Behörden prüfen weitere Fälle
Möglicherweise auch Bayern von Dioxin-Skandal betroffen

Der Skandal um dioxinverseuchtes Tierfutter dehnt sich womöglich auf Bayern aus. Der betroffene Lieferant hat auch an bayerische Höfe geliefert.

HB BERLIN.

Auch Bauernhöfe in Bayern sind möglicherweise mit dioxinhaltigem Tierfutter beliefert worden. Wie das Umweltministerium am Freitag in München mitteilte, hat die rheinland-pfälzische Firma, von der das in den Niederlanden entdeckte dioxinbelastete Kaolinit stammte, auch einen bayerischen Kartoffelsortierbetrieb mit eventuell belasteter Tonerde beliefert.

Laut Angaben des Umweltministeriums in München hat die bayerische Sortierfirma in diesem Jahr insgesamt 45.000 Tonnen Kartoffeln verarbeitet. Davon seien rund 1000 Tonnen in Trennbädern sortiert worden, in denen Kaolinit von dem rheinland-pfälzischen Lieferanten enthalten war. Bis Ende kommender Woche sollen Analysen klären, ob diese Tonerde mit Dioxin verseucht war.

Die mit Hilfe des Kaloinits aussortierten Kartoffeln gingen laut Ministerium «gründlich gereinigt» an einen kartoffelverarbeitenden Betrieb in Bayern, der wiederum die Schalen als Tierfutter an landwirtschaftliche Betriebe abgab. Das Ministerium will die betreffenden Landwirte ermitteln. Eine Untersuchung der Behörden habe ergeben, dass der Sortierbetrieb der einzige in Bayern sei, der mit Kaolinit arbeitet.

Laut der rheinland-pfälzischen Landesregierung haben mehrere Landes- und EU-Behörden die Lieferlisten der betroffenen Tongrube des Kaloinit-Lieferanten angefordert, um zu überprüfen, ob weitere Lebensmittelproduzenten belastete Tonerde eingesetzt haben. Die Dioxinbelastung der Tongrube sei seit 1999 bekannt gewesen, hieß es in Mainz. Im Juli 1999 war deutlich geworden, dass in Kaolinit enthaltenes Dioxin in Tierfutter gelangt war. Im Anschluss daran waren sämtliche Tongruben im nördlichen Teil von Rheinland-Pfalz auf Dioxin untersucht und der Einsatz von Kaolinit in Tierfutter verboten worden.

Der Einsatz der weißen Tonerde als «technischer Zusatzstoff» in der Lebensmittelindustrie sowie in der Pharma- und Kosmetikherstellung sei aber nach wie vor zulässig, sagte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Mainz, Jörg Wagner. Eine Warnung vor Dioxin im Kaolinit sei überflüssig, denn seit 1999 sei ja «in der Branche bekannt, dass die Tone belastet sein können», sagte Wagner.

Das dioxinhaltige Kaolinit war von der Firma McCain in einem niederländischen Werk bei der Verarbeitung von Kartoffeln verwendet worden. Die Schälabfälle dienten dann auf Bauernhöfen als Tierfutter. Nach Angaben des niederländischen Landwirtschaftsministeriums sind in dem Land rund 140 Viehzuchtbetriebe gesperrt. In Nordrhein-Westfalen sind seit Donnerstag drei Bullenmastbetriebe in Bocholt, Ahaus und Billerbeck mit insgesamt rund 2000 Tieren vorsorglich gesperrt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%