Bedienzuschlag
Merkel zwingt Mehdorn in die Knie

Niederlage für Hartmut Mehdorn. Die Deutsche Bahn muss nach Intervention aus dem Kanzleramt auf ihren umstrittenen Bedienzuschlag verzichten.

HB BERLIN. "Die DB hat am heutigen Freitag entschieden, keinen Zuschlag für den personenbedienten Verkauf einzuführen", hieß es in einer Erklärung. Hintergründe der Entscheidung wurden darin nicht genannt. Der Bahn-Vorstand war am Vormittag zu einer Krisensitzung zusammengekommen.

Die Allianz Pro Schiene nahm die Nachricht positiv auf. „Wir begrüßen die Entscheidung. Eine unnötige Barriere für Bahnkunden wird gar nicht erst aufgebaut“, sagte Geschäftsführer Dirk Flege der AP in einer ersten Reaktion.

Die Entrüstung bei den Kunden war groß. Der umstrittene "Bedienzuschlag" von 2,50 Euro bei der Bahn sollte sich beim Kauf einer Hin- und Rückfahrkarte auf fünf Euro verdoppeln, der Zuschlag beim Kauf am Schalter pro Ticket gelten.

Auch die Politik hatte sich eingeschaltet. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe Bahnchef Hartmut Mehdorn in einem Telefonat "ihr Unbehagen über die Bedienzuschläge" mitgeteilt, meldet die "Welt". Bundesverbraucherminister Horst Seehofer übte massive Kritik am Unternehmen wegen der Extragebühr. Die Einführung des Bedienzuschlags in Höhe von 2,50 Euro pro Strecke sei aus mehreren Gründen komplett abzulehnen, teilte Seehofer in der Nacht auf Freitag mit. Zuvor hatten bereits Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und die Gewerkschaft Transnet trotz Korrekturen am geplanten Zuschlag den Druck auf Bahn-Chef Hartmut Mehdorn erhöht. Der Bahnvorstand rief daraufhin für Freitagmorgen eine Krisensitzung in Berlin.

Als einen Grund gegen die geplante Service-Gebühr nannte Seehofer die Tatsache, dass es in vielen anderen europäischen Ländern einen solchen Zuschlag nicht gebe. Mit Blick auf die bisherige deutsche Rechtsprechung für Schaltergebühren im Bankenwesen zog der Minister zudem die Rechtmäßigkeit des Bahn-Vorhabens in Zweifel.

Schließlich sei es "hochproblematisch", dass der Zuschlag pauschal und damit unabhängig von der Entfernung des gewünschten Reiseziels veranschlagt werden solle, erklärte der CSU-Minister weiter und warnte: "Gerade im Regionalverkehr würde das zu erheblichen Preiserhöhungen führen". Beim Kauf einer Fahrkarte für zehn Euro und einer Extragebühr von 2,50 Euro ergebe sich beispielsweise eine Preiserhöhung von 25 Prozent.

Die Überlegung der Bahn, für bestimmte Personengruppen Ausnahmen vorzubereiten, löse die grundsätzlichen Mängel des Vorschlags "in keiner Weise", so Seehofer. Die Ausnahmeregelungen sollten für Senioren mit Bahncard und einige Behinderte gelten, was auch Tiefensee nicht ausreichend und unakzeptabel nannte.

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