BDI-Warnung
Rohstoff-Engpass könnte Jobkrise verschärfen

Der deutschen Industrie droht im Kampf gegen die Wirtschaftskrise nach Angaben ihres Verbandes ein Engpass bei wichtigen Rohstoffen. Das könnte nicht nur den Beitrag der Industrie zum Wachstum gefährden, sondern auch Tausende Arbeitsplätze.

HB BERLIN. „Wir steuern auf eine Rohstofflücke zu“, warnte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) am Dienstag. Der BDI fordert daher eine „ganzheitliche Rohstoffstrategie“ in Deutschland und Europa. Die Politik müsse ressortübergreifend Handels- und Wettbewerbsverzerrungen bei Rohstoffen begegnen. Insbesondere das aufstrebende China tue sich hier derzeit negativ hervor.

Die Gefahr einer Lücke sieht der Chef des BDI-Ausschusses Rohstoffpolitik, Ulrich Grillo, bei wichtigen Primärrohstoffen wie Kupfer, Zink und Lithium eher mittelfristig. Dagegen habe die deutsche Industrie bei Sekundärrohstoffen wie etwa Schrott schon jetzt zum Teil Versorgungsengpässe. Das gelte etwa für Altautos zur Rückgewinnung von Metallen. Von solchen Fahrzeugen blieben nur weniger als die Hälfte in Deutschland. Über 40 Prozent würden dagegen - ohne Meldung an die Ausfuhrbehörden - exportiert. Die Abwrackprämie für alte Fahrzeuge könnte diese Entwicklung noch verstärkt haben.

Grillo beklagte, es gebe Beschränkungen auf nationaler, europäischer wie globaler Ebene, die den Zugang der Industrie zu Rohstoffen bedrohten. Dabei sei die Rohstoffversorgung ein Schlüsselfaktor für die Entwicklung der deutschen Industrie. Wenn sich etwa auf Deutschlands Straßen immer mehr Elektrofahrzeuge bewegen sollen, wie es angestrebt werde, bedeute das einen noch höheren Metalleinsatz. Bei neuen Elektromotoren steige etwa allein der Anteil von Kupfer von 25 auf 65 Kilogramm.

Vor allem China, das sich mit Deutschland einen Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des Exportweltmeister liefert, versuche sich ganz massiv mit staatlicher Hilfe strategische Rohstoffe exklusiv zu sichern, erklärte der BDI. „Allein China beschränkt den Handel mit Rohstoffen und Halbzeugen durch 373 Exportzölle“, beklagte Grillo. Betroffen seien Metalle, die etwa für die Laser- und Solartechnik oder für Elektromotoren unverzichtbar seien. Aber auch andere aufstrebende Länder, wie Russland und Indien, seien in der Rohstoffpolitik sehr aktiv.

Verhindert werden könne eine Rohstofflücke nur von der Politik. Sie müsse Bremsen bei der Rohstoffverfügbarkeit lösen. Zudem sollten die deutschen und europäischen Kartellbehörden Firmenfusionen „noch mehr mit der Rohstoffbrille“ prüfen.

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