Bei Abrücken von EU-Sparkurs
„Dann würde das Elend nur von neuem beginnen“

Wolfgang Schäuble (CDU) hat Kritik an der Sparpolitik in Europa zurückgewiesen: „Die Schulden waren ja die Ursache der Krise, in der wir stecken.“ Ratschläge hat der Bundesfinanzminister für Italien und Frankreich.
  • 99

BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat Forderungen nach einem Abrücken von der Sparpolitik in der Euro-Zone eine Absage erteilt. „Die Schulden waren ja die Ursache der Krise, in der wir stecken“, sagte er am Donnerstag im Deutschlandfunk. „Jetzt zu sagen, wir machen wieder mehr Schulden, dann würde das Elend nur von neuem beginnen, das wäre genau die falsche Antwort.“

Entscheidend sei, den Konsolidierungskurs fortzusetzen. Dabei böten die europäischen Verträge genügend Flexibilität, um gleichzeitig die Wirtschaft zu stimulieren. „Wir brauchen Stabilität und nachhaltiges Wachstum.“

Schäuble betonte, die Jugendarbeitslosigkeit sei das größte Problem in Europa. Eine Abkehr von der Sanierung der öffentlichen Haushalte sei aber nicht der richtige Weg, um es zu lösen. Der CDU-Politiker verwies auf das EU-Gipfeltreffen im März, bei dem die Staats- und Regierungschefs sich dazu bekannt hatten, mehr für die Ankurbelung der Wirtschaft zu tun, ohne die Sparpolitik aufzugeben.

EU-Kommissionschef José Manuel Barroso hatte am Montag bei einer Diskussion in Brüssel gesagt, die gegenwärtige Politik stoße an ihre Grenzen. Die Kommission wehrte sich anschließend gegen den Eindruck, dass sie die Sparpolitik grundsätzlich infragestellt. Auch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz und der designierte italienische Ministerpräsident Enrico Letta hatten eine Abkehr von der Konsolidierungspolitik gefordert. Diese Politik sei an ihre Grenzen gestoßen.

Schäuble sagte dazu, in Italien komme es jetzt darauf an, eine stabile Regierung zu bilden. Außerdem müsse das südeuropäische Land seine Nord-Süd-Spaltung überwinden. Weiter sagte er, Frankreich müsse den Weg struktureller Reformen weitergehen. Das Land habe zu hohe Verwaltungs- und Arbeitskosten. Wenn deren Senkung konsequent fortgesetzt werde, gebe es genügend Flexibilität beim Abbau des Defizits.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bei Abrücken von EU-Sparkurs: „Dann würde das Elend nur von neuem beginnen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • DrFreud

    lol, und Sie sind natürlich der mit dem Schlüssel, der sadistische Wärter der die Kaltbäder im Bretterboden verteilt.

  • "Ein viel besserer Kurs wäre allerdings gewesen, schweigen und die anderen machen lassen."

    Das ist was dran. Dann wären die entsprechenden Institute eben pleite gegangen. Aber Merkel und Co sind mit dieser "Retterei" angefangen, im Sinne der Märkte.
    Das Problem - auch in Deutschland wären damit mehr als eine Bank den Bach runter gegangen. Da konnte man wunderbar verfolgen wer wo seine Flossen drin hat und wer wo verschiebt. Die Deutsche Bank allen voran!
    Nun sitzen die Steuerzahler auf Schulden, mit zwar niedrigen Zinsen, aber irgendein "TOP-Ökonom" hat die Parole rausgehauen, mehr als 7% geht nicht (wurde nie bewiesen). Wie dumme Lemminge alle hinterher, denn damit konnten wieder Kredite vergeben werden, Kredite, Kredite ...
    Der ganze Kreisel dreht sich um die Millarden fremder Leute, nämlich um die derjenigen, die genug davon haben, diese auf Knopfdruck hin und her schieben, und sich selbst auch noch die Zinsen dazu vergeben.
    Es ist nicht so das dieses niemand durchblicken kann, es sind die unglaublichen Summen die einen verstummen lassen, es sind die unglaublichen Summen, die jeden Tag durch die Computer geschoben werden, während 30% keine Arbeit haben.
    Es kann hier nicht um Ideologen wie Kapitalismus, Sozialismus oder sonstwas gehen, es kann hier doch nur darum gehen, die Asche zu verteilen, die sich für einige wenige selbst vermehrt, während andere Däumendrehen müssen, weil andere für 1€ produzieren.
    Wenn man das unter "Globalisierung" verstehen will, na dann gute Nacht. Dann sollte man das Kind auch beim Namen nennen, es ist eine Geldglobalisierung mit einer Landkarte so groß wie eine Insel. Denn da passen die paar Strippenzieher offensichtlich drauf.
    Was würde passieren, wenn man die enteignet? Ich prophezeihe: Nichts.

  • Harvard-Ökonomen geben Fehler bei folgenreicher Staatsschulden-Studie zu
    Auf mehr als 90 Prozent Staatsschuldenquote folgen Stagnation und Krise, hatten Reinhart und Rogoff 2010 in einem Paper konstatiert und wurden damit zu den wissenschaftlichen Bannerträgern der öffentlichen Austerität

    19.04.2013 – http://www.heise.de/tp/blogs/8/154129

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%