei Kindern all die Jahre ein Außenseiter. Als Seiteneinsteiger hatte er nicht einmal die Oberfranken in der CSU-Landtagsfraktion, deren Aufstieg er im Wege stand, auf seiner Seite. 2003 wurde Schnappauf mangels Alternative dennoch Vorsitzender des kleinen CSU-Bezirks im Nordosten Bayerns, was einer politischen Lebensversicherung gleichkam: Bezirksfürsten sind in der CSU seit je im Kabinett so gut wie gesetzt.

Nach der Landtagswahl im selben Jahr hätte Schnappauf in Stoibers Staatskanzlei wechseln könne. Er entschied sich aber dafür, auch noch die Zuständigkeit für den Verbraucherschutz zu übernehmen – ein schwerer Fehler. Denn fortan zog der Minister die Skandale an wie ein Staubsauger die Brösel. Allzu häufig war Stoibers Klassenprimus nun mit seinem Latein am Ende. Ob Hochwasser, Vogelgrippe oder Gammelfleisch – mehr als Sprüche und Aktionspläne hatte der promovierte Jurist oft nicht zu bieten.

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