Deutschland

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Bedenken beim Datenschutz: Länder wollen Facebook-Einsatz für Lehrer regeln

Der Austausch zwischen Lehrern und Schülern auf Facebook ist praktisch, wirft aber Datenschutzfragen auf. Einige Bundesländer wollen den Einsatz für Lehrer einschränken, andere sehen keinen Handlungsbedarf.

Datenschutzrechtliche Fragen haben auch in die Schulen Einzug gehalten. Quelle: dpa
Datenschutzrechtliche Fragen haben auch in die Schulen Einzug gehalten. Quelle: dpa
Berlin
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Der Austausch von Lehrern und Schülern über Facebook ist einigen Kultusministern ein Dorn im Auge. Einige Länder haben bereits, wie Baden-Württemberg, den Einsatz von Sozialen Netzwerken für Lehrer eingeschränkt. Rheinland-Pfalz und Sachsen arbeiten an entsprechenden Regelungen, ergab eine Umfrage der Deutschen Presseagentur dpa am Mittwoch. „Schulen sollen Facebook nicht im dienstlichen Zusammenhang nutzen“, erklärte eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums.

Hintergrund sind datenschutzrechtliche Bedenken sowie die Gleichbehandlung der Schüler, die nicht alle über einen Internetzugang verfügen. In Schleswig-Holstein und Bayern bestehen bereits seit längerem entsprechende Verbote. Baden-Württemberg schränkte Anfang der Woche den Einsatz Sozialer Netzwerke an Schulen stark ein und verwies auf Datenschutz-Bedenken. Es gibt aber auch Landesregierungen, die keinen Handlungsbedarf sehen. In Nordrhein-Westfalen und Hessen etwa setzen die Minister auf das „amtsangemessene Verhalten“ der Lehrer.

Rheinland-Pfalz will seine Leitlinien zum Beginn des neuen Schuljahrs vorlegen. Darin soll klargestellt werden, dass Lehrpläne nichts auf Facebook zu suchen haben. „Die Lehrer sollen für den Umgang mit Sozialen Netzwerken sensibilisiert werden“, sagte eine Sprecherin. Auch in Sachsen arbeitet das Kultusministerium derzeit an einer Handreichung für die Schulen - ohne Details zu nennen.

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In Schleswig-Holstein sollen Lehrer bereits seit Ende 2012 keine Sozialen Netzwerke mehr nutzen, um etwa Schulausflüge zu planen oder Noten mitzuteilen. Diese Empfehlung sei aus datenschutzrechtlichen Gründen ausgesprochen worden, sagte eine Sprecherin. Außerdem müsse das Bildungsministerium darauf achten, „dass die Bedingungen für alle Schüler gleich sind.“ Nicht alle Eltern wollten, dass ihre Kinder bei Facebook angemeldet sind, und nicht alle Schüler hätten einen Computer oder ein Smartphone.

Ein Verbot gebe es jedoch nicht. „Wir wollen nicht die neuen Medien verteufeln“, sagte die Ministeriumssprecherin. Das Ministerium müsse jedoch Datenschutz und gleiche Bedingungen für alle sicherstellen. Aus diesem Grund hat Bayern schon vor längerer Zeit seinen Lehrern ein dienstliches Facebook-Verbot erteilt. „Privat dürfen sie aber auf Facebook aktiv sein, ebenso die Schüler“, sagte ein Sprecher.

Facebook in Zahlen

  • Transparenz dank Börsengang

    Facebook war lange verschwiegen, wenn es um die Geschäftszahlen ging. Das hat sich mit dem Börsengang im Mai 2012 geändert – nun muss das Unternehmen die Börsianer genau informieren. Die Dokumente offenbaren zudem einen Blick in die ersten Jahre des Sozialen Netzwerks. Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick.

  • Schon früh profitabel

    In den ersten Jahren verlor Facebook zwar Geld – wie fast alle Startups. Doch schon 2009 erreichte das Unternehmen mit einem Gewinn von 229 Millionen Dollar die schwarzen Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte Facebook 7,9 Milliarden Dollar Umsatz aus Werbung und Online-Spielen und verdienten 1,5 Milliarden Dollar Gewinn. Damit hängt das Netzwerk Internet-Urgesteine wie AOL und Yahoo längst ab.

  • Werbung als wichtigste Geldquelle

    Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. Zuletzt lag der Anteil bei rund 90 Prozent. Der Rest resultiert vor allem daraus, dass Facebook an den Einnahmen aus Online-Spielen beteiligt wird. Im ersten Quartal 2014 schnellte der Umsatz um 72 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 642 Millionen Dollar.

  • Beispielloses Wachstum

    Facebook hat ein beispielloses Wachstum hinter sich: Binnen zehn Jahren ist die Zahl der aktiven Nutzer auf 1,28 Milliarden gewachsen, das entspricht grob der Hälfte der globalen Internet-Population.

  • Zuckerberg hat die Kontrolle

    Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen haben.

  • Dominant in aller Welt

    Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Netzwerk – nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren.

  • Keine Chance für StudiVZ

    Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Nach jüngsten Schätzungen des Portals allfacebook.com hat Facebook hierzulande 27 Millionen aktive Mitglieder.

  • Riese Datenmengen

    Facebook ist ein Daten-Riese: Das Soziale Netzwerk verarbeitet (nach Zahlen aus dem August) jeden Tag mehr als 500 Terabyte. Einen großen Teil machen die 300 Millionen Bilder aus, die die Nutzer hochladen.

Andere Bundesländer, allen voran die Stadtstaaten, halten solche Regelungen für überflüssig. Berlin baut darauf, dass Lehrer sich bei der beruflichen Facebook-Nutzung verantwortungsvoll verhalten, sagte eine Sprecherin. Die Hamburger Schulbehörde setzt im Unterricht und mit Broschüren darauf, „einen sensiblen Umgang mit Sozialen Netzwerken zu erreichen“, so ein Sprecher. Auch die Bremer Behörde hält es für sinnvoll, etwa Klassenfahrten über das Netzwerk zu organisieren.

Ähnlich beurteilen das Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Brandenburg, Sachen-Anhalt und Thüringen. Das Ministerium in NRW verweist auf die allgemeine Schulordnung, die von Lehrern ein „amtsangemessenes Verhalten“ verlange. Dazu gehörten eine „pädagogische Distanz zu den Schülern und eine Trennung von dienstlicher und privater Kommunikation“, erklärte ein Sprecher.

Sachsen-Anhalt und Thüringen bauen ebenfalls auf die Eigenverantwortung der Lehrer. Lehrer müssten auch bedenken, dass wichtige Informationen über Online-Netzwerke nicht alle Schüler erreichten, erklärte das Thüringer Ministerium.

Facebook selbst ruft Pädagogen dazu auf, über das Netzwerk mit Schülern Kontakt zu halten. „Sei ein Vorbild im Bereich Internetnutzung“, heißt es auf einer Informationsseite für Lehrer. Sie könnten dort „Eltern informieren, Hausaufgaben aufgeben, Erlaubnisschreiben verteilen oder Fotos und Videos von Klassenveranstaltungen oder Ausflügen zeigen“, wirbt das Netzwerk.

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