Beginn der Stuttgart-21-Schlichtung
Mappus schweigt, Palmer greift an

Stefan Mappus gilt gemeinhin als impulsiver Redner. Während der Schlichtungsgespräch hält sich der baden-württembergische Ministerpräsident allerdings zurück. Anders der Grüne Boris Palmer: Er greift die Landesregierung scharf an. Der Runde Tisch zu Stuttgart 21 ist ein „Demokratieexperiment“ mit ungewissem Ausgang. Die Fronten bleiben verhärtet.
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HB STUTTGART. Heiner Geißler lockert die Atmosphäre bei der ersten Live-Schlichtung zum Bahnhofsumbau Stuttgart 21 gleich zu Beginn mit einem Fauxpas auf: Der 80-jährige, frühere CDU- Generalsekretär versäumt es, Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) vorzustellen. Das Pro- und das Kontra-Lager quittieren es mit Lachen, und auch Mappus nimmt es mit Humor: „Ich bin als Experte da.“

Doch wer die erste Runde am Vormittag am Runden Tisch im Stuttgarter Rathaus verfolgt, der kann den Eindruck bekommen, dass Mappus gar nicht anwesend ist. Während der Wortführer der Gegenseite, der grüne Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, gegen das Milliardenprojekt zu Felde zieht, hält sich der eigentlich als impulsiv bekannte Regierungschef komplett zurück.

Palmer liefert ein Feuerwerk an Argumenten und Anschuldigungen. Tenor: Stuttgart 21 sei ein völlig überteuertes und sinnloses Prestigeprojekt, an dem Mappus und die Bahn nur festhielten, weil es einmal beschlossen wurde. Doch durch die Kostensteigerungen sei die Grundlage für die Beschlüsse brüchig geworden.

„Wenn ein Parlament einen ICE bestellt und dann zum doppelten Preis eine Dampflok geliefert bekommt, dann darf man noch mal fragen, ob man die Bestellung rückgängig machen darf“, sagt der 38-jährige Palmer, der nach eigenen Worten hunderttausende Demonstranten vertrat. Sein Fazit: Bahn und Land seien mit ihrer Strategie gescheitert.

Doch die Befürworter lassen sich nicht provozieren und schicken Bahn-Technikvorstand Volker Kefer an die Front. Er wirbt sachlich für den Tiefbahnhof und die Neubaustrecke nach Ulm, mit der man zwei Mio. mehr Fahrgäste gewinnen könne. „Jeder muss wissen, welchen Weg er beschreitet“, kommentiert Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) den Auftritt von Palmer in einer Pause.

Die Gegner versuchen mit einer „Mischung aus politisch-polemisch und sachlicher Argumentation“ zu punkten. Erst am späten Nachmittag greift Gönner einmal ein und mahnt Palmer, den Experten der Gegenseite nicht von vornherein jegliche Glaubwürdigkeit abzusprechen. Tatsächlich überschreitet der Tübinger Oberbürgermeister in seinem Eingangsreferat mehrmals die von Geißler gezogene Grenze: keine parteipolitische Auseinandersetzung. „Wir machen kein historisches Seminar“, hatte der Schlichter gemahnt. Es solle nicht ständig auf frühere Aussagen der Gegenseite verwiesen werden. Palmer führt jedoch Zitate unter anderem von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) auf, um wortreich zu versuchen, sie zu widerlegen.

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  • oliver hardy und stan laurel. beide kennen sich nicht aus, also wie argumentieren? Palmer und Wölfle sowie Kefer sind Experten, alles andere eher nur statisten.
    wer zwischen bahn Palmer, Wölfle und Kefer die besseren und fundierteren argumente hat, wird dass rennen machen, sowohl für stuttgart 21 sowie politisch!

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