Behindertenhilfe
Jährliche Zusatzrente für Contergan-Opfer

Der Bundestag hat sich der Contergan-Opfer angenommen und die finanziellen Hilfen aufgestockt. Per Gesetz erhalten Betroffene eine jährliche Zusatzrente bis zu 4000 Euro - über einen Zeitraum von 25 Jahren und gestaffelt nach der Schwere ihrer Behinderung.

HB BERLIN. Unabhängig davon bekommen die Geschädigten weiter ihre monatlichen Entschädigungsrenten. Diese waren erst im vergangenen Jahr bis zu einem Höchstsatz von 1090 Euro verdoppelt worden. Das Aachener Pharmaunternehmen Grünenthal, das Contergan 1957 auf den Markt gebracht hatte, stellte daraufhin zusätzlich 50 Mio. Euro für die Betroffenen zur Verfügung. Die gleiche Summe wird noch einmal aus Bundesmitteln bereitgestellt, womit an die Opfer insgesamt 100 Mio. Euro zusätzlich ausgezahlt werden können.

Streit gab es allerdings bis zuletzt um den Auszahlungsmodus. Die Linke und die Grünen hatten sich dafür ausgesprochen, die Betroffenen selbst entscheiden zu lassen, ob sie eine jährliche Rente beziehen oder das ihnen zustehende Geld auf einen Schlag erhalten wollen. Mit dieser Forderung konnten sie sich allerdings nicht durchsetzen. Die Parlamentsmehrheit argumentierte, durch die Verzinsung erhielten die Geschädigten mit einer dauerhaften Zusatzleistung letztlich mehr Geld als bei einer Einmalzahlung.

Das nun verabschiedete Gesetz sieht auch vor, dass die monatlichen Leistungen von bis zu 1090 Euro analog zur gesetzlichen Rente regelmäßig erhöht werden. Betroffene, die wegen verpasster Antragsfristen bislang überhaupt kein Geld beziehen, erhalten zudem erneut die Möglichkeit, Finanzhilfe zu beantragen. Ursprünglich sollte die erneute Antragsfrist nur bis Ende des kommenden Jahres laufen, aber auf Anregung der Opposition wurde komplett auf Befristung verzichtet.

Das Schlafmittel Contergan war in den 50-er Jahren vielen Schwangeren verordnet worden. Weltweit kamen dadurch rund 10 000 Kinder fehlgebildet auf die Welt, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Viele von ihnen sind bereits gestorben. (Achtung: Zu dem Thema hat dpa den Hintergrund "Das Schlafmittel Contergan und die Folgen" gesendet.

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