Beck-Affäre
Wenn Politikern der Drogenkonsum vergeben wird

Volker Beck hat nach Vorwürfen des Drogenmissbrauchs seine Ämter niedergelegt. Er ist nicht der erste Politiker, der erwischt wurde. Beispiele aus den USA zeigen, einigen wird vergeben - zum Beispiel Barack Obama.
  • 67

San FranciscoDie Meldung schlug ein wie eine Bombe. Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch den Fund eines verdächtigen Stoffs bei dem 55-jährigen Politiker Volker Beck. Die „Bild“-Zeitung hatte als Erstes über den Vorfall berichtet. Dem Blatt zufolge soll es sich dabei um die synthetische Droge Crystal Meth handeln, die den Ruf hat, noch gefährlicher als Heroin oder Kokain zu sein. Beck äußerte sich nicht näher zu den Vorwürfen, erklärte aber, dass er seine Ämter in der Grünen-Fraktion zur Verfügung stelle.

Schnell verbreitete sich auf Twitter der Hashtag #BreakingBeck - mit Anspielung auf die erfolgreiche US-TV-Serie „Breaking Bad“, in der ein unbescholtener Hochschullehrer durch unvorhersehbare Ereignisse immer tiefer im Sumpf der Drogen versinkt und sich nicht mehr daraus befreien kann.

Vieles deutet darauf hin, dass es sich jetzt um das Ende der politischen Karriere des Grünen-Politikers handelt. Seit über 30 Jahren als Abgeordneter im Bundestag und langjähriger Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Fraktion machte er oft von sich reden und setzte sich vehement für die Rechte von Minderheiten ein, kämpfte gegen Rassismus und Vorurteile. Ob er selbst jetzt noch einmal aus dem Morast der moralischen und sozialen Vorurteile auftauchen wird, ist noch offen. Hebt der Bundestag seine Immunität auf, könnte ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft auf ihn zukommen.

Der Blick in die USA verrät, dass es möglich ist, Drogenvorwürfe politisch zu überleben. Wenn auch nicht immer unbeschadet. Es kommt darauf an, wie die Betroffenen damit umgehen.
Die USA in den 60er und 70er-Jahren: Vietnamkrieg, Flower-Power, San Francisco, freie Liebe und Drogen, Eric Clapton macht den Song „Cocaine“ von JJ Cale weltberühmt. Viele der jungen Männer und Frauen, die damals aufgewachsen sind, bekleiden heute politische Ämter.

Journalisten und politische Gegner wissen, was sich damals in High Schools oder Freiluftkonzerten abgespielt hat. Darum gehört die Frage nach dem Drogengebrauch längst zum Standardrepertoire. Die einen gestehen, die andern nicht, andere werden erwischt. Das Urteil der Wähler ist nicht vorherzusehen.

Trey Radel, republikanischer Kongressabgeordneter aus Florida, schrieb im November 2013 Geschichte. Ihm gebührt die Ehre, als erster gewählter Volksvertreter im US-Kongress während seiner Amtszeit wegen eines Drogenvergehens verurteilt worden zu sein. Damals, als 37-Jähriger, war er Undercover-Agenten in die Falle gegangen, als er versuchte, 3,5 Gramm Kokain für 250 Dollar zu kaufen. Um einen langen Prozess unter den Augen der Öffentlichkeit zu vermeiden, bekannte er sich schuldig und bekam eine Gefängnisstrafe auf Bewährung. Aber politisch war er nicht mehr tragbar.

Ausgerechnet er war einer der schärfsten Befürworter einer Gesetzesinitiative, nach der sich Sozialhilfeempfänger, die Essensmarken vom Staat bekamen, routinemäßig Drogentests unterziehen sollten. Bei einem positiven Ergebnis sollten die Leistungen gekürzt werden.

Die Häme, die ihm, der auch noch alkoholabhängig war, entgegenschlug, war überwältigend. Nach einer Entziehungskur kehrte er in die Politik zurück. Ende Januar 2014 verließ er den Kongress, in dem er zunehmend isoliert war. Es drohte ihm eine Untersuchung der Ethik-Kommission, die ihn wie auch seine Familie und Freunde schwer hätte belasten können. 2015 eröffnete er eine Agentur für Krisenkommunikation.

Seite 1:

Wenn Politikern der Drogenkonsum vergeben wird

Seite 2:

Jeb Bush und Obama gestehen Jugendsünden

Seite 3:

So reagiert das Netz

Kommentare zu " Beck-Affäre: Wenn Politikern der Drogenkonsum vergeben wird"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Liebe Leser. Die Kommentarfunktion ist geschlossen. Leserbriefe und interessante Beiträge zur Debatte nehmen wir gerne unter debatte@handelsblatt.com entgegen. Beste Grüße aus der Redaktion

  • Ich würde mir mal den Macker con Claudia Roth gerne anschauen.

    Würde mich auch nicht wundern, wenn sie über etwas herzieht, wovon sie keine Ahnung hat. Das machen die Grünen am besten. Ansonsten können diese ungelertne Kräfte nicht viel, zumindest in der Politik.

    Ich vermute mal, dass sie keinen Macker hat.

    Dann kann ich diese Äußerung gegen die anderen Männer von ihr eher verstehen.




  • Es handelt sich hier um einen eklatanten Verstoß gegen das BtMG (hier harte Drogen). Es kann nicht seine, dass einem Politiker durch die Hintertür vergeben wird (keine Häme) und andere werden hart verurteilt. Es kann auch nicht sein, dass ein Politiker (hier ein Politiker des Bundestages!) dieses Amt überhaupt noch ausüben darf.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%