Beckstein neuer bayerischer Ministerpräsident
„Wer jetzt dumm daherredet, bekommt eins auf die Nuss“

Die CSU beendet mit der Wahl Günther Becksteins zum bayerischen Ministerpräsidenten ihre Krise. Die Aussicht auf einen neuen Führungsstil sorgt für Einigkeit in der Partei. Für einen CSU-Premier sind vom Protestanten Beckstein völlig neue Töne zu hören.

MÜNCHEN. Als das Ergebnis um 11.58 Uhr verkündet wird, huscht ein zufriedenes Lächeln über Günther Becksteins Gesicht. Soeben hat ihn der bayerische Landtag mit 122 Stimmen zum neuen Ministerpräsidenten gewählt – 124 Stimmen zählt die CSU-Fraktion. Doch angesichts der satten Zweidrittelmehrheit der Christsozialen interessieren die zwei Enthaltungen an diesem Tag kaum jemand.

Minutenlang jubeln sie ihrem neuen Chef zu, der die Macht in einer Januarnacht in Wildbad Kreuth im Hinterzimmer zusammen mit seinem Tandempartner Erwin Huber an sich gerissen hatte. Vergessen der spöttische Spruch der zahlenmäßig überlegenen Altbayern, man müsse Gott für alles danken, sogar für einen Mittelfranken. Stattdessen erschallen Bravo-Rufe im Planarsaal des altehrwürdigen Maximilianeums, wo der neue Freistaatsherrscher aus Nürnberg fast wie ein Erlöser gefeiert wird. Sein nach 14 Jahren aus dem Amt gejagder Vorgänger Edmund Stoiber quält sich ein müdes Klatschen ab.

Stoiber hatte, zumal nach seinem überragenden Wahlsieg 2003, mit eisenharter Hand regiert. Es ist die Aussicht auf einen neuen Stil, die Beckstein aus Sicht der Fraktionäre für das nach CSU-Lesart schönste Amt der Welt adelt. „Der setzt sich auch einmal unter die Leute und trinkt ein Weißbier mit denen“, atmet ein Abgeordneter nach der Abstimmung auf. „Außerdem will das Volk Beckstein haben, also soll es ihn haben.“ So einfach ist das bei der CSU, deren Allerheiligstes nun einmal die 50 Prozent plus x bei Landtagswahlen sind.

Für einen CSU-Premier völlig neue Töne sind vom Protestanten Beckstein zu hören. Der neue Ministerpräsident bittet in seiner kurzen Dankesrede die Bürger ausdrücklich um Rat und um Kritik. So etwas hätten Stoibers Leute ihren Ministerpräsidenten nie sagen lassen – schließlich gab aus ihrer Sicht im Freistaat ja auch nichts zu kritisieren.

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